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VAR verlangsamt das Spiel – Zeit für Umsatz mit Werbung?

Der Video Assistant Referee könnte den Fußball fairer machen. Das steht noch zur Diskussion, doch er verlangsamt das Spiel. Lässt sich damit Geld verdienen?

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Hätte der FC Bayern das Pokalfinale 2018 gewonnen, wenn Felix Zwayer in der Nachspielzeit nach Videobeiweis auf Elfmeter für die Münchner entschieden hätte? Möglich ist es, doch es kam anders. Und die Bayern waren bedient. Der Videobeweis ist bis heute keine Garantie für die immer fairste Entscheidung, Perspektiven und menschliche Entscheidungen spielen weiterhin eine große Rolle. Dennoch werden viele Fehlentscheidungen zurückgenommen, übersehene Tätlichkeiten oder Fouls können nachträglich geahndet werden. Fehlerfrei ist das System aber längst nicht. Die Premier League, in der der VAR nun ebenfalls vertreten ist, bemängelt fehlende Konstanz. Der Referees’ Chief Mike Riley gab gegenüber der Premier League an, dass an den ersten vier Spieltagen, an denen sechs Entscheidungen nach Videobeweis geändert worden waren, weitere vier hätten geändert werden müssen. Die BBC berichtet von Elfmeter-Situationen, einem rotwürdigen Foul und einem Handspiel vor einem Ausgleichstreffer. Wenn das nicht erkannt wird, wie kann der VAR dann fair genutzt werden? Die Premier League aber ist zunächst damit zufrieden, sechs (von zehn) Entscheidungen richtigstellen zu können, die vor einem Jahr nicht berichtigt worden wären.

Auch in der Bundesliga gibt es immer wieder Kontroversen, beinahe wöchentlich. Im Spiel zwischen Düsseldorf und Wolfsburg letzte Woche gab es erneut einen Aufschrei.

Warum griffen die Video-Schiedsricher nicht ein?, fragt die FAZ. All diese Vorfälle zeigen, wie sehr die Verzahnung von Technologie, Spielregeln und Echtzeitentscheidungen noch optimiert werden muss – und dass womöglich noch weitere Systeme integriert werden müssen, soll das Spiel wirklich fairer gemacht und zugleich nicht von Disruptionen durchzogen werden. Derzeit sind aber Pausen aufgrund des Videobeweises gang und gäbe. Mitunter dauern sie Minuten. Könnten diese nicht kommerziell genutzt werden, fragen sich da Verbände, Ligen und Advertiser.

Das Potential der VAR-Werbepause

Bei der WM 2018 war der VAR zum ersten Mal auf der weltgrößten Fußballbühne im Einsatz. Und er trug prompt zu einer Rekordzahl an Strafstößen bei. Insgesamt hatte das System Einfluss in diversen Spielen, auch im Finale kam der Videobeweis erstmals zum Einsatz.

Nun wissen wir, dass das Werben bei populären Sportveranstaltungen äußerst effektiv ist, aber auch äußerst teuer. The Drum berichtet beispielsweise davon, dass Marken für einen 30-Sekünder bei ITVs Übertragung vom Halbfinale England gegen Kroatien in der Halbzeit an die 500.000 Pfund bezahlen sollten.

Und Werbetreibende wittern ihre Chance, dass mit dem VAR mehr Pausen im Spiel entstehen. Diese ließen sich monetarisieren. Laut Financial Times haben diverse Advertiser im Vorfeld der WM 2018 bereits bei der FIFA diesbezüglich angefragt. Die FIFA selbst erkenne die Pausen als “ungenutze Möglichkeit” an. Dem Bericht zufolge denken bereits verschiedene Organisationen darüber nach, die entstehenden Pausen für kurze Werbung zu öffnen. In anderen Sportarten gibt es bereits solche Mini Ad Breaks. Aber kann das im Fußball funktionieren und wie würden Fans reagieren?

Langsameres Spiel = mehr Kommerzialisierung?

FIFA-Präsident Gianni Infantino bezeichnet den VAR als die Zukunft des Fußballs und das System etabliert sich nach und nach europa- und weltweit. Dabei ist eine Entwicklung jedoch nicht zu leugnen: das Spiel wird verlangsamt. Das hatten Gegner des Videobeweises und Befürworter von raschen Echtzeit-Tatsachenentscheidungen befürchtet. Eine Studie von Wissenschaftlern der Universtität in Vigo bestätigt das. Im Artikel “The impact of video speed on the decision-making process of sports officials” von Jochim Spitz, Pieter Moors, Johan Wagemans & Werner F. Helsen wird darauf hingewiesen, dass die Verlangsamung, etwa durch Slow Motion-Betrachtung entscheidender Szenen, zu mehr geänderten Entscheidungen führen kann, oft also auch zu mehr objektiver Fairness. Dass diese dem Fußball aber etwas von seinem emotionalen Charakter nimmt, der aus diskutablen Situationen, Momenten der Unübersichtlichkeit und Überraschungen entsteht, ist ein weiterer Nebeneffekt, den auch Kjetil Kåre Haugen, Sport Management-Experte an der Universität von Molde, anerkennt; bei WIRED wird er zitiert:

The problem with the VAR system is that you make the game more fair. The more fair the sport is, the more it benefits the better teams.

So oder so, die Pausen während des Spiels werden mehr werden. Für den Fan wäre es schön, wenn sie kürzer würden, für die Spieler ohnehin. Aber das kann sicher bei kniffligen Situationen nicht immer gewährleistet werden. Die Rechnung ist dann für diejenigen, die die wirtschaftlichen Interessen der Verbände oder Ligen repräsentierten, recht einfach. Mehr Zeit, die der Zuschauer vor dem Gerät verbringt, bedeutet mehr Monetarisierungspotential. Warum das nicht in VAR-Pausen nutzen? Die Premier League ist bislang noch dagegen, man könne die Effekte des Videobeweises noch nicht absehen. Außerdem werden die Fans auch die Entscheidungsfindung des Schiedsrichters mitverfolgen wollen.

Die Frage wird sein, ob das die zuständigen Entitäten langfristig davon abhalten wird, beispielsweise 6-Sekünder einzubauen, wenn über eine strittige Situation entschieden werden muss. Immerhin braucht der Schiri ein wenig, bis er beim Bildschirm ist oder er muss auf verschiedene Ansagen aus Köln (etc.) warten. Außerdem ließen sich die Anzeigen, die den Fans im Stadion präsentiert werden, auch branden. Kommt das Ergebnis “No Goal” zustande, könnte das durch XY präsentiert werden; der Advertiser wüsste schließlich, dass alle Augen auf die Tafel gerichtet wären.

Die Diskussion um den Videobeweis wird weiter heiß bleiben; denn die Fairness wird erst Stück für Stück optimiert. So kann man sich vorstellen, dass künftig neue Technologien in den Sport Einzug halten, etwa eine Torlinientechnik für alle Linien oder Wearable-Elemente, die via Machine Learning das Abseits technisch begründet immer erkennen. Bis dahin aber wird der VAR ein Thema bleiben; aber auch eines, das möglicherweise zu mehr Umsatz führt, weil es – neu wie es im Fußball seit wenigen Jahren ist – ganze neues Werbeinventar schaffen könnte. So wäre das Langsame am Spiel für einige Parteien womöglich doch ertragreich. Für Fans und Spieler hingegen würde sich das Spiel langsam, aber sicher extrem transformieren. Wohl oder übel.

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Fußball schauen ist unmöglich, Fußball lesen aber nicht

Wann findet man schon mal Zeit zum Lesen? Jetzt! Es läuft kein Fußball und man soll das Haus nicht verlassen. Perfekt, um in interessanten Büchern zu schmökern.

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Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Fernsehanstalten wieder Fußballübertragungen ausstrahlen. Niemand kann vorhersagen, was im Fußballgeschäft in den nächsten Wochen alles passieren wird. Wettbewerbe werden ausgesetzt oder verschoben, Vereine bangen um ihre Existenz und Spieler werden öffentlich dazu aufgefordert, auf ihre Gehälter zu verzichten. Nichts ist normal und alles scheint möglich.

Aufgrund der sich stetig ändernden Situation, wäre es vermessen, Spekulationen über den weiteren Verlauf dieser Krise anzustellen. Uns bleibt nur, den Anweisungen der Behörden Folge zu leisten und alternative Unterhaltungsmöglichkeiten zu finden. Eine Möglichkeit, die wir in unserem normalen Alltag viel zu selten wahrnehmen, sind Bücher. Um genauer zu sein: Fußballbücher. Deshalb folgen nun einige Fußballbücher, denen man als interessierter Zuschauer eine Chance geben sollte.

Matchplan: Die neue Fußballmatrix von Christoph Biermann

Für alle, die sich Woche für Woche darüber wundern, warum ihr Verein schon wieder verloren hat, obwohl er doch mehr Ballbesitz und mehr Torschüsse hatte, ist dieses Buch die perfekte Lektüre. Es bietet einen Einstieg in die Welt der Daten und Zahlen des Fußballs und erklärt, warum Datenanalyse heutzutage ein so wichtiger Bestandteil des Profifußballs ist – Stichwort Expected Goals. Hoch interessant, sehr gut geschrieben und noch immer brandaktuell.

Der Goldminen Effekt von Rasmus Ankersen

Zugegeben, Der Goldminen Effekt ist kein reines Fußballbuch, aber es handelt von Sachverhalten, die auch für den Fußball von essenzieller Wichtigkeit sind. Rasmus Ankersen hat für dieses Buch die halbe Welt bereist und Standorte besucht, an denen Sportler seit Jahren Höchstleistungen erbringen und ihre Sportarten dominieren. Beispielsweise die jamaikanischen Sprinter, die kenianischen Läufer oder die brasilianischen Fußballer. Dieses Buch räumt mit den gängigen Vorurteilen auf, dass die dort lebenden Menschen irgendwelche genetischen Vorteile hätten und zeigt auf, wie jeder Mensch derartige Leistungen erreichen kann.

Die Zeit der Strategen von Tobias Escher

Wer sich im deutschsprachigen Raum ein wenig für Fußballtaktik interessiert, hat wahrscheinlich auch den Namen Tobias Escher schon einmal gehört. Der Autor ist unter anderem verantwortlich für unzählige Artikel auf Spielverlagerung.de und hat schon mehrere Bücher geschrieben. Mit Die Zeit der Strategen bietet er einen kurzen Einblick in die taktischen Denkweisen der erfolgreichsten Trainer unserer Zeit. Wer schon immer mal wissen wollte, wie Guardiola, Mourinho, Klopp oder Nagelsmann über Fußball nachdenken, ist hier an der richtigen Adresse.

Fußball durch Fußball von Marco Hensling und René Marić

Fußball durch Fußball ist ein Buch, das sich vor allem an Fußballtrainer richtet. Es erklärt die Trainingsansätze des modernen Fußballs und stellt klar, warum ein Waldlauf heutzutage in keinem Trainingsplan mehr Platz haben sollte. Die Kernaussage des Buches ist, das man Fußballspielen am besten lernt, indem man möglichst viel Fußball spielt. Das klingt vielleicht etwas banal, ist aber den meisten Amateurtrainern nicht bewusst. Vereinfacht gesagt: In einem Trainingsspiel (mit gewissen Anpassungen) verbessert man alle für den Fußball notwendigen Fähigkeiten (wie z.B. Passen, 1-gegen-1, Kurzeitausdauer, etc., etc., etc.) und das auch noch in einer spielnahen Situation. In isolierten Trainingsformen werden nur wenige spezifische Fähigkeiten trainiert und das in spielfernen Situationen. Desshalb: Lest dieses Buch und spielt’s Fußball!

Leading von Sir Alex Ferguson und Sir Michael Moritz

Sir Alex Ferguson ist einer der erfolgreichsten Fußballtrainer aller Zeiten. Er war unglaubliche 27 Jahre lang Trainer von Manchester United und machte den Verein zum englischen Rekordmeister. Ohne Ferguson gäbe es das Manchester United, wie wir es kennen, nicht. In diesem Buch beschreibt Ferguson, wie er seinen Verein geführt hat und bietet Ratschläge für andere Berufsfelder. Für jeden, vom Fußballtrainer bis zum Geschäftsführer, bietet dieses Buch extrem viele spannende Ansätze. Besonders interessant wird das Ganze durch die unzähligen Fallbeispiele aus dem Leben eines ganz besonderen Mannes.

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Not macht erfinderisch – #UltimateQuaranTeam

In der aktuellen Situation ist FIFA zocken eine der wenigen Sachen, die man ohne Einschränkungen genießen kann. #UltimateQuaranTeam

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Die Welt der Sports steht zu großen Teilen still. Das Coronavirus lässt vorerst keine gewohnten Wettbewerbe stattfinden und wie sich die Situation in naher Zukunft entwickelt, ist nicht absehbar. Das einzige, was die Menschen gerade tun können, um die Lage zu verbessern, ist zuhause zu bleiben. Für Fußballfans ist das natürlich eine verzwickte Lage: Zwar massenhaft Zeit zum Fußballschauen, nur leider laufen keine Spiele mehr. Nun zeigt sich in dieser schweren Stunde aber einmal mehr, wie Kreativ die Menschheit sein kann.

Der englische viertligist Leyton Orient startet ein FIFA-Turnier. Unter dem Hashtag #UltimateQuaranTeam war zunächst angedacht, 64 Profimannschaften als Teilnehmer zu gewinnen, doch diese Zahl wurde schleunigst nach oben korrigiert. Das aktuelle Ziel ist ein Teilnehmerfeld von 128 Mannschaften und es flattern permanent neue Zusagen ein.

Auf Twitter rief der Verein seine Konkurrenten zu diesem Alternativwettbewerb auf und fand sofort prominenten Anklang. Unter anderem Manchester City sicherte seine Teilnahme zu und mittlerweile sind Mannschaften aus ganz Europa dabei, von Dänemark über Belgien bis nach Frankreich. Teilweise haben die Vereine auch schon ihre Repräsentanten bekannt gegeben. Bei Crystal Palace ist es zum Beispiel Andros Townsend, einer der Profis aus der ersten Mannschaft.

Genauere Informationen über den Turnierverlauf veröffentlicht Leyton Orient in den kommenden Tagen. Vielleicht sind bis dahin ja auch ein paar deutsche Vereine auf den Zug aufgesprungen. Selbst wenn ein FIFA-Turnier niemals den Profifußball ersetzen könnte, ist es doch eine schöne Maßnahme, um in diesen komplizierten Zeiten ein wenig Spaß zu haben.

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Nur Corona kann ihn stoppen – Atalanta Bergamos unaufhaltsamer Offensivfußball

Josip Ilicic erzielte am Dienstagabend vier Tore beim Auswärtsspiel gegen den FC Valencia. Ein weiterer Beweis von Atalantas überragender Offensive.

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Wie diese Fußballsaison weitergehen wird, ist momentan mehr als fraglich. In Italien wurden alle Sportveranstaltungen bis zum 3. April ausgesetzt und in ganz Europa werden Fußballspiele vor leeren Rängen ausgetragen. Die Deutsche Eishockey Liga hat sich jetzt sogar dazu entschieden, die Saison zu beenden, ohne einen Meister zu küren. Die DFL und die UEFA versuchen diese drastischen Maßnahmen noch zu verhindern, aber auch sie geraten immer mehr unter den Druck der Politik.

Atalanta Bergamo – ein italienischer Top-Verein

Noch aber läuft die Champions League und der interessierte Zuschauer durfte am Dienstag einmal mehr die Offensiv-Power von Atalanta Bergamo bestaunen. Für die meisten deutschen Zuschauer ist der Viertelfinaleinzug der Mannschaft von Gian Piero Gasperini wahrscheinlich sehr überraschend, doch diese Mannschaft ist keineswegs erst seit gestern gut. Seit Gasperini die Geschicke der Bergamasken leitet, belegten sie den vierten, siebten und zuletzt dritten Platz in der Serie A und auch in dieser Saison ist man auf Platz vier.

Dieses Jahr bekommen die Italiener auch endlich die verdiente europäische Aufmerksamkeit, da sie das erste Mal in ihrer Vereinsgeschichte in der Champions League mitspielen. Bis dato stand nur eine Teilnahme in der Europa League zu buche, die in der Zwischenrunde gegen Borussia Dortmund endete. Jetzt also Champions League-Viertelfinale. Man muss zwar zugeben, dass Valencia einer der schwächeren Gegner war, aber das Gesamtergebnis von 8:4 spricht trotzdem Bände. Atalanta Bergamo ist momentan eine der spektakulärsten Mannschaften im europäischen Fußball.

Torhunger trotz gesteigertem Alter

Unterstrichen wird diese These von der aktuellen Tabelle der Serie A. Obwohl Atalanta nur auf Platz vier mit 15 Punkten Rückstand auf die erstplatzierten Turiner steht, hat der Verein die mit Abstand beste Offensive. Nach 25 Spielen stehen bereits 70 (!) Treffer zu Buche. Inter hat als zweitbeste Offensive (nur) 60 Tore und Juventus sogar 20 Tore weniger. Schon in der vergangenen Saison stellte man am Ende den besten Sturm.

Dabei basiert diese stürmische Mannschaft auf ganz anderem Spielermaterial als beispielsweise die ähnlich offensivfreudigen Dortmunder. Während in Dortmund die jungen, wilden unterwegs sind und die offensive Dreierreie nicht selten ein Durchschnittsalter um die 20 aufweist, ist in Bergamo schon fast ein Altherrenverein auf dem Platz. Kapitän und Topvorlagengeber Papu Gómez ist 32 Jahre alt. Ebenso wie Offensivgenie und Viererpacker gegen Valencia Josip Ilicic. Duván Zapata und Luis Muriel, die beiden Stürmer, die sich im Zentrum zumeist abwechseln, sind 28 Jahre alt.

Slowenisches Genie – Deutscher Nationalspieler?

Gasperini schafft es, mit seinem offensiven Ansatz im System mit einer Dreierketter gerade Josip Ilicics Leistungsvermögen immer weiter in die Höhe zu treiben. Dass Ilicic ein herausragender Fußballer ist, war schon immer klar, aber er wandelte zu häufig zwischen Genie und Wahnsinn und schaffte es nicht, seine außergewöhnlichen Fähigkeit regelmäßig auf den Platz zu bringen. Nun ist der Slowene, für den Bergamo 2017 nicht einmal sechs Mio. Euro bezahlte, im gehobenen Fußballeralter auf europäischem Top-Niveau angekommen.

Eine interessante deutsche Personalie hat Atalanta Bergamo auch zu bieten. Mit Robin Gosens spielt einer der aktuell besten Linksverteidiger Deutschlands in der Serie A. Wobei Linksverteidiger nicht wirklich auf seine Rolle bei Atalanta zutrifft. Er ist der linke Flügelverteidiger in der Dreier- /Fünferkette und aufgrund des offensiven Ansatzes Atalantas zumeist vorne anzutreffen. Falls die Euro 2020 nicht auch dem Coronavirus zum Opfer fällt, wäre Joachim Löw sehr gut beraten, Robin Gosens zumindest in Erwähgung zu ziehen. Gerade, weil es der deutschen Nationalmannschaft an Innenverteidigern mangelt und der gesetzte Linksverteidiger Marcel Halstenberg diese Rolle ideal ausfüllen könnte.

Robin Gosens

Coronavirus als Spaßbremse

Spätestens seit dem Achtelfinale ist ganz Europa gewarnt, dieses Atalanta Bergamo nicht zu unterschätzen. Im letzten Jahr konnte Ajax Amsterdam fast ins Finale einziehen und warf auf dem Weg ins Halbfinale Real Madrid und Juventus Turin raus. Atalanta ist definitiv Ähnliches zuzutrauen. Mit der unbändigen Offensiv-Power dieser Mannschaft kann jeder Gegner bezwungen werden. Nur eine Sache könnte der Märchengeschichte einen Strich durch die Rechnung machen: Das Coronavirus. Wenn sich das Virus weiter ausbreitet, ist nicht klar, ob die Fußballwettbewerbe in gewohnter Form beendet werden können. Das wäre nicht nur eine Tragödie für jeden Fußballfan, sondern vor allem für Atalanta Bergamo. Denn die Mannschaft ist in einer derart herausragenden Form, dass Historisches möglich wäre.

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#Jede7te – Viele Frauen im Fußball und nach wie vor viel Ungerechtigkeit

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Der DFB nutzte den Weltfrauentag, um unter dem Hashtag #Jede7te darauf aufmerksam zu machen, dass jedes siebte Mitglied im größten Sportfachverband der Welt eine Frau ist. Prominente Unterstützung bekam die Kampagne unter anderem von der Bundesliga-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus, die vor dem Sonntagsspiel des FC Bayern sieben Finger in die Kamera hielt. Das Motto der Kampagne lautete: Jedes siebte Mitglied im DFB ist weiblich. Damit sind wir mit 1,1 Millionen Frauen und Mädchen im Fußball vor allem eines: unverzichtbar.

Eine Aussage, die so simpel und doch so wichtig ist. Frauen sind auch im Fußball unverzichtbar! Nur leider ist das öffentliche Bild der Sportart zumeist ein anderes. Frauen in Führungspositionen sind eine absolute Seltenheit und Frauenfußball im Fernsehen nur zu ganz besonderen Ereignissen zu beobachten. Der DFB betreibt mit #Jede7te zwar eine wichtige Kampagne, nur sollte sich der Verband auch konsequenter gegen die Ungerechtigkeiten einsetzen, die Frauen im Fußball noch immer begegnen.

Gender Pay Gap

Ein großes Problem des Frauenfußballs ist die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt 21% weniger als ihre männlichen Kollegen und im Fußball ist diese Lücke noch viel größer. Während Spielerinnen in der Bundesliga durchschnittlich 39.000 Euro pro Saison verdienen, bekommen die Männer durchschnittlich 48.000 Euro pro SPIEL. Das ist keine Lücke mehr. Da liegen Welten dazwischen.

Auch bei der Ausschüttung von Prämien in den Nationalmannschaften sind die Männer ganz klar vorne. Sowohl die FIFA und die UEFA, als auch der DFB belohnen die Männer wesentlich stärker für erfolgreiche Leistungen. So verteilte die FIFA bei der Frauen WM 2019 beispielsweise insgesamt 26 Mio. Euro, während Frankreich, Weltmeister der Männer 2018, alleine 32 Mio. Euro erhielt. Doch in einigen Nationen sind positive Entwicklungen zu erkennen. Zum Beispiel in Norwegen wurden die Prämien für Frauen und Männer komplett angeglichen. Möglich wurde diese Maßnahme, indem die Männer auf einen Teil ihres Gehalts verzichteten.

Frauen in Führungspositionen – Fehlanzeige

Hierzulande aktuell unvorstellbar, aber die Skandinavier nehmen in der Gleichberechtigung im Fußball in vielen Bereichen eine Vorreiterstellung ein. Bereits vor 30 Jahren führte der Verband eine Frauenquote ein, die heute dazu führt, dass 50% der Vorstandsmitglieder weiblich sind. Die FIFA hat in ihrem Führungsgremium auch mindestens sechs Frauen, doch versäumt es bisher, klare Vorgaben an die Nationalverbände zu geben. Im DFB-Präsidium sitzt nur eine Frau, neben 18 Männern. In der Wirtschaft wurde eine Frauenquote eingeführt, nur den starken Männern des Fußballs scheint die Sache noch nicht ganz geheuer. Dabei ist bewiesen, dass Diversität zu den besten Ergebnissen führt.

Die Wissenschaft konnte einen entscheidenden Grund für die niedrige Anzahl von Frauen in Führungspositionen ausmachen. Menschen neigen bei der Einstellung von Personen dazu, jemanden zu bevorzugen, der ihnen ähnlich ist. Da in der deutschen Fußballlandschaft 95% der Führungspositionen von Männern besetzt sind, könnte eine Frauenquote Abhilfe schaffen. In den Stadien sind ca. ein Viertel der Zuschauer weiblich, warum also nicht in den Führungsebenen?

Hannelore Ratzeburg im DFB-Präsidium – allein auf weiter Flur

Frauen als Trainer – noch mehr Fehlanzeige

Auch auf der Trainerposition sind Frauen vor allem im Männerfußball eine Seltenheit, aber auch im Frauenfußball gibt es mehr männliche Trainer als weibliche. In Deutschland liegen die Gründe zum einen darin, dass es für Frauen schwieriger ist, eine entsprechende Lizenz zu erwerben, da die gesamte Szene männerdominiert ist. Zum anderen ist eine Hauptanstellung als Trainerin im Frauenfußball risikobehaftet, da das Gehalt nicht übermäßig hoch ist und man deshalb nach einer Entlassung ohne die nötige finanzielle Absicherung dasteht.

Frauen, die eine Männermannschaft trainieren, sind in Deutschland eine noch größere Rarität. Bisher gab es noch keine Frau, die eine Mannschaft in den oberen drei Ligen trainierte. Dabei entbehrt diese Unterrepräsentation von Frauen jedweder Legitimation. Dass Frauen als Spielerinnen körperlich nicht mit dem Männerfußball mithalten können, steht außer Frage, aber für die Trainerposition sind Frauen ebenso gut ausgestattet, wie Männer. In den USA wird diese Tatsache seit einigen Jahren unter Beweis gestellt. In der NBA gibt es seit 2014 einige Frauen, die als Assistenztrainerinnen tätig sind und eine Frau als Head-Coach scheint der nächste logische Schritt.

In Deutschland ist Inka Grings momentan dabei, mit dem SV Straelen in die Regionalliga aufzusteigen. Die ehemalige Nationalspielerin ist im Besitz der Fußballlehrerlizenz und erfährt in ihrem Verein jede Menge Wertschätzung. Bei einem Punkteschnitt von 2,32 und 19 Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten wenig verwunderlich. Hoffentlich kann sie ein Vorbild werden, für mehr Vereine eine Frau als Cheftrainerin einzustellen und eventuell für Mädchen und Frauen mit dem Fußballspielen anzufangen. Denn seit der WM 2011 sind die Mitglieder- und Zuschauerzahlen rückläufig.

Inka Grings, Trainerin des SV Straelen

Keine Aufmerksamkeit, kein Geld, keine Unterstützung

Die WM im eigenen Land stellte einen Höhepunkt im deutschen Frauenfußball dar. Sponsoren wurden auf die Sportart aufmerksam und die Zuschauerzahlen schossen in die Höhe. Doch versäumte es der DFB, diese Euphorie aufrechtzuerhalten. So verschwand der deutsche Frauenfußball in den letzten Jahren immer mehr in der Versenkung, während in anderen Ländern stetig neue Zuschauerrekorde aufgestellt werden. In England und Spanien haben die Verbände beispielsweise durch die verpflichtende Unterstützung durch die Männervereine dazu beigetragen, dass der Frauenfußball professionalisiert wurde. Doch in Deutschland ist Frauenfußball nach wie vor nur eine Randerscheinung, die vom DFB wenig Aufmerksamkeit und Unterstützung erhält.

Sexismusprobleme

Wenig Unterstützungen erhalten die meisten Frauen im Fußball auch, wenn es um die Bekämpfung von Sexismus geht. Während in Deutschland das Fußballspielen für Frauen glücklicherweise seit 1970 nicht mehr verboten ist, sieht es in anderen Ländern komplizierter aus. Beispielsweise in Afghanistan haben sich die Frauen selbst organisiert, um eine Nationalmannschaft stellen zu können. Doch eine der Gründerinnen dieser Mannschaft ist mittlerweile aufgrund von Morddrohungen nach Dänemark geflohen und der ehemalige Verbandspräsident Keramuddin Karim wurde wegen Vergewaltigungsvorwürfen von der FIFA gesperrt.

Die Frauen beklagen sich berechtigterweise darüber, dass ihren Anschuldigungen für derartige Sachverhalte nicht genug Gehör geschenkt wird. Opfer von sexueller Gewalt müssen sich vor der FIFA rechtfertigen und der Weltverband reagiert erst, wenn von offiziellen Mitgliedern der Nationalverbände eine Meldung eingeht. Diese Mitglieder sind natürlich zu großen Teilen männlich und schützen sich häufig gegenseitig. Die Spielergewerkschaft FIFPro stellte eine Umfrage zu dem Thema an und 18,5% der befragten Spielerinnen gaben an, bereits Sexismus im Fußball erlebt zu haben, 3,5% berichteten von gewaltsamen Übergriffen.

In allen Ebenen und in allen Verbänden muss noch viel getan werden, um die Ungerechtigkeiten für Frauen im Fußball zu beseitigen. Die Kampagne des DFB zum Weltfrauentag ist eine schöne Geste, aber es müssen Taten folgen, die den unersetzlichen Frauen helfen. Frauen müssen auch im Männerfußball endlich zur Normalität werden. Der Fußball hängt in diesem Gebiet der Gesamtgesellschaft ein weites Stück hinterher.

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Content & Media

Journalistischen Auftrag verfehlt – Die gefährliche Einseitigkeit der Mainstreammedien

Vollumfängliche Berichterstattung ist für den Journalismus essenziell. Doch am Wochenende versäumten es einige Medien, journalistische Grundlagen zu wahren.

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“Sowas gehört nicht ins Stadion! Es sollte wieder um Fußball gehen! Das sind keine echten Fans!” Diese und ähnliche Aussagen fielen nach den Fan-Protesten am Wochenende zuhauf. Alle stimmten zunächst auf den Hassgesang gegen die Ultras ein. Angeführt von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge wurde deutlich gemacht, was man von der Aktion der Fans hält. Dass die Verantwortlichen des FC Bayern in dieser Sache klar Stellung beziehen, ist wenig verwunderlich. Wesentlich komplizierter ist die Lage für die berichtenden Medien. Oder sollte sie zumindest sein.

Der Journalismus – die vierte Gewalt – beansprucht für sich selbst immer wieder Objektivität und das ist auch gut, denn Journalismus hat Macht. Auch im Fußball, wie die Football Leaks von 2018 zeigen. Am Samstag und Sonntag war diese Objektivität zumindest in den Mainstreammedien nicht ausreichend vorhanden. Fast alle solidarisierten sich mit Dietmar Hopp und verurteilten die Fan-Proteste aufs Schärfste. Sie wurden sogar teilweise auf eine Stufe mit Rassismusvorfällen gehoben. Von objektiver, differenzierter, vollumfänglicher Berichterstattung fehlte jede Spur.

Doch zunächst die Frage: Was ist mit Mainstreammedien gemeint? Das sind die Sportberichterstatter, die in Deutschland aufgrund ihrer Zuschauerzahlen die breite Masse erreichen, also ARD, ZDF, Sky, Sport1 und DAZN. Es gibt sicherlich noch mehr, aber diese Anstalten haben noch am Wochenende direkt Bezug auf die Ereignisse genommen. DAZN sei von der Kritik explizit ausgenommen, da der Sender von einer ausführlichen Berichterstattung zu dem Thema absah, um eben keine zu kurz gegriffenen Urteile zu fällen. Die anderen Sender räumten den Vorfällen viel Zeit ein, boten ihm seine verdiente Bühne, aber machten haarsträubende Fehler in der Aufarbeitung.

Was ist passiert?

Nun zum Vorfall: Beim Spiel Hoffenheim gegen Bayern erhoben die bayrischen Fans mehrere Transparente, in denen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp als “Hurensohn” beleidigt wurde. Daraufhin wurde das Spiel mehrmals unterbrochen und die beiden Mannschaften entschieden sich dazu, die letzten knapp 15 Minuten des Spiels gemeinsam auf dem Feld zu verbringen, aber kein Fußball mehr zu spielen. Soweit so nachvollziehbar. Doch sind die Plakate der Ultras viel mehr als nur eine stumpfe Beleidigung gegen den Geldgeber der Hoffenheimer. Sie sind Systemkritik und Solidarisierung zugleich.

In den vergangenen Jahren protestierten die Dortmunder Fans immer wieder gegen das Modell der TSG Hoffenheim und beleidigten Dietmar Hopp persönlich. Das führte dazu, dass der DFB ihnen eine Bewährungsstrafe aufbrummte. Die Fans verstießen jedoch auch gegen die Bewährungsauflagen, weshalb der DFB sie bis einschließlich 2022 von Auswärtsspielen ihrer Mannschaft in Hoffenheim ausschloss.

Diese Bestrafung schlug hohe Wellen in der deutschen Fanlandschaft, weil der ehemalige DFB-Präsident Reinhard Grindel im Jahr 2017 noch versichert hatte, dass es keine Kollektivstrafen mehr geben würde. Aus rechtlicher Sicht sind Kollektivstrafen sowieso verfassungswidrig, da die Bestrafung einer Gruppe für die Vergehen einzelner gegen die Menschenwürde verstößt. Der DFB brach also nicht nur sein Wort, sondern wendete außerdem sehr zweifelhafte rechtliche Praxen an.

Diese Tatsachen und natürlich die Ausnahmeregelung von 50+1, von der Dietmar Hopp profitiert, waren Auslöser der Proteste. Man könnte jetzt anführen, dass die Protestgründe durchaus angemessen sind, aber die Wortwahl “Hurensohn” den Rahmen sprengt. Doch auch diese konkrete Wortwahl hat ihren Grund. Die Dortmunder Fans verwendeten nämlich genau dieses Wort in ihren Protesten, für die sie vom DFB verurteilt wurden und die Bayern (und andere Fanlager) nahmen mit ihren Plakaten direkten Bezug darauf. Weshalb der Tatbestand der Beleidigung faktisch gar nicht vorliegt. Es handelt sich viel mehr um eine Meinungsäußerung. (Siehe Urteil Beleidigung Renate Künast)

Trotzdem haben die Ultras natürlich übertrieben. Es gäbe sicherlich geschicktere Arten, seinem Anliegen Gehör zu verschaffen und vor allem die Fadenkreuzbilder von Dietmar Hopp entbehren jeglicher Legitimation und sind aufs Schärfste zu verurteilen.

Die Berichterstattung

Nun aber zum großen Problem in dieser Thematik: der Berichterstattung. Keiner der angesprochenen Sender hielt es für nötig, die Beweggründe der Fans genauer zu beleuchten. Die Ultras wurden als “Idioten” betitelt und es war ständig die Rede von “den sogenannten Fans”. Von allen Seiten wurde an den Zuschauer appelliert, diesen Leuten doch nicht das Stadion zu überlassen. Man hatte das Gefühl, wir hätten am Samstagnachmittag eine extreme Diskriminierung erfahren. Das war aber überhaupt nicht der Fall. Eine Einzelperson des öffentlichen Lebens wurde beleidigt (aus strafrechtlicher Sicht evtl. nicht mal das).

Fritz Keller, der neue DFB Präsident, war am Samstagabend im Sportstudio zu Gast und führte die “Hetze” fort. Nicht nur gab er die Meinung Preis, dass es in Deutschland noch nicht so lange Rassismus gebe. Er ließ ebenfalls jegliches Fingerspitzengefühl mit der Problematik vermissen. Die Anliegen der Fans waren überhaupt kein Thema und eine Antwort darauf, warum es denn jetzt doch Kollektivstrafen gibt, blieb er ebenfalls schuldig. In diesem Zusammenhang sei auch die Rolle Kathrin Müller-Hohensteins nicht unerwähnt, denn kritisches Hinterfragen sieht definitiv anders aus.

Das Problem der ganzen Geschichte ist, dass diese ersten Eindrücke in den Köpfen der Menschen hängen bleiben. Der Otto-Normal-Fußballzuschauer, der am Wochenende die Sportschau, Das Aktuelle Sportstudio, Sky90 oder den Doppelpass verfolgt hat, denkt jetzt, dass die “bösen” Ultras nur Dietmar Hopp beleidigen wollten. Die Hintergründe sind ihnen überhaupt nicht klar und eine angemessene Einordnung der Ereignisse deshalb unmöglich. Das führt zu gravierenden Schwierigkeiten für die Ultraszene, weil ihr Ansehen nachhaltig geschädigt werden könnte.

Kurioser Weise sind ausgerechnet die Mainstreammedien mitschuld an der Grenzüberschreitung der Ultras. Denn normalerweise finden Spruchbänder und Proteste der Fans wenig Platz in der Berichterstattung, weshalb sich die Szene zu diesem Schritt gezwungen sah. Die Ultras haben nun mal keinen Vorsitzenden, der nach jedem Spiel vor die Mikrofone treten darf, und deshalb fehlt ihnen das Sprachrohr, wenn die Medien ihre Anliegen nicht ausreichend an die Öffentlichkeit tragen.

Ein Hoffnungsschimmer

Positiv ist, dass in Zeiten der Digitalisierung keine einseitige Darstellung lange Bestand hat. Über andere Berichterstatter, hauptsächlich in Schriftform und im Internet, wurde ein wesentlich ausführlicheres Bild der Vorfälle gezeichnet und auch die Mainstreammedien haben das schnell erkannt. Am Dienstagabend nach dem DFB-Pokal-Spiel zwischen Schalke und Bayern strahlte die ARD eine Sondersendung zu dem Thema aus. In dieser Sendung wurde deutlich differenzierter über die Proteste berichtet und auch Moderatorin Jessy Wellmer saß nicht nur nickend daneben.

Zum Schluss sei noch einmal deutlich gesagt, dass die Fan-Proteste vom Wochenende in keinster Weise mit Rassismusvorfällen der Vergangenheit gleichzusetzen sind. Es handelt sich um fundamental unterschiedliche Ereignisse. Trotzdem muss der DFB sich in Zukunft am harten Durchgreifen des vergangen Spieltages messen lassen, was ein wenig Hoffnung auf besseren Umgang mit Rassismus macht.

Außerdem einige Empfehlungen von Berichterstattungen, die von Anfang an die Prinzipien des Journalismus beachteten:

Rocket Beans TV: https://www.youtube.com/watch?v=omuG204K3Ck&feature=emb_title

Onefootball: https://www.youtube.com/watch?v=FPcz4uj-7dc

Zeit Online: https://www.zeit.de/sport/2020-03/hoffenheim-fc-bayern-dietmar-hopp-beleidigungen/komplettansicht

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25 Jahre Major League Soccer – Der nordamerikanische Gegenentwurf zum europäischen Spitzenfussball

Am Wochende startete die MLS in ihre 25. Auflage. Die möglicherweise am schnellsten wachsenden Fußballliga der Welt hat auch dieses Jahr einiges zu bieten.

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In Fußballdeutschland wird die MLS nach wie vor mehrheitlich belächelt. Es sei eine Liga mit überschaubarem Niveau, in der alternde Stars ihre Karriere ausklingen lassen. Zum Teil stimmt diese Annahme auch, wie das Beispiel Bastian Schweinsteiger zeigt. Aber das Niveau der gesamten Liga hat sich enorm erhöht und auch Spieler, die ihren Zenit noch nicht überschritten haben, wechseln in die MLS. Das beste Beispiel dafür ist der Mexikaner Carlos Vela. Der aktuelle Torschützenkönig und MVP der Liga spielte bereits für den FC Arsenal und Real Sociedad und entschied sich 2018 trotzdem mit 28 Jahren zum Los Angeles FC zu wechseln.

Gute Spieler in der MLS und gute Trainer aus der MLS

Der Erfolg gibt einerseits Vela recht und zeigt andererseits das aktuelle Niveau der Liga. Der Kapitän des LAFC erzielte 34 Tore in 31 Spielen in der Regular Season und legte weitere zehn Treffer auf. Eine atemberaubende Ausbeute, die er so in seiner Zeit in Europa nicht erreichen konnte. In seiner letzten Saison in La Liga standen ihm neun Tore und vier Vorlagen in 35 Spielen zu Buche. Ebenfalls keine schlechte Ausbeute, aber trotzdem weniger als ein Drittel, als in den USA.

Nichtsdestotrotz ist die MLS nicht zu unterschätzen. Gerade junge Talente aus Südamerika sorgen für immer besseren Fußball und auch die Trainer haben sich taktisch enorm weiterentwickelt. Der beste Beweis dafür ist RB Salzburg Trainer Jesse Marsch. Der US-Amerikaner ist der Nachfolger von Marco Rose bei den Österreichern und sorgte in der Gruppenphase der Champions League für Aufsehen. Gelernt hat er sein Trainerhandwerk in den USA unter anderem bei Monreal Impact und New York Red Bulls.

Neben den Südamerikanern und den gut ausgebildeten Trainer machen auch immer mehr US-Eigengewächse auf sich aufmerksam. Das besondere System der MLS forciert die Jugendarbeit der Vereine und sorgte in jüngerer Vergangenheit für den Export von Talenten, wie Tyler Adams oder Alphonso Davies. Der US-Amerikaner und der Kanadier konnten sich beide schnell in der Bundesliga akklimatisieren und gerade Davies überzeugt als Stammspieler bei den Bayern.

Amerikanische Eigenheiten

Im Gegensatz zum europäischen Profifußball weißt die MLS einige gravierende Unterschiede auf. Nicht nur, der nicht vorhandene Auf- und Abstieg, sondern auch der Sallary Cap und Draft-System machen die MLS einzigartig. Die Ligazugehörigkeit wird nicht, wie in Europa üblich durch Aufstiege aus unteren Ligen erreicht. Stattdessen erwerben die Eigentümer der einzelne Vereine (Franchises) eine Lizenz, die sie dazu berechtigt unter bestimmten Auflagen an der MLS teilzunehmen. Diese Lizenzvergabe ermöglicht der MLS die Liga stetig zu erweitern, um ab der Saison 2022 die gewünschten 30 Mannschaften zu erreichen.

Der Sallary Cap beschränkt die Gehälter der Vereine, in diesem Jahr auf 4,9 Mio. US-Dollar. Es gibt einige Ausnahmeregelungen, was den Sallary Cap betrifft. Die wichtigste und populärste ist dabei die Designated Player Rule (Beckham Rule), die den Vereinen ermöglicht, bis zu drei Spieler zu verpflichten, deren Einkommen über die Gehaltsgrenze hinausgeht. Bekannte Beispiele dafür sind Zlatan Ibrahimović, Bastian Schweinsteiger, Wayne Rooney oder eben David Beckham.

Neben der Möglichkeit Spieler durch herkömmliche Transfers zu verpflichten existiert der MLS SuperDraft. Vor Beginn der neuen Saison werden bei diesem Draft, wie aus anderen Amerikanischen Sportarten bekannt, junge Spieler, die vom College kommen, an die Vereine verteilt. Die Spieler unterschreiben dabei einen Vertrag mit der MLS. Der Draft soll zur Ausgeglichenheit der Liga beitragen, weshalb in den vier Auswahlrunden jeweils der schlechteste Verein des Vorjahres als erstes einen Spieler auswählen darf. Lediglich Expansion Teams, also neue Franchises, dürfen noch vor dem Letztplatzierten auswählen.

Ein Grund, warum dieses Transfermodell einen Anreiz zu ambitionierter Jugendarbeit bietet, ist die Homegrown Player Rule. Diese Regel erlaubt es den Vereinen unabhängig vom Draft, die in ihrem Verein ausgebildeten Talente, direkt zu verpflichten. Wenn ein Verein also gute Jugendarbeit betreibt, muss er nicht darauf hoffen, vielversprechende Spieler beim Draft zu picken und kann eine unbeschränkte Anzahl eigener Talenten (max. Kadergrößte: 30) pro Saison unter Vertrag nehmen.

Eine Welle der Begeisterung

Neben diesen sportlich interessanten Eigenarten der Liga, weiß die MLS durch ihre tolle Atmosphäre zu überzeugen. Obwohl viele Vereine erst wenige Jahre alt sind und noch nicht lange in der MLS spielen, haben sich schnell Fangruppierungen gebildet, die ordentlich Stimmung in den Stadien machen. Die Zuschauerzahlen stagnieren zwar seit 2015 auf einem guten Wert von ca. 21.000, aber es ist immer wieder beeindruckend, wie neue Vereine aus dem Stand zu Zuschauermagneten werden. Zu Beginn dieser Saison debütierte Nashville SC und zum ersten Heimspiel erschienen 59.000 Fußballbegeisterte.

Die beliebteste Sportart der Welt wird auch in den USA immer mehr zum Volkssport. Zwar ist die MLS noch nicht annähernd mit der NBA oder der NFL zu vergleichen, aber die Entwicklungen sind eindeutig positiv. Für Fußballfans aus Europa bedeute ein Blick in die Amerikanische Liga heutzutage nicht mehr, unterklassigen Fußball zu verfolgen. Denn das Niveau aller Mannschaften nimmt stetig zu und auch Spieler in ihren besten Jahren beglücken die MLS mit ihrem Können.

Die vielen talentierten Spieler in Kombination mit den erfahrenen Stars bieten schon jetzt durchaus interessante Fußballunterhaltung. Doch die Reise der MLS wird in Zukunft noch weiter gehen. In den USA liegt potenzielles Interesse für hochklassigen Fußball und auch die finanziellen Mittel sind vorhanden, um diesen zu finanzieren. Es bleibt abzuwarten, wie sich das im Fußball einzigartige System beim weiteren Aufstieg der Liga entwickelt. Möglicherweise ist die MLS für Fußballstars in nicht allzu ferner Zukunft eine ernsthafte Alternative zu Europa.

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Leere Ränge in Frankfurt – warum die Eintracht Fans immer noch gegen die Montagsspiele protestieren

Die Frage, warum Frakfurt Fans immer noch gegen die Montagsspiele demonstrieren, ist durchaus berechtigt. Die Antwort der Ultras absolut nachvollziehbar.

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Am Montagabend beim Spiel Eintracht Frankfurt gegen Union Berlin bot sich ein ungewohntes Bild. Der gesamte Unterrang der Nordwestkurve – dort, wo normalerweise die Ultras ihre Lieder anstimmen – blieb leer. Was man sonst nur aufgrund von Sanktionen kennt, passierte an diesem Montag aus Protest und zwar aus Protest gegen die Montagsspiele. Auf den ersten Blick scheint diese Aktion unverständlich, da es bereits beschlossen ist, dass ab der kommenden Saison keine Montagsspiele mehr stattfinden. Schaut man aber genauer hin und beschäftigt sich mit den Gründen der Frankfurter Ultras werden die Beweggründe deutlich.

Schon in der Vergangenheit protestierte gerade die Frankfurter Fanszene heftig gegen die Montagsspiele. Aber auch in anderen Stadien der Republik war der Unmut der Fans zu erkennen. Den Vereinen sollte deutlich gemacht werden, dass die Fans sich nicht alles gefallen lassen. Die Menschen, die Woche für Woche für ihren Klub ins Stadion gehen und die Bundesliga so einzigartig machen, wollen fanunfreundlichen Anstoßzeiten aufgrund lukrativer Fernsehdeals entgegenwirken.

Vereine korrigieren Fehler

Die Vereine haben schnell gemerkt, dass sie einen Fehler gemacht haben und versuchten diesen wieder auszubügeln, indem sie letztes Jahr für eine Abschaffung der Montagsspiele stimmten. Diese Abschaffung ist ein Teilerfolg für die Fans, aber bedeutet nicht, dass jetzt alles gut ist. Die zehn Anstoßzeiten pro Saison, die momentan Montags 20:30 Uhr und Sonntags 13:30 liegen, werden nämlich nicht auf die bereits bestehenden Anstoßzeiten verteilt, sondern auf Sonntagabend verlegt. Die Zerstückelung des Spieltags bleibt also bestehen.

Das ist zwar nur noch halbscheiße, aber bestimmt kein Grund für lauten Applaus. Die Spieltagzerstückelung wird schließlich mitnichten zurück gedreht.

Frankfurt Ultras

Dass gerade die Eintracht Fans so empört von dieser Zerstückelung sind, ist darin begründet, dass ihr Verein in dieser Saison nur acht von bisher 23 Spielen am Samstag um 15:30 Uhr bestritt. Natürlich sind die häufigen Europa League-Spiele am Donnerstag der Hauptgrund für diese Ansetzungen, aber auch, wenn die Mannschaft nicht in der Europa League spielte, musste sie diese Saison häufig am Freitag oder am Montag ran.

Argumente am Thema vorbei

Jetzt eine Argumentation anzuführen, dass die Fans doch durch den Europapokal ständig unter der Woche mitfahren und deshalb Montagsspiele auch in Ordnung wären, geht komplett am Thema vorbei. Die Ultras wollen deutlich machen, dass die Bundesliga für sie am besten am Samstagnachmittag um 15:30 Uhr stattfindet. Auch das Argument, dass seit Einführung der Montagsspiele insgesamt weniger Spiele unter der Woche stattfinden, weil es eine englische Woche weniger gibt, trifft nicht den Kern. Die Fans sind gegen eine Zerstückelung des Spieltages und wollen am liebsten am Samstag ins Stadion. Sowohl Montagsspiele als auch englische Wochen sollen wegfallen. Nicht eines von beidem und auch keine neuen Anstoßzeiten am Sonntagabend.

Manch einer hält den Fans eine Selbstinszenierung vor und behauptet, sie nehmen sich viel zu wichtig. Doch die Fankultur in Deutschland ist das Alleinstellungsmerkmal der Bundesliga und ohne die unfassbar stimmungsvolle Kulisse wäre die Bundesliga nicht mehr als eine gute europäische Liga. Finanziell kann man so oder so nicht mit den übermächtigen Engländern mithalten, aber stimmungstechnisch ist die Bundesliga einsame Spitze. Die Zuschauerzahlen sind atemberaubend und (fast) jedes Fußballspiel ist ein Fest.

Protest wichtiger als ein einziges Spiel

Dass die Aktion der Frankfurter Ultras nicht gerade hilfreich für die sportliche Leistung der Mannschaft am Montagabend war, ist auch klar. Trotzdem muss man den Fans ihren Protest zugestehen. Sie unterstützen ihre Mannschaft in jeder Lage, wie man in London nach dem verlorenen Europa League-Halbfinale gesehen hat, aber ein derartiges Fortbestehen der Fanszene ist nur möglich, wenn sich die Gruppen gegen fanunfreundliche Entwicklungen wehren.

Es darf sich bei den Montagsspielen keine schleichende Akzeptanz, kein Gewöhnungseffekt einstellen!

Ultras Frankfurt

Dieser Gewöhnungseffekt hat in der zweiten Bundesliga längst stattgefunden, denn dort wird bereits seit den 90ern am Montagabend Fußball gespielt. Zur nächsten Saison ist aber auch das Geschichte. Auch die zweite Liga bekommt neue Anstoßzeiten. Auch das ist nicht optimal, aber immer noch besser, als sich zwei Tage Urlaub nehmen zu müssen, um seine Mannschaft in Kiel oder Sandhausen unterstützen zu können.

Im Stadion ist es Samstags am schönsten

Und zum Abschluss nochmal für alle Kritiker der Ultras die eigentlich offensichtlichen Gründe, warum Fußball für die Fans am besten am Samstag stattfindet: Wer einmal im Fanblock gestanden hat, weiß, was das für ein unglaubliches Gefühl ist, als Einheit seinem Mannschaft zum Sieg zu schreien. Doch so einen Spiel bedeutet für die Fans nicht nur die 90 Minuten, in denen die Spieler auf dem Platz stehen. Das Hobby des Fußballfans nimmt mindestens einen ganzen Tag ein. Man trifft sich schon vor dem Spiel, trinkt eventuell ein Bier und begibt sich zum Stadion. Bei Auswärtsfahrten natürlich mit teilweise mehrstündiger Anreise verbunden. Nach dem Spiel feiert man bestenfalls noch seine Mannschaft und lässt den Abend irgendwo gemeinsam ausklingen. Ein gelungener Samstag; und am Sonntag kann man trotzdem noch bei Oma zum Kaffee vorbeischauen oder gar selber auf dem Platz stehen.

Sonntags ist das Ganze auch in ähnlicher Art möglich, kollidiert aber eventuell mit dem Amateurfußball. Freitags und vor allem Montags oder an anderen Wochentagen wird es dagegen schwierig. Nach einem achtstündigen Arbeitstag direkt zum Heimspiel zu fahren, ist noch möglich, aber Auswärtsspiele ohne Urlaub zu nehmen, sind kaum machbar. Außerdem sind die Anstoßzeiten derart spät, dass es für den ein oder anderen hart wird, früh am nächsten morgen aufzustehen. Deshalb sind bei Montags-, Dienstags- oder Mittwochsspielen meistens zwei Tage Urlaub nötig. Und nochmal: Die Europapokalspiele sind eine völlig andere Thematik. Die Fans sind bereit für diese denkwürdigen Abende, einiges in Kauf zu nehmen, aber die Bundesliga sollte am Wochenende stattfinden.

Klar ist auch: Im Gegensatz zu anderen europäischen Ligen genießen die deutschen Fans nahezu paradiesische Verhältnisse. In Spanien Beispielsweise gibt es ZEHN verschiedene Antsoßzeiten. Aber die Zuschauerzahlen sind auch dementsprechend. Nicht einmal die Top-Vereine haben immer voll ausgelastete Stadien und der Ligadurchschnitt lag 2018/2019 bei 27.000. In Deutschland waren in der vergangen Saison im Schnitt 43.000 Menschen in den Stadien. Das ist eine andere Dimension und etwas, das es zu bewahren gilt. Denn ohne die Fans ist die Bundesliga nichts.

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Wenig Geld, viel Leidenschaft – wie Sheffield und co. ihre Ligen aufmischen

Von Sheffield über Berlin bis nach Getafe gibt es in den europäischen Top-Ligen mehrere Vereine, die momentan zeigen, was mit kleinem Geld möglich ist.

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Die “beste” Liga der Welt hat in dieser Saison erneut einige Überraschungen zu bieten. Nicht nur Liverpools unglaublich anmutende 76 von 78 möglichen Punkten, sondern auch ein extrem stark aufspielendes Leicester City und mehrere strauchelnde Top-Klubs, die nun langsam die europäischen Plätze zurückerobern. Doch die wahrscheinlich größte Überraschung rangiert momentan auf Platz sieben und heißt Sheffield United.

Von der Championship in die Champions League?

Der Aufsteiger spielt weit über seinen Erwartungen und liegt aktuell in Schlagdistanz zu den CHAMPIONS LEAGUE-Plätzen. Nur ein Punkt trennt die Blades vom fünftplatzierten Rekordmeister Manchester United. Aufgrund der wahrscheinlichen Champions League-Sperre für Manchester City würde dieser Platz die Qualifikation zur Königsklasse bedeuten. Für Sheffield wäre diese Qualifikation ein ähnlich epochaler Erfolg, wie die Meisterschaft für Leicester City 2016, denn die Mannschaft von Chris Wilder spielte noch 2016/2017 in der dritten englischen Liga.

Nur zwei Jahre in der so schweren Championship reichten dem Verein für den Aufstieg in die Premier League und schon in der Aufstiegssaison kristallisierten sich Stärken heraus, die Sheffield aktuell eine derart starke Saison bescheren. In der zweiten Liga fing man nur 41 Tore in 46 Spielen – ein Abwehrbollwerk. In der Premier League sind es momentan 25 Gegentore nach 27 Spielen, was die zweitwenigsten hinter Liverpool sind. Sheffields Torwart Dean Henderson wurde sogar schon zur englischen Nationalmannschaft eingeladen.

Wenn man sich im Gegensatz zu den Gegentoren die Anzahl der geschossenen Tore ansieht, befindet sich Sheffield eher in Abstiegsregionen, denn im Europacup. Personifiziert wird diese eher magere Torausbeute durch den Stürmer David McGoldrick, der in 20 Premier League-Einsätzen diese Saison bisher kein einziges Tor erzielt hat und das bei einem xG-Wert von 7,19. Doch Sheffield bedarf aufgrund ihrer überragenden Defensive meistens nicht vieler Tore, um trotzdem drei Punkte mitzunehmen. Eine Herangehensweise, die momentan auch in anderen Top-Ligen Europas zu beobachten ist.

Getafe: Das kleine Atlético

In Spanien zeigt der FC Getafe, dass Fußball nicht unbedingt schön sein muss, um erfolgreich zu sein. Während gerade in La Liga die meisten Trainer ansehnlichen, technisch hochwertigen Fußball bevorzugen, zeigt Getafe klare Kante. Der Sieg steht über allem und heiligt im Vorort Madrids jedes Mittel. Getafe steht defensiv stabil, ist giftig in den Zweikämpfen und versucht meistens gar keinen Spielfluss aufkommen zu lassen. Das ist vielleicht nicht immer schön anzuschauen, aber der Erfolg gibt Trainer Pepe Bordelás Recht.

Nachdem der Verein 2016 aus der Erstklassigkeit abgestiegen war, übernahm Bordelás im September und führte die Azulones direkt zurück in die Primera División. Dort folgte ein sehr respektabler achter Platz mit nur 33 Gegentoren in 38 Spielen und in der letzten Saison konnte man sich mit Platz fünf (35 Gegentore) sogar für die Europa League qualifizieren. Aktuell steht der Verein erneut auf Platz fünf und stellt die viertbeste Defensive der Liga. Außerdem gewann Getafe das Hinspiel des Europa League-16tel-Finals gegen Ajax Amsterdam mit 2-0. Der Champions League-Halbfinalist vom Vorjahr muss am Donnerstag einiges Zeigen, um gegen diese Spanier die nächste Runde zu erreichen.

Auch in Frankreich steht mit Stade Reims ein Fahrstuhlverein der letzten Jahre auf einem guten achten Platz und hat sogar die beste Defensive der Ligue 1 vorzuweisen. Lediglich 20 Gegentore in 26 Spielen fingen sich die Rot-Weißen und damit sogar vier weniger als Paris Saint-Germain. Auch Reims hat eine vergleichsweise schwache Offensive, doch zeigt deutlich, dass für finanziell schwächere Vereine, die Jahr für Jahr um die Klassenzugehörigkeit kämpfen, die defensive Stabilität wesentlich wichtiger ist.

Eiserne Defensive

In Deutschland beweist das Aktuell Union Berlin. Die Ost-Berliner sind über die Relegation in die Bundesliga aufgestiegen und waren vor Beginn der Saison mit Paderborn zusammen die wahrscheinlichsten Abstiegskandidaten. Mit einem Marktwert von lediglich 43 Mio. Euro ist die Mannschaft der Eisernen nicht mal halb so viel wert, wie die drittgünstigste Mannschaft aus Düsseldorf (93 Mio. Euro). Nur die Paderborner mit 31 Mio. Euro haben einen noch geringeren Marktwert vorzuweisen.

Trotzdem rangiert Union momentan auf Platz zehn der Liga mit neun Punkten Abstand zum Relegationsplatz und sogar 12 Punkten zu einem direkten Abstiegsplatz. Möglich ist das durch den unermüdlichen Kampf der Spieler gepaart mit einer kompakten Defensive, die gerade im eigenen Stadion ‘An der Alten Försterei’ kaum zu knacken ist. In der Heimtabelle steht man sogar auf Platz neun und konnte sechs seiner 11 Heimspiele gewinnen.

Im Gegensatz dazu steht der SC Paderborn seit längerer Zeit auf dem letzten Platz der Bundesliga. Für die Ost-Westfalen ist das natürlich keine allzu große Überraschung und auch der bereits beschriebene Kadermarktwert lässt eine solche Platzierung erwarten. Der Unterschied zu Union ist aber, dass Paderborn bedingungslos Offensivfußball spielt. Unter Steffen Baumgart werden sogar der FC Bayern und Borussia Dortmund in ihren eigenen Stadien angelaufen und Paderborn versucht flach hinten rauszuspielen. Ein mutiger wie auch beeindruckender Ansatz, der voraussichtlich nicht von Erfolg gekrönt sein wird.

Es zeigt sich in ganz Europa, wie kleinere Vereine gegen jede Prognose Erfolg haben können. Dafür ist die defensive Stabilität von aller größter Bedeutung, denn mit wenig Geld Spieler zu verpflichten, die fußballerisch überragen, dürfte schwierig werden. Spieler, die es verstehen Räume eng zu halten, bedingungslos für den Verein zu kämpfen und jeden Zweikampf führen, als wäre es ihr Letzter findet man dagegen in jeder Preiskategorie. Diese Entwicklung ist zwar kein neues Phänomen, doch gerade in Zeiten der immer stärkeren Kommerzialisierung des Fußballs, in den die Schere zwischen arm und reich weiter auseinander geht, ist es spannend zu beobachten, wie die “kleinen” Vereine dem großen Geld Paroli bieten.

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Champions League-Sperre für Manchester City – was wird tatsächlich passieren?

In den vergangenen Jahren wurden mehrere durch die UEFA ausgesprochene Strafen im Nachhinein stark vermindert. Was erwartet Manchester City?

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Am 14. Februar gab die UEFA bekannt, dass Manchester City für die nächsten beiden Spielzeiten von den internationalen Klubwettbewerben ausgeschlossen wird und zusätzlich eine Strafe von 30 Mio. Euro zahlen muss. Begründet werden diese Strafen mit Verstößen gegen die Financial Fair Play (FFP) Regularien. Der Besitzer Manchester Citys, Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan, soll in den letzten Jahren mehr Geld als erlaubt über Sponsorenverträge in den Verein gepumpt haben, ohne diese Aktivitäten korrekt zu belegen.

Nicht das erste Vergehen

Bereits 2014 hatte der Verein eine Strafe durch die UEFA aufgrund des FFP erhalten. Damals beliefen sich die Zahlungen auf 60 Mio. Euro, von denen der Klub 40 wieder zurückerhalten konnte. Außerdem wurde der Champions League Kader auf 21 Spieler beschränkt und die Transferausgaben im folgenden Wechselzeitraum durften 60 Mio. Euro nicht überschreiten, solange keine Spieler verkauft wurden.

Schon damals sah City die Anschuldigungen als unrechtmäßig an, doch akzeptierte diese trotzdem. Dieses Mal wird der Verein schon allein aufgrund der Härte der Sanktionen in Berufung gehen. Ein zweijähriger Ausschluss aus der Champions League würde nicht nur extreme finanzielle Verluste bedeuten, sondern das ganze Projekt Manchester City gefährden. Seit dem Amtsantritt Pep Guardiolas ist der Gewinn der Champions League das oberste Ziel. Dieses Ziel weitere zwei Jahre nicht erreichen zu können, hätte unvorhersehbare Folgen für den Verein. Doch, was sind die möglichen Szenarien, wenn Manchester City die Strafe anfechtet?

Der Prozess und sein möglicher Verlauf

Zunächst einmal wird vom internationalen Sportgerichtshof CAS, vor dem der Prozess abgehalten wird, geprüft, ob eine Aussetzung der Strafe bis zum Ende des Prozesse zulässig ist. Falls die Verantwortlichen zu dem Entschluss kommen, die Strafe auszusetzen, ist mit einem langwierigen Prozess zu rechnen.

Manchester Citys Anwälte würden versuchen ein Urteil immer weiter hinauszuzögern und auf allen Ebenen dafür kämpfen, dass das gesamte System des FFP als unrechtmäßig eingestuft wird. Diese fundamentale Anschuldigung würde einen jahrelangen Rechtsstreit bedeuten, der die UEFA in ihren Grundfesten erschüttern könnte. Denn unter dem Strich würde City dafür plädieren, dass die Fußballvereine sich nicht mehr den Regularien der Verbände unterwerfen müssen. Bekäme der Verein mit seiner Anklage recht, wäre mit einem ähnlich einflussreichen Urteil, wie dem Bosman-Urteil 1995 zu rechnen.

He [the chairman] would rather spend 30 million pounds on the best 50 lawyers to sue them for the next 10 years.

Simon Cliff General Counsel of City Football Group in einer Mail, die durch die Football Leaks veröffentlicht wurde


Führende Sportrechtsexperten sind zwar der Meinung, dass die Anschuldigungen der UEFA berechtigt sind, trotzdem ist die UEFA nicht darauf aus, sich einem derartigen Prozess zu stellen. Viel wahrscheinlicher ist dagegen, dass die Anwälte Citys eine Einigung mit der UEFA erzielen möchten.

Citys Argumente

Die Anwälte werden die Höhe der Strafe aufgrund vorangegangener Urteile als unverhältnismäßig anzweifeln. Außerdem werden sie das von der UEFA eingesetzte Schiedsgericht der Befangenheit beschuldigen. Nicht zuletzt werden sie darauf hinweisen, dass sie bereits 2014 eine Strafe akzeptiert haben und die neuen Beweisstücke gegen sie unrechtmäßig sind, da diese durch Hacker-Angeriffe erworben wurden. Bei diesen Beweisstücken handelt es sich um E-Mails, die aus den Football Leaks von 2018 hervorgegangen sind.

Nicht all diese Argumente werden der Prüfung durch den CAS standhalten und mit großem Gewicht in den Prozess eingehen, aber sie reichen wahrscheinlich aus, um Druck auf die UEFA auszuüben. Das Ziel ist es, die Strafe zu halbieren und nur ein Jahr von der Champions League ausgeschlossen zu werden. Diese Einigung würde der UEFA einen langjährigen Prozess mit möglicherweise gravierenden Folgen ersparen und Manchester Citys Schaden in Grenzen halten.

Es ist momentan nicht abzusehen, wie sich der Prozess tatsächlich entwickeln wird. Zunächst ist die Entscheidung über die Aussetzung der Strafe von großer Bedeutung. Kommt es nämlich zu einer Aussetzung, befindet sich Manchester City plötzlich in einer wesentlich besseren Position. Entscheidet der CAS jedoch, dass die Strafe trotz des laufenden Prozesses bestehen bleibt, scheint ein tatsächlicher Ausschluss des Vereins für mindestens ein Jahr sehr wahrscheinlich.

Die Verantwortlichen von Manchester City haben in ihren bisherigen Statements klar gemacht, wie wenig sie von den verhängten Sanktionen halten. Man fechtet zwar beispielsweise die Echtheit der geleakten E-Mails nicht an, ist aber trotzdem fest davon überzeugt, nicht gegen das FFP verstoßen zu haben. Dieser Prozess wird noch für einige Schlagzeilen sorgen und könnte letztendlich Einfluss auf den gesamten Fußball nehmen.

Quellen: Financial Times, BBC, UEFA, The Guardian, Der Spiegel, Rabona TV

Ausführliche Einschätzung der BBC: https://www.bbc.com/sport/football/51528427

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Small City Club – SC Freiburg vorbildlicher Sympathieträger

Der SC Freiburg baut ein neues Stadion. Dadurch etabliert sich die 230.000 Einwohner Stadt noch weiter als fester Bestandteil der 1. Bundesliga.

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Man findet nur wenige Fußballfans in Deutschland, die den Sport Club aus Freiburg nicht mögen. Ein Verein, der es wie kein anderer schaft, eine familiäre Geborgenheit auszustrahlen, im sonst so schnelllebigen Fußballgeschäft. Unter Trainer Christian Streich hat es der Club zudem geschafft sich in der Bundesliga zu etablieren. Zwar musste man die Saison 2015/2016 für ein Jahr mit der zweiten Liga vorlieb nehmen, aber selbst diese für andere Vereine existenzbedrohende Erfahrung konnte in Freiburg niemanden ernsthaft schocken. Es ging direkt wieder hoch in die Erstklassigkeit und diese Saison steht man bisher sogar im oberen Tabellenmittelfeld.

Schwarzwaldstadion hat ausgedient

Neben den sportlichen Erfolgen macht der SC momentan mit einem neuen Stadion auf sich aufmerksam. Das 1954 eröffnete Schwarzwaldstadion (damals Dreisamstadion) hat nach dieser Saison ausgedient. Das neue SC-Stadion, das ca. 76,5 Mio. Euro kosten soll, fasst 35.000 Zuschauer und damit 11.000 mehr als das Alte. Der Verein möchte mit dem Stadion eine moderne Heimspielstätte schaffen, die trotzdem an die Wurzeln des Vereins erinnert. Der Slogan lautet “Funktional, nachhaltig, kreativ und wirtschaftlich”.

Gerade die Nachhaltigkeit ist in diesen Tage ein Thema, mit dem sich vermehrt auch Fußballvereine beschäftigen, wie die neue Klima Arena der TSG Hoffenheim zeigt. Das Stadion soll durch die Abwärme der Firma Solvay/Rhodia seinen kompletten Bedarf decken. So soll ein Klimaneutrales Stadion entstehen, das durch Solaranlagen auf dem Dach mit Strom versorgt wird.

Für einige Schlagzeilen sorgte der Bau im Herbst 2019, als eine Klage gegen das Stadion aufgrund zu hoher Lärmbelästigung Recht bekam. Diese Entscheidung bedeutete, dass im neuen Stadion keine Spiele nach 20 Uhr ausgetragen werden dürften und auch am Sonntag nicht zwischen 13 und 15 Uhr. Einschränkungen dieser Art wären kaum tragbar für den Verein, aber das Urteil wurde auf der Grundlage veralteter Lärmschutzverordnungen gefällt, weshalb der SC davon ausgeht, dass in Zukunft doch keine Einschränkungen bestehen werden.

Freiburgsche Ruhe und Gelassenheit auf höchster Ebene des DFB

Ein Mann, der bei der Entwicklung des Vereins in den letzten Jahre eine entscheidende Rolle spielte ist Fritz Keller. Der langjährige Präsident leistet so beeindruckende Arbeit, dass der DFB ihm sogar zutraut, das Image des größten Sportverbandes der Welt wieder aufzubessern. Im September 2019 wurde der Unternehmer zum neuen DFB Präsidenten gewählt, nachdem Reinhard Grindel nach diversen Affären und Skandalen zurückgetreten war. Fritz Keller soll als neuer Kapitän das angeschlagene Schiff retten. Er hat beim SC Freiburg bewiesen, dass er ein Mann für langfristige, positive Entwicklungen ist.

Bereits 1994 begann er als Marketingvorstand bei den Breisgauern. Im Jahr 2010 wurde er zum ersten Vorsitzenden gewählt, dessen Position 2014 in den Präsidenten umgewandelt wurde. In seiner Amtszeit als Präsident hatte der Verein gerade einmal drei Trainer. Seit dem 29.11.2011 sogar nur einen einzigen – Christian Streich. Streich ist einer der Hauptgründe für die Freiburger Sympathie in der gesamten Republik. Kein anderer Trainer ist derart bodenständig und authentisch wie der Südbadener.

Langfristige Personalentscheidungen auf allen Ebenen

Doch nicht nur auf dem Cheftrainerposten, sondern in allen Arbeitsbereichen handelt der SC extrem nachhaltig und langfristig. Der Co-Trainer, mit der kürzesten Amtszeit ist bereits 2017 zum Verein gestoßen. Die beiden einflussreichsten Personen, der Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich Breit und der Finanzvorstand Olliver Leki, sind seit 2014 im Amt. Und auch die weniger entscheidende Position des Busfahrers ist seit 1994 nicht neu besetzt worden. Wer beim SC einen Vertrag unterschreibt, erfüllt diesen in der Regel nicht nur, sondern verlängert ihn.

Auch sportlicher Hinsicht überrascht der SC Freiburg alle paar Jahre, indem der Verein weit über seinen finanziellen Möglichkeiten um die europäischen Plätze mitspielt. Zumeist werden im folgenden Sommer die Leistungsträger durch größere Vereine abgekauft, wie es mit Vincenzo Grifo oder Maximilian Philipp geschah, wodurch die darauffolgende Saison umso schwieriger wird. Auch in diesem Winter gab es ernsthafte Gerüchte, dass der Leistungsträger und Nationalspieler Robin Koch zu RB Liepzig wechselt, doch aufgrund mangelnder Alternativen wurde der Wechsel vertagt.

Vergleichbare Entwicklungen in Bremen

Es wäre müßig darauf hinzuweisen, dass andere Vereine, die wesentlich mehr Geld zur Verfügung haben, sich ein Vorbild am SC nehmen sollten. Ein Verein, der momentan einen ähnlichen Weg einschlägt, wie die Freiburger, ist der SV Werder Bremen. Ehemalige Spieler sind in führenden Positionen beschäftigt und versuchen mit geringen finanziellen Mitteln, möglichst anhaltend gute Arbeit zu leisten.

Nach dem Verlust von Kapitän Max Kruse steckt Bremen in einer Handfesten Krise, doch hat bisher nicht die Nerven verloren. Während die meisten Vereine in der Bremer Situation längst den Trainer gefeuert hätten – oder haben, wie Düsseldorf, Mainz oder Köln – hält man bei den Hanseaten an Florian Kohefeldt fest und versichert sogar, dass man mit dem Trainer in die zweite Liga gehen würde. Diese Alternative wünscht sich natürlich niemand in Bremen, aber es erinnert stark an den SC Freiburg.

Auch die Breisgauer entschieden sich, trotz des Abstiegs an ihrem Trainer festzuhalten. Wenn man sich die vergangen Jahre anschaut, stellt sich sowieso die Frage, wie sinnvoll eine Trainerentlassung im Abstiegskampf überhaupt ist. Stuttgart, Hannover und Nürnberg entließen alle ihre Trainer und stiegen letztendlich trotzdem ab. Es bedarf sehr viel Vertrauen in die Fähigkeiten des Trainers, um in einer solchen Situation an ihm festzuhalten, aber Freiburg beweist, dass es sich lohnt.

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