Frauenfußball hat riesiges Potenzial – doch in Deutschland merken das nur wenige

Frauenfußball wird überall auf der Welt immer populärer. Durch das Geld von Sponsoren eröffnen sich neue Möglichkeiten. Nur Deutschland hängt hinterher.

60.000 Zuschauer in Madrid oder 45.000 in London. Man denkt sofort, dass dort die Männer von Atlético oder Arsenal um das große Geld spielen. Doch diese Zuschauerzahlen wurden bei Frauenfußballspielen erreicht. In Deutschland undenkbar. In dieser Bundesligasaison kamen in 132 Spielen insgesamt nur ca. 110.000 Zuschauer. Das bedeutet einen Zuschauerschnitt von 833 pro Spiel. Doch wieso schafft es gerade das im Frauenfußball so erfolgsverwöhnte Deutschland nicht, mehr Fans ins Stadion zu locken?

WM-Euphorie nicht vorhanden

Ein großes Problem liegt im Umgang des DFB mit dem Frauenfußball. Nach dem Krisenjahr 2018 ist der Verband scheinbar komplett auf die Neuausrichtung des Herrenfußballs konzentriert und vergisst dabei, dass die Frauen dieses Jahr eine Weltmeisterschaft bestreiten. Am Freitag, den 07.06., beginnt das Turnier in Frankreich und in Deutschland bekommt es keiner mit.

Dabei starten die deutschen Frauen mit starker Form ins Turnier. Die zuletzt guten Auftritte gegen Schweden und Japan haben Hoffnungen auf eine bessere Leistung als bei der letzten EM genährt. Trotzdem schafft es der Verband nicht, die Frauen WM in Deutschland wirksam zu vermarkten.

Wie ein solches Marketing aussehen könnte, hat die Commerzbank vor kurzem gezeigt. Mit einer anderthalb minütigen Werbung, in der die deutschen Nationalspielerinnen Tacheles reden und auf humoristische Weise mit Vorurteilen aufräumen. Das Video ist viral gegangen. Durch diese lockere Herangehensweise werden Sympathien geweckt und der Frauenfußball erstrahlt in einem neuen Licht. Auch die Werbepartner der Männer können von diesem Marketing noch eine Menge lernen.

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Außerdem ist es schon lange überfällig, die Frauen durch die hohe Popularität der Männer zu unterstützen. Eine Zusammenarbeit wäre wenig kompliziert und nicht nur die beiden Mannschaften würden Profitieren, sondern der gesamte DFB. Nach dem kläglichen Krisenmanagement infolge der WM 2018 ist eine Neuausrichtung nötig. Auch die Frauen könnten dabei helfen.

England als Vorreiter

In England hat die FA bereits begonnen, den Frauenfußball zu professionalisieren. Durch Zusammenarbeit mit den Männerteams sollen die Frauen von den Möglichkeiten ihrer männlichen Kollegen profitieren. In England konnte so die einzige professionelle Frauenliga Europas gegründet werden. Dort müssen die Spielerinnen nicht mehr nach dem Training in die Uni oder auf die Arbeit – Fußball ist ihr Hauptberuf. Die Idee dahinter ist, dass höhere Professionalisierung zu höherer Attraktivität, dadurch zu mehr Zuschauern und letztendlich zu mehr Einnahmen führt.

Erste Erfolge zeichnen sich unter anderem im Sponsoring ab. Die Frauen des FC Arsenal werden durch Master Card gesponsert. Das Unternehmen verspricht sich davon, die Popularität des Frauenfußballs weiter zu steigern und die Unterschiede zu den Männern zu verringern. Auch die UEFA hat mehrere finanzstarke Sponsoren gefunden.

Große Sponsoren steigen ein

Durch die Unterstützung von Nike und Visa werden dem europäischen Frauenfußball in Zukunft neue Möglichkeiten eröffnet. Die beiden Unternehmen sind Hauptsponsoren der Frauen Champions League. Die Herangehensweise ist eine ähnliche wie bei Master Card. Der Frauenfußball soll gestärkt und die riesige Lücke zum Männerfußball geschlossen werden. Durch die Zusammenarbeit verbessern diese Unternehmen ihr Image – fortan werden sie als Förderer der Gleichberechtigung wahrgenommen.

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Für der Bundesliga wurde mit Flyeralarm erst kürzlich ein neuer Sponsor gefunden. Das fußballerfahrene Unternehmen hat sich einige Rechte gesichert, unter anderem die exklusiven Namensrechte der Liga. Durch dieses Sponsoring erreicht Flyeralarm zwar ein wesentlich kleineres Publikum, als im Männerfußball, aber es könnte sich trotzdem lohnen.

Da der Männerfußball vom Sponsoring geradezu überflutet wird, ist es sehr schwierig als Marke herauszustechen. Im Frauenfußball hingegen ist eine Marke wie Flyeralarm sehr präsent. Wenn nun noch mehr Unternehmen das Potenzial dieser Sportart erkennen, könnte das zu einer Kettenreaktion führen – ähnlich der in England angestrebten Ziele.

Gefahr der Abwanderung

Denn noch sind die deutschen Vereine in der europäische Spitze vertreten. Doch das wird sich auf kurz oder lang ändern, wenn nicht mehr Geld in den deutschen Frauenfußball fließt. Stand jetzt ist es wesentlich lukrativer für Frauen, in Spanien oder England Fußball zu spielen und diese Tatsache wird sich in Deutschland bemerkbar machen. Die besten Spielerinnen wollen für die besten und professionellsten Vereine spielen.

Damit die Abwanderung aus der Bundesliga abgewendet werden kann, muss der DFB schnellstmöglich Maßnahmen ergreifen, um Frauenfußball auch in der Spitze populär zu machen. Die Basis ist nämlich bereits gut aufgestellt. Sehr viele Mädchen und Frauen spielen im Amateurbereich Fußball, aber die wenigsten interessieren sich gleichzeitig für den “professionellen” Frauenfußball. Hier muss ein Umdenken erreicht werden.

Frauenfußball muss attraktiver werden – für Fans und Sponsoren. Auf der Spielmacher Konferenz 2019 reden Karsten Petry (Managing Director, Octagon Germany), Tatjana Haenni (Head of Women’s Football, Swiss Football Association) und Tim Schumacher (Managing Director, VfL Wolfsburg) über die zahlreichen Sponsoring-Möglichkeiten die bereits heute im Frauenfußball existieren. Unter dem Titel “Purpose driven partnership in women´s soccer – does the German industry miss the spirit of time?” begleitet die Moderatorin, Birgit Hasselbusch, die drei bei ihrer spannenden Diskussion.

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