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Profifußball braucht professionelle Schiris – DFB beschließt Schiedsrichter GmbH

Fußball das ist einfach. Das sind 22 Mann und ein Ball. Nicht ganz, denn ohne mindestens einen weiteren würde nichts funktionieren: den Schiedsrichter.

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Einer der undankbarsten Jobs im gesamten Profifußball ist wahrscheinlich der des Schiedsrichters. Woche für Woche müssen sie auf aller höchstem Niveau funktionieren und fast nie ist jemand zufrieden mit ihnen. Jeder kleinste Fehler wird zur Zerreißprobe, wenn Fans, Spieler, Trainer und die Medien sich persönlich angegriffen fühlen, von der subjektiven Wahrnehmung eines Menschen.

Damit diese Fehler minimiert werden, bekommen die Spielleiter immer mehr technische Hilfsmittel zur Hand. Jedoch kann man keinesfalls behaupten, dass der Job dadurch erheblich erleichtert würde. Zwar werden den Schiris heutzutage knifflige Entscheidungen, wie zum Beispiel Tor oder kein Tor, abgenommen, aber die Arbeit mit dem Videobeweis ist alles andere als ein Selbstläufer. An jedem Spieltag gibt es neue Diskussion und die vermeintlich falschen Entscheidungen der Schiedsrichter werden nun nur noch stärker verurteilt, denn: „Er hatte doch den Videobeweis!“

Was bei der ganzen Aufregung häufig vergessen wird ist, dass Schiedsrichter auch nur Menschen sind und noch dazu Menschen, die eigentlich einen anderen Beruf gelernt haben. Deniz Aytekin ist zum Beispiel gelernter Betriebswirt und Daniel Siebert ist Lehrer. Sie sind also Spitzenschiedsrichter und führen diese Tätigkeit auch Hauptberuflich aus, aber organisatorisch war das Ganze bisher eher eine sehr gut vergütete ehrenamtliche Tätigkeit.

Professionalisierung der Schiris

Das möchte der DFB nun ändern. Auf dem Bundestag in Frankfurt am Main beschloss der Verband, dass die Spitzenschiedsrichter zukünftig in eine externe Schiedsrichter GmbH ausgegliedert werden. Diese Neuigkeit haben wir zum Anlass genommen, uns die deutschen Schiedsrichter mal genauer anzuschauen. Was verdient ein Schiedsrichter überhaupt und welche sportlichen Voraussetzungen muss er erfüllen?

In der deutschen Bundesliga der Herren leiten momentan 45 Schiedsrichter und eine Schiedsrichterin die Spiele. Bibiana Steinhaus, die einzige weibliche Vertreterin, pfeift seit 2007 in der zweiten Bundesliga und seit 2017 auch im Oberhaus. Bisher leitete sie 90 Zweitliga- und 35 Erstligaspiele. Seitdem sie in der ersten Liga aktiv ist, pfeift sie keinen Frauenfußball mehr.

Gutes Geld fürs Pfeifen

Die Gehälter der Schiedsrichter variieren je nachdem, in welcher Liga ein Schiedsrichter aktiv ist, wie viel Erfahrung er aufweist und ob er für die FIFA pfeift. Ein Zweitligaschiri verdient momentan um die 40.000 Euro im Jahr und ein Schiedsrichter aus der ersten Liga bereits ca. 60.000. Hinzukommen weitere 10.000 Euro, ab fünfjähriger Bundesligaerfahrung und nochmal 10.000 Euro, wenn derjenige FIFA-Schiedsrichter ist. Zusätzlich zum Jahresgehalt gibt es noch Zahlungen für jedes einzelne Spiel. Diese betragen 5000 Euro für die Bundesliga und 2500 Euro für die zweite Liga. Die Assistenten bekommen jeweils die Hälfte dieser Zusatzzahlungen.

In den letzten Jahren war Dr. Felix Brych der wohl erfolgreichste deutsche Schiedsrichter. Seit der Saison 2012/13 wurde er vier mal zum deutschen Schiedsrichter des Jahres gewählt. Außerdem war er als einziger deutscher bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland vertreten, durfte dort aber lediglich ein Spiel leiten. Aufgrund eines strittigen nicht gegebenen Elfmeters im Spiel zwischen der Schweiz und Serbien (2:1) wurde Brych vom serbischen Trainer scharf kritisiert. Infolgedessen reiste er bereits nach der Vorrunde vom Turnier ab.

Sportliche Anforderungen

Um in der Bundesliga pfeifen zu dürfen, müssen die Schiedsrichter gewisse körperliche Voraussetzungen mitbringen. Diese werden jeden Sommer in einer Leistungsprüfung untersucht. Die Leistungsprüfung besteht aus zwei Lauftests, einem auf kurzer Strecke und einem auf einer längeren Strecke.

Auf der Kurzstrecke von 40 Metern müssen die Schiris sechs Mal mit fliegendem Start unter 6 Sekunden bleiben und haben zwischen den Läufen jeweils anderthalb Minuten Pause. Für den längeren Test muss zehn Mal eine Runde auf einer 400m Laufbahn absolviert werden. Wobei immer 150m in 30 Sekunden gelaufen werden und dann 50m in 35 Sekunden gegangen.

Dass das bestehen der Leistungsprüfung auch für erfahrene Schiedsrichter kein Selbstläufer ist, zeigte sich vor dieser Saison besonders deutlich. Gleich drei Schiedsrichter fielen beim Test durch. Neben Tobias Welz und Marco Fritz auch der frischgebackene Schiedsrichter des Jahres der Saison 18/19, Deniz Aytekin. Doch für Aytekin und seine Kollegen war dies kein Beinbruch. Vor allem muskuläre Probleme waren für das Durchfallen verantwortlich und der Test konnte wenige Wochen später erfolgreich wiederholt werden.

In Zukunft werden die hochprofessionell agierenden Schiedsrichter Deutschlands also in einer GmbH organisiert sein. Was das für Änderungen nach sich ziehen wird, hat der DFB noch nicht bekannt gegeben. Aber für die, unter ständigem Druck stehenden, Unparteiischen ist es auf jeden Fall eine positive Entwicklung.

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Wenig Geld, viel Leidenschaft – wie Sheffield und co. ihre Ligen aufmischen

Von Sheffield über Berlin bis nach Getafe gibt es in den europäischen Top-Ligen mehrere Vereine, die momentan zeigen, was mit kleinem Geld möglich ist.

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Die „beste“ Liga der Welt hat in dieser Saison erneut einige Überraschungen zu bieten. Nicht nur Liverpools unglaublich anmutende 76 von 78 möglichen Punkten, sondern auch ein extrem stark aufspielendes Leicester City und mehrere strauchelnde Top-Klubs, die nun langsam die europäischen Plätze zurückerobern. Doch die wahrscheinlich größte Überraschung rangiert momentan auf Platz sieben und heißt Sheffield United.

Von der Championship in die Champions League?

Der Aufsteiger spielt weit über seinen Erwartungen und liegt aktuell in Schlagdistanz zu den CHAMPIONS LEAGUE-Plätzen. Nur ein Punkt trennt die Blades vom fünftplatzierten Rekordmeister Manchester United. Aufgrund der wahrscheinlichen Champions League-Sperre für Manchester City würde dieser Platz die Qualifikation zur Königsklasse bedeuten. Für Sheffield wäre diese Qualifikation ein ähnlich epochaler Erfolg, wie die Meisterschaft für Leicester City 2016, denn die Mannschaft von Chris Wilder spielte noch 2016/2017 in der dritten englischen Liga.

Nur zwei Jahre in der so schweren Championship reichten dem Verein für den Aufstieg in die Premier League und schon in der Aufstiegssaison kristallisierten sich Stärken heraus, die Sheffield aktuell eine derart starke Saison bescheren. In der zweiten Liga fing man nur 41 Tore in 46 Spielen – ein Abwehrbollwerk. In der Premier League sind es momentan 25 Gegentore nach 27 Spielen, was die zweitwenigsten hinter Liverpool sind. Sheffields Torwart Dean Henderson wurde sogar schon zur englischen Nationalmannschaft eingeladen.

Wenn man sich im Gegensatz zu den Gegentoren die Anzahl der geschossenen Tore ansieht, befindet sich Sheffield eher in Abstiegsregionen, denn im Europacup. Personifiziert wird diese eher magere Torausbeute durch den Stürmer David McGoldrick, der in 20 Premier League-Einsätzen diese Saison bisher kein einziges Tor erzielt hat und das bei einem xG-Wert von 7,19. Doch Sheffield bedarf aufgrund ihrer überragenden Defensive meistens nicht vieler Tore, um trotzdem drei Punkte mitzunehmen. Eine Herangehensweise, die momentan auch in anderen Top-Ligen Europas zu beobachten ist.

Getafe: Das kleine Atlético

In Spanien zeigt der FC Getafe, dass Fußball nicht unbedingt schön sein muss, um erfolgreich zu sein. Während gerade in La Liga die meisten Trainer ansehnlichen, technisch hochwertigen Fußball bevorzugen, zeigt Getafe klare Kante. Der Sieg steht über allem und heiligt im Vorort Madrids jedes Mittel. Getafe steht defensiv stabil, ist giftig in den Zweikämpfen und versucht meistens gar keinen Spielfluss aufkommen zu lassen. Das ist vielleicht nicht immer schön anzuschauen, aber der Erfolg gibt Trainer Pepe Bordelás Recht.

Nachdem der Verein 2016 aus der Erstklassigkeit abgestiegen war, übernahm Bordelás im September und führte die Azulones direkt zurück in die Primera División. Dort folgte ein sehr respektabler achter Platz mit nur 33 Gegentoren in 38 Spielen und in der letzten Saison konnte man sich mit Platz fünf (35 Gegentore) sogar für die Europa League qualifizieren. Aktuell steht der Verein erneut auf Platz fünf und stellt die viertbeste Defensive der Liga. Außerdem gewann Getafe das Hinspiel des Europa League-16tel-Finals gegen Ajax Amsterdam mit 2-0. Der Champions League-Halbfinalist vom Vorjahr muss am Donnerstag einiges Zeigen, um gegen diese Spanier die nächste Runde zu erreichen.

Auch in Frankreich steht mit Stade Reims ein Fahrstuhlverein der letzten Jahre auf einem guten achten Platz und hat sogar die beste Defensive der Ligue 1 vorzuweisen. Lediglich 20 Gegentore in 26 Spielen fingen sich die Rot-Weißen und damit sogar vier weniger als Paris Saint-Germain. Auch Reims hat eine vergleichsweise schwache Offensive, doch zeigt deutlich, dass für finanziell schwächere Vereine, die Jahr für Jahr um die Klassenzugehörigkeit kämpfen, die defensive Stabilität wesentlich wichtiger ist.

Eiserne Defensive

In Deutschland beweist das Aktuell Union Berlin. Die Ost-Berliner sind über die Relegation in die Bundesliga aufgestiegen und waren vor Beginn der Saison mit Paderborn zusammen die wahrscheinlichsten Abstiegskandidaten. Mit einem Marktwert von lediglich 43 Mio. Euro ist die Mannschaft der Eisernen nicht mal halb so viel wert, wie die drittgünstigste Mannschaft aus Düsseldorf (93 Mio. Euro). Nur die Paderborner mit 31 Mio. Euro haben einen noch geringeren Marktwert vorzuweisen.

Trotzdem rangiert Union momentan auf Platz zehn der Liga mit neun Punkten Abstand zum Relegationsplatz und sogar 12 Punkten zu einem direkten Abstiegsplatz. Möglich ist das durch den unermüdlichen Kampf der Spieler gepaart mit einer kompakten Defensive, die gerade im eigenen Stadion ‚An der Alten Försterei‘ kaum zu knacken ist. In der Heimtabelle steht man sogar auf Platz neun und konnte sechs seiner 11 Heimspiele gewinnen.

Im Gegensatz dazu steht der SC Paderborn seit längerer Zeit auf dem letzten Platz der Bundesliga. Für die Ost-Westfalen ist das natürlich keine allzu große Überraschung und auch der bereits beschriebene Kadermarktwert lässt eine solche Platzierung erwarten. Der Unterschied zu Union ist aber, dass Paderborn bedingungslos Offensivfußball spielt. Unter Steffen Baumgart werden sogar der FC Bayern und Borussia Dortmund in ihren eigenen Stadien angelaufen und Paderborn versucht flach hinten rauszuspielen. Ein mutiger wie auch beeindruckender Ansatz, der voraussichtlich nicht von Erfolg gekrönt sein wird.

Es zeigt sich in ganz Europa, wie kleinere Vereine gegen jede Prognose Erfolg haben können. Dafür ist die defensive Stabilität von aller größter Bedeutung, denn mit wenig Geld Spieler zu verpflichten, die fußballerisch überragen, dürfte schwierig werden. Spieler, die es verstehen Räume eng zu halten, bedingungslos für den Verein zu kämpfen und jeden Zweikampf führen, als wäre es ihr Letzter findet man dagegen in jeder Preiskategorie. Diese Entwicklung ist zwar kein neues Phänomen, doch gerade in Zeiten der immer stärkeren Kommerzialisierung des Fußballs, in den die Schere zwischen arm und reich weiter auseinander geht, ist es spannend zu beobachten, wie die „kleinen“ Vereine dem großen Geld Paroli bieten.

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Champions League-Sperre für Manchester City – was wird tatsächlich passieren?

In den vergangenen Jahren wurden mehrere durch die UEFA ausgesprochene Strafen im Nachhinein stark vermindert. Was erwartet Manchester City?

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Am 14. Februar gab die UEFA bekannt, dass Manchester City für die nächsten beiden Spielzeiten von den internationalen Klubwettbewerben ausgeschlossen wird und zusätzlich eine Strafe von 30 Mio. Euro zahlen muss. Begründet werden diese Strafen mit Verstößen gegen die Financial Fair Play (FFP) Regularien. Der Besitzer Manchester Citys, Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan, soll in den letzten Jahren mehr Geld als erlaubt über Sponsorenverträge in den Verein gepumpt haben, ohne diese Aktivitäten korrekt zu belegen.

Nicht das erste Vergehen

Bereits 2014 hatte der Verein eine Strafe durch die UEFA aufgrund des FFP erhalten. Damals beliefen sich die Zahlungen auf 60 Mio. Euro, von denen der Klub 40 wieder zurückerhalten konnte. Außerdem wurde der Champions League Kader auf 21 Spieler beschränkt und die Transferausgaben im folgenden Wechselzeitraum durften 60 Mio. Euro nicht überschreiten, solange keine Spieler verkauft wurden.

Schon damals sah City die Anschuldigungen als unrechtmäßig an, doch akzeptierte diese trotzdem. Dieses Mal wird der Verein schon allein aufgrund der Härte der Sanktionen in Berufung gehen. Ein zweijähriger Ausschluss aus der Champions League würde nicht nur extreme finanzielle Verluste bedeuten, sondern das ganze Projekt Manchester City gefährden. Seit dem Amtsantritt Pep Guardiolas ist der Gewinn der Champions League das oberste Ziel. Dieses Ziel weitere zwei Jahre nicht erreichen zu können, hätte unvorhersehbare Folgen für den Verein. Doch, was sind die möglichen Szenarien, wenn Manchester City die Strafe anfechtet?

Der Prozess und sein möglicher Verlauf

Zunächst einmal wird vom internationalen Sportgerichtshof CAS, vor dem der Prozess abgehalten wird, geprüft, ob eine Aussetzung der Strafe bis zum Ende des Prozesse zulässig ist. Falls die Verantwortlichen zu dem Entschluss kommen, die Strafe auszusetzen, ist mit einem langwierigen Prozess zu rechnen.

Manchester Citys Anwälte würden versuchen ein Urteil immer weiter hinauszuzögern und auf allen Ebenen dafür kämpfen, dass das gesamte System des FFP als unrechtmäßig eingestuft wird. Diese fundamentale Anschuldigung würde einen jahrelangen Rechtsstreit bedeuten, der die UEFA in ihren Grundfesten erschüttern könnte. Denn unter dem Strich würde City dafür plädieren, dass die Fußballvereine sich nicht mehr den Regularien der Verbände unterwerfen müssen. Bekäme der Verein mit seiner Anklage recht, wäre mit einem ähnlich einflussreichen Urteil, wie dem Bosman-Urteil 1995 zu rechnen.

He [the chairman] would rather spend 30 million pounds on the best 50 lawyers to sue them for the next 10 years.

Simon Cliff General Counsel of City Football Group in einer Mail, die durch die Football Leaks veröffentlicht wurde


Führende Sportrechtsexperten sind zwar der Meinung, dass die Anschuldigungen der UEFA berechtigt sind, trotzdem ist die UEFA nicht darauf aus, sich einem derartigen Prozess zu stellen. Viel wahrscheinlicher ist dagegen, dass die Anwälte Citys eine Einigung mit der UEFA erzielen möchten.

Citys Argumente

Die Anwälte werden die Höhe der Strafe aufgrund vorangegangener Urteile als unverhältnismäßig anzweifeln. Außerdem werden sie das von der UEFA eingesetzte Schiedsgericht der Befangenheit beschuldigen. Nicht zuletzt werden sie darauf hinweisen, dass sie bereits 2014 eine Strafe akzeptiert haben und die neuen Beweisstücke gegen sie unrechtmäßig sind, da diese durch Hacker-Angeriffe erworben wurden. Bei diesen Beweisstücken handelt es sich um E-Mails, die aus den Football Leaks von 2018 hervorgegangen sind.

Nicht all diese Argumente werden der Prüfung durch den CAS standhalten und mit großem Gewicht in den Prozess eingehen, aber sie reichen wahrscheinlich aus, um Druck auf die UEFA auszuüben. Das Ziel ist es, die Strafe zu halbieren und nur ein Jahr von der Champions League ausgeschlossen zu werden. Diese Einigung würde der UEFA einen langjährigen Prozess mit möglicherweise gravierenden Folgen ersparen und Manchester Citys Schaden in Grenzen halten.

Es ist momentan nicht abzusehen, wie sich der Prozess tatsächlich entwickeln wird. Zunächst ist die Entscheidung über die Aussetzung der Strafe von großer Bedeutung. Kommt es nämlich zu einer Aussetzung, befindet sich Manchester City plötzlich in einer wesentlich besseren Position. Entscheidet der CAS jedoch, dass die Strafe trotz des laufenden Prozesses bestehen bleibt, scheint ein tatsächlicher Ausschluss des Vereins für mindestens ein Jahr sehr wahrscheinlich.

Die Verantwortlichen von Manchester City haben in ihren bisherigen Statements klar gemacht, wie wenig sie von den verhängten Sanktionen halten. Man fechtet zwar beispielsweise die Echtheit der geleakten E-Mails nicht an, ist aber trotzdem fest davon überzeugt, nicht gegen das FFP verstoßen zu haben. Dieser Prozess wird noch für einige Schlagzeilen sorgen und könnte letztendlich Einfluss auf den gesamten Fußball nehmen.

Quellen: Financial Times, BBC, UEFA, The Guardian, Der Spiegel, Rabona TV

Ausführliche Einschätzung der BBC: https://www.bbc.com/sport/football/51528427

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Small City Club – SC Freiburg vorbildlicher Sympathieträger

Der SC Freiburg baut ein neues Stadion. Dadurch etabliert sich die 230.000 Einwohner Stadt noch weiter als fester Bestandteil der 1. Bundesliga.

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Man findet nur wenige Fußballfans in Deutschland, die den Sport Club aus Freiburg nicht mögen. Ein Verein, der es wie kein anderer schaft, eine familiäre Geborgenheit auszustrahlen, im sonst so schnelllebigen Fußballgeschäft. Unter Trainer Christian Streich hat es der Club zudem geschafft sich in der Bundesliga zu etablieren. Zwar musste man die Saison 2015/2016 für ein Jahr mit der zweiten Liga vorlieb nehmen, aber selbst diese für andere Vereine existenzbedrohende Erfahrung konnte in Freiburg niemanden ernsthaft schocken. Es ging direkt wieder hoch in die Erstklassigkeit und diese Saison steht man bisher sogar im oberen Tabellenmittelfeld.

Schwarzwaldstadion hat ausgedient

Neben den sportlichen Erfolgen macht der SC momentan mit einem neuen Stadion auf sich aufmerksam. Das 1954 eröffnete Schwarzwaldstadion (damals Dreisamstadion) hat nach dieser Saison ausgedient. Das neue SC-Stadion, das ca. 76,5 Mio. Euro kosten soll, fasst 35.000 Zuschauer und damit 11.000 mehr als das Alte. Der Verein möchte mit dem Stadion eine moderne Heimspielstätte schaffen, die trotzdem an die Wurzeln des Vereins erinnert. Der Slogan lautet „Funktional, nachhaltig, kreativ und wirtschaftlich“.

Gerade die Nachhaltigkeit ist in diesen Tage ein Thema, mit dem sich vermehrt auch Fußballvereine beschäftigen, wie die neue Klima Arena der TSG Hoffenheim zeigt. Das Stadion soll durch die Abwärme der Firma Solvay/Rhodia seinen kompletten Bedarf decken. So soll ein Klimaneutrales Stadion entstehen, das durch Solaranlagen auf dem Dach mit Strom versorgt wird.

Für einige Schlagzeilen sorgte der Bau im Herbst 2019, als eine Klage gegen das Stadion aufgrund zu hoher Lärmbelästigung Recht bekam. Diese Entscheidung bedeutete, dass im neuen Stadion keine Spiele nach 20 Uhr ausgetragen werden dürften und auch am Sonntag nicht zwischen 13 und 15 Uhr. Einschränkungen dieser Art wären kaum tragbar für den Verein, aber das Urteil wurde auf der Grundlage veralteter Lärmschutzverordnungen gefällt, weshalb der SC davon ausgeht, dass in Zukunft doch keine Einschränkungen bestehen werden.

Freiburgsche Ruhe und Gelassenheit auf höchster Ebene des DFB

Ein Mann, der bei der Entwicklung des Vereins in den letzten Jahre eine entscheidende Rolle spielte ist Fritz Keller. Der langjährige Präsident leistet so beeindruckende Arbeit, dass der DFB ihm sogar zutraut, das Image des größten Sportverbandes der Welt wieder aufzubessern. Im September 2019 wurde der Unternehmer zum neuen DFB Präsidenten gewählt, nachdem Reinhard Grindel nach diversen Affären und Skandalen zurückgetreten war. Fritz Keller soll als neuer Kapitän das angeschlagene Schiff retten. Er hat beim SC Freiburg bewiesen, dass er ein Mann für langfristige, positive Entwicklungen ist.

Bereits 1994 begann er als Marketingvorstand bei den Breisgauern. Im Jahr 2010 wurde er zum ersten Vorsitzenden gewählt, dessen Position 2014 in den Präsidenten umgewandelt wurde. In seiner Amtszeit als Präsident hatte der Verein gerade einmal drei Trainer. Seit dem 29.11.2011 sogar nur einen einzigen – Christian Streich. Streich ist einer der Hauptgründe für die Freiburger Sympathie in der gesamten Republik. Kein anderer Trainer ist derart bodenständig und authentisch wie der Südbadener.

Langfristige Personalentscheidungen auf allen Ebenen

Doch nicht nur auf dem Cheftrainerposten, sondern in allen Arbeitsbereichen handelt der SC extrem nachhaltig und langfristig. Der Co-Trainer, mit der kürzesten Amtszeit ist bereits 2017 zum Verein gestoßen. Die beiden einflussreichsten Personen, der Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich Breit und der Finanzvorstand Olliver Leki, sind seit 2014 im Amt. Und auch die weniger entscheidende Position des Busfahrers ist seit 1994 nicht neu besetzt worden. Wer beim SC einen Vertrag unterschreibt, erfüllt diesen in der Regel nicht nur, sondern verlängert ihn.

Auch sportlicher Hinsicht überrascht der SC Freiburg alle paar Jahre, indem der Verein weit über seinen finanziellen Möglichkeiten um die europäischen Plätze mitspielt. Zumeist werden im folgenden Sommer die Leistungsträger durch größere Vereine abgekauft, wie es mit Vincenzo Grifo oder Maximilian Philipp geschah, wodurch die darauffolgende Saison umso schwieriger wird. Auch in diesem Winter gab es ernsthafte Gerüchte, dass der Leistungsträger und Nationalspieler Robin Koch zu RB Liepzig wechselt, doch aufgrund mangelnder Alternativen wurde der Wechsel vertagt.

Vergleichbare Entwicklungen in Bremen

Es wäre müßig darauf hinzuweisen, dass andere Vereine, die wesentlich mehr Geld zur Verfügung haben, sich ein Vorbild am SC nehmen sollten. Ein Verein, der momentan einen ähnlichen Weg einschlägt, wie die Freiburger, ist der SV Werder Bremen. Ehemalige Spieler sind in führenden Positionen beschäftigt und versuchen mit geringen finanziellen Mitteln, möglichst anhaltend gute Arbeit zu leisten.

Nach dem Verlust von Kapitän Max Kruse steckt Bremen in einer Handfesten Krise, doch hat bisher nicht die Nerven verloren. Während die meisten Vereine in der Bremer Situation längst den Trainer gefeuert hätten – oder haben, wie Düsseldorf, Mainz oder Köln – hält man bei den Hanseaten an Florian Kohefeldt fest und versichert sogar, dass man mit dem Trainer in die zweite Liga gehen würde. Diese Alternative wünscht sich natürlich niemand in Bremen, aber es erinnert stark an den SC Freiburg.

Auch die Breisgauer entschieden sich, trotz des Abstiegs an ihrem Trainer festzuhalten. Wenn man sich die vergangen Jahre anschaut, stellt sich sowieso die Frage, wie sinnvoll eine Trainerentlassung im Abstiegskampf überhaupt ist. Stuttgart, Hannover und Nürnberg entließen alle ihre Trainer und stiegen letztendlich trotzdem ab. Es bedarf sehr viel Vertrauen in die Fähigkeiten des Trainers, um in einer solchen Situation an ihm festzuhalten, aber Freiburg beweist, dass es sich lohnt.

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Nachhaltigkeit im Fußball – Hoffenheim macht, was DFL und DFB versäumen

Die TSG 1899 Hoffenheim ist beim Thema Klimawandel einer der Vorreiter im deutschen Fußball. Nun veröffentlichte die TSG sogar eine Doku darüber.

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Nachhaltigkeit ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. Jetzt, da der Klimawandel endlich die mediale Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient, machen sich immer mehr Menschen Gedanken über ihr eigenes Handeln. Sollte ich weniger oder gar kein Fleisch essen? Nehme ich lieber die Bahn zur Arbeit? Muss ich wirklich mit dem Flugzeug in den Urlaub? Viele Fragen, die uns tagtäglich beschäftigen und selbst in der Politik ist langsam angekommen, dass derartige Themen essenziell für unsere Zukunft sind.

Doch den meisten Fußballvereinen ist die Dringlichkeit noch nicht bewusst. Ernsthaftes Engagement den Klimawandel zu stoppen, zeigen nur die wenigsten und auch DFL und DFB haben es bisher versäumt, Richtlinien aufzustellen, an die sich ihre Mitglieder halten müssen. Das ist aufgrund der gesellschaftlichen Wichtigkeit des Fußballs erschreckend, finden auch Dietmar Hopp und Andreas Rettig. Der Mäzen der TSG Hoffenheim und der ehemalige Geschäftsführer der DFL trafen sich Anfang des Jahres in der neuen Klima Arena in Sinsheim zu einem interessanten Austausch.

Hopp und Rettig sind einer Meinung

Man könnte zunächst davon ausgehen, dass diese beiden einflussreichen Fußballfunktionäre sehr unterschiedliche Meinungen zu den wichtigen Themen des Fußballs vertreten. Rettig, der lange Jahre für den FC St. Pauli arbeitete, ist einer der größten Verfechter der 50+1 Regelung und Hopp genießt mit seinen 96% der Anteile der TSG eine Ausnahme der Regelung. Doch beim genaueren Hinsehen wird deutlich, dass die beiden mehr gemein haben, als zu erwarten ist.

Mit Blick auf die Zukunft des deutschen Fußballs sind sich Hopp und Rettig einig, dass der Einstieg ausländischer Investoren mit unendlichen Geldsummen nicht das Ziel sein darf. So sieht Rettig in dem Beispiel TSG Hoffenheim und Dietmar Hopp ein mögliches Vorbild für andere Vereine. Hopp, der selbst in der Jugend für Hoffenheim spielte, zeigt ein langfristiges Interesse an dem Verein, investiert sein Privatvermögen und hält sich an alle finanziellen Regeln. Deshalb war Rettig auch als DFL-Geschäftsführer mitbeteiligt an der Ausnahmeregelung für die TSG.

Wir sollten die bodenständigste, die sozialste und nachhaltigste Liga werden. Dies wäre eine neue DNA für die Bundesliga, für die es sich zu kämpfen lohnt. Die jungen Leute gehen heute mit 15 für solche Themen auf die Straße. Wenn ich sehe, wie die Generation Z tickt, dann ist es perspektivisch für den Fußball-Standort Deutschland ein echter Wert, wenn man glaubwürdig sagen kann: ‚Hier bei uns gehen die Uhren anders.‘ Und wenn wir dann einen Pokal weniger gewinnen, dann ist es halt so.

Andreas Rettig


Ebenfalls einig sind sich die Beiden beim Thema Klimawandel und beide engagieren sich seit längerem in diesem Gebiet. Hopp setzt sich schon mehrere Jahre mit seinem Verein für Nachhaltigkeit ein. Ein aktuelles Beispiel ist die eigene Modemarke umoja, die in Uganda produziert wird, um den Wirtschaftsstandort zu stärken. Auch Rettig ist schon bei seinen früheren Stationen für das Thema sensibilisiert worden. So wurde beispielsweise in seiner Amtszeit beim FC Augsburg das Stadion klimaneutral gebaut.

Im Oktober 2019 wurde die Klima Arena in Sinsheim eröffnet. Diese soll als außerschulische Bildungsstätte dienen, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Nicht nur der baden-württembergische Ministerpräsident Kretschmann, sondern auch Bundeskanzlerin Merkel kamen zur Eröffnung und fanden lobenden Worte für das Engagement der TSG Hoffeneheim. Finanziert wurde das knapp 40 Mio. Euro teure Projekt durch die Dietmar-Hopp-Stiftung.

Rettig und Hopp sind sich einig, dass ein solches Engagement von viel mehr Bundesligisten betrieben werden sollte. Zwar gibt es einige Vereine wie St. Pauli, Mainz, Freiburg oder Bremen, die sich ebenfalls gegen den Klimawandel verschrieben haben, aber gerade die einflussreichen Klubs halten sich bisher zurück. Vor allem Bayern und Dortmund müssten ein gesteigertes Interesse zeigen, um dadurch einen Sogeffekt zu erzeugen, meint Hopp.

DFL und DFB tun zu wenig

Um mehr Vereine dafür zu begeistern, nimmt Rettig auch die DFL in die Pflicht. Sein ehemaliger Arbeitgeber hätte die Macht, den Vereinen ökologische Vorgaben zu machen, nimmt diese Möglichkeit aber nicht wahr. Auch der DFB versäumt es, klimafreundliche Konzepte beispielsweise zur Anreise zu Fußballspielen vorzustellen. Und beide Organisationen verzichten bisher darauf, ihre Medienwirksamkeit zu nutzen, um die Aufmerksamkeit für diese Themen weiter zu steigern.

Der Druck, dass auch der Fußball aktiv wird, ist groß. Und ich sehe die Chance, dass dies geschieht. Wir als TSG Hoffenheim können mithelfen und zeigen, dass man sich in verschiedenen Formen und Projekten engagieren kann.

Dietmar Hopp


Mit der am Mittwoch erschienenen Doku nimmt Hoffenheim die Verbreitung des Bewusstseins, dass Fußballvereine sich durchaus für diese Themen engagieren können, nun selbst in die Hand. Damit geht der Verein einen weiteren Schritt in die richtige Richtung und ist vielen Konkurrenten einiges voraus. So sehr die TSG in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor als belächelter Retortenklub dasteht, so wenig entspricht das Handeln des Vereins diesem Bild.

In Hoffenheim werden nachhaltige und langfristige Entscheidungen getroffen. Während an anderen Standorten Investoren innerhalb kürzester Zeit für ein riesiges Chaos sorgen, baut Dietmar Hopp in Hoffenheim seit Jahrzehnten einen vorbildlichen Fußballklub. Der 79-jährige beweist beeindruckende Weitsicht und zeigt, dass Angst vor dem Klimawandel nicht nur die junge Generation betrifft. Hopp ist ein Mann, der von vielen in der Fußballwelt aufgrund seines Geldes kritisiert wird, wodurch sein tatsächliches Handeln zu Unrecht in den Hintergrund rückt.

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Rassismus-Vorfall auf Schalke – der Fisch stinkt vom Kopf her

Rassismus ist im Fußball keine leider Seltenheit. Die Probleme beschränken sich dabei nicht auf einzelne Vereine oder Länder und nehmen stetig zu.

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Am Dienstagabend kam es beim DFB-Pokal Achtelfinale zwischen Schalke 04 und Hertha BSC zu rassistischen Vorfällen. Der deutsche U21-Nationalspieler Jordan Torunarigha wurde während der Partie von den Rängen beleidigt und mit Affenlauten bedacht. Bei dem jungen Innenverteidiger flossen auf dem Spielfeld tränen, doch er spielte weiter und flog letztendlich mit Gelb-Rot vom Platz, weil er in der Verlängerung außerhalb des Spielfeldes die Fassung verlor. Hertha verlor die Partie mit 3:2. Der eigentliche Verlierer ist aber der Fußball.

Rassismus ein globales Problem des Fußballs

Das Thema Rassismus steht im Fußball leider auf der Tagesordnung. Ob in Italien, Bulgarien, England oder eben hier in Deutschland. Überall beklagen sich Fußballprofis über rassistische Vorfälle, die von der Tribüne ausgehen. Vereine und Verbände distanzieren sich immer wieder geschlossen von derartigen Vorkommnissen, doch sie bekommen das Problem nicht in den Griff. Im Gegenteil, es wird immer größer. Bereits im letzten Jahr berichteten wir in Rassismus existiert, auch im Fußball! über diese Problematik.

Damals hatten bulgarische Neo-Nazis das EM-Qualifikationsspiel zwischen Bulgarien und England überschattet, indem sie neben rassistischen Gesängen auch offen den Hitlergruß zeigten. Kurz vor Weihnachten kam es in England für einen anderen deutschen Innenverteidiger ebenfalls zu unschönen Szenen. Antonio Rüdiger vom FC Chelsea wurde im London Derby gegen die Tottenham Hotspur rassistisch beleidigt. Der Schiedsrichter der Partie sorgte dafür, dass der Stadionsprecher mehrere Durchsagen machte. Zu einem Spielabbruch kam es indes nicht.

In Italien ist Rassismus von den Rängen ein noch viel größeres Problem, als beispielsweise in England. Regelmäßig haben dort Schwarze Fußballer mit Beleidigungen zu kämpfen. Der italienische Verband versuchte zuletzt durch eine Anti-Rassismus-Kampagne der Lage Herr zu werden, doch scheiterte schon im Ansatz. Die Kampagne fußte auf einer künstlerischen Darstellung von drei Affen, die laut dem Künstler zeigen sollten, dass alle Menschen Affen seien. Das mediale Echo war enorm und mehrere Serie A Vereine distanzierten sich deutlich von der Kampagne. So sorgte die Kampagne letztendlich für einen enormen Image-Schaden des italienischen Fußballverbandes, aber half keinesfalls den Rassismus zu bekämpfen.

Ausgerechnet Schalke

Der Vorfall auf Schalke ist auch für die deutsche Fußballlandschaft nicht die erste Berührung mit diesem Thema. Beim FC Chemnitz zum Beispiel gedachten die „Fans“ einem verstorbenen Anhänger des Vereins, der offener Neo-Nazi war. Wenige Monate später wurde der Kapitän des Drittligisten suspendiert, da dieser sich mehrfach inmitten dieser rechtsextremen Fanszene aufhielt. Einen weiteren riesigen Rassismus-Skandal hatte vor kurzem ausgerechnet der FC Schalke 04. Der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies traf bei einer öffentlichen Rede eine rassistische Aussage.

Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.

Clemens Tönnies

Es folgte ein Aufschrei der deutschen Medienlandschaft. Doch Clemens Tönnies ist noch immer im Amt. Er legte seine Ämter für drei Monate nieder und kam wieder zurück. Er tat nicht so, als wäre nichts gewesen. Tönnies engagiert sich seither viel stärker für Anti-Rassismus-Kampagnen und beteuerte immer wieder, dass die Aussage ein Fehler war. Alles schön und gut, aber wer kauft ihm das jetzt noch ab?

Keine Glaubwürdigkeit mit Tönnies an der Spitze

Jetzt fällt den Schalkern ihre Inkonsequenz vergangener Tage auf die Füße. Nach dem Vorfall am Dienstagabend versicherte der Verein derartige Vorkommnisse nicht zu tolerieren und hart dagegen vorzugehen. Ein hartes Vorgehen wäre gegen Tönnies angebracht gewesen. Jetzt kann niemand derartigen Aussagen des Vereins noch Glauben schenken. Nachdem Tönnies nicht die Würde hatte, selbst seine Hut zu nehmen, hätte der Verein durchgreifen müssen. Stattdessen sendete man ein komplett falsches Signal.

Ich hätte von einem erfolgreichen Geschäftsmann und intelligenten Manager wie Tönnies erwartet, dass er so smart gewesen wäre, für sich die persönlichen Konsequenzen zu ziehen und zurückzutreten.

Peter Fischer Präsident von Eintracht Frankfurt

Wenn der Schalker Boss sich ohne Konsequenzen in der Öffentlichkeit rassistisch äußern darf, warum sollten es ihm seine Anhänger nicht nachtun? Schalke hat nur eine Möglichkeit, seine Glaubwürdigkeit ansatzweise wieder zu erlangen und die besteht darin, das unrühmliche Kapitel Clemens Tönnies endlich zu schließen. Dadurch wäre der Rassismus keineswegs besiegt, aber man könnte Schalke wieder besser abkaufen, dagegen vorzugehen.

Die Abhängigkeit des Vereins von Tönnies ist offensichtlich. Ohne den Unternehmer wäre Hauptsponsor Gazprom höchstwahrscheinlich nicht an Bord und der FC Schalke würde nicht dort stehen, wo er momentan steht. Doch kann finanzielle Abhängigkeit nicht die ethischen Werte eines Fußballvereins in den Schatten stellen. Der Fußball muss endlich anfangen, deutliche Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Die deutlich mehrheitliche Meinung zu diesem Thema ist klar: Rassismus darf keinen Platz haben. Trotzdem häufen sich Vorfälle dieser Art.

Alle zusammen gegen Rassismus

Nicht nur Verbände und Vereine sind in der Pflicht, sondern auch die Fans selber. Wenn rassistische Gesänge von den Tribünen zu hören sind, müssen andere Fans deutlich machen, dass so etwas nicht toleriert wird. Außerdem müssen die Täter zwingend zur Anzeige gebracht und dann durch den Verein mit einem lebenslangen Stadionverbot belegt werden. Auch die ironischer Weise momentan laufende Anti-Rassismus-Woche des FC Schalke ist ein guter Ansatz. Verbände, Vereine und Fans müssen zusammen Rassismus präventiv bekämpfen und Vorfälle im Keim ersticken.

Abseits vom Fußball ist es in Thüringen nun zur ersten Wahl eines Ministerpräsidenten durch Stimmen der AfD gekommen. Eine Partei, die den Alltagsrassismus vorlebt. Derartige Entwicklungen müssen Sorge bereiten. Denn es können noch so viele Stadiondurchsagen getätigt, Fußballspiele unterbrochen und Aufsichtsratsvorsitzende beurlaubt werden, wenn Rassismus in der politischen Regierungsarbeit wieder geduldet wird, sind die Probleme viel weitreichender, als nur im Fußball.

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Hertha BSC – Big City Club zumindest, was die mediale Aufmerksamkeit angeht

In den letzten Wochen sorgten die Hauptstädter für ungewöhnlich viele Schlagzeilen. Als nächstes muss die Hertha auch sportlich auf sich aufmerksam machen.

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Die Winterpause ist immer eine Zeit, in der die Berichterstattung der Bundesliga händeringend nach spannenden Themen sucht. Diese Saison machte die Hertha es den Journalisten einfach – Trainingslager in den USA, auf den ersten Blick utopische Zielsetzungen und Transfergerüchte ohne Ende. Es ist viel los in der Hauptstadt und der erste Schritt zum von Investor Lars Windhorst angestrebten Image des „Big City Clubs“ ist geschafft. Die Hertha ist in aller Munde. Nur ist die Berichterstattung momentan keineswegs frei von Kritik.

Preetz übt Zurückhaltung

Klinsmanns Äußerungen stoßen natürlich auf eine mediales Echo. Er spricht von Titelansprüchen in drei bis fünf Jahren. Das kann man als ambitioniert bezeichnen oder eben als unrealistisch. Einer, der in diesem Zusammenhang etwas zurückhaltendere Worte findet, ist Michael Preetz. Der langjährige Geschäftsführer hält zwar große Stücke auf Klinsmann als Trainer, doch weiß er auch die neue Situation einzuschätzen. Trotz der Finanzspritze ist das primäre Ziel, Abstand zu gewinnen von den Abstiegsplätzen.

Wir möchten erfolgreich sein mit Hertha BSC. Wir möchten gerne auf das internationale Parkett, aber es weiß jeder, dass das ein bisschen Zeit brauchen wird. Das geht nicht von heut auf morgen.

Michael Preetz im Interview mit Jörg Wontorra

Auch, wenn Preetz immer wieder betont, dass alle bei Hertha die gleichen Zielvorstellungen haben, sind seine Aussagen wesentlich näher an der Lebensrealität von Hertha BSC. Gleichzeitig ist aber deutlich zu erkennen, dass auch Klinsmann sich der momentanen Lage in der Liga bewusst ist. Der Verein spielt seit seiner Übernahme als Cheftrainer wesentlich defensiveren Fußball. Man ist darauf bedacht, keine Gegentore zu fangen und selber durch Konter erfolgreich zu sein. Das ist eine andere Herangehensweise, als noch zu Saisonbeginn beschlossen, aber der Situation durchaus angemessen. Wenn es so weitergeht, hat die Hertha in dieser Saison wahrscheinlich keine großen Abstiegssorgen mehr.

Viel Geld für neue Spieler

Um in Zukunft den selbst gesteckten Zielen näher zu kommen, wird momentan kräftig auf dem Transfermarkt investiert. In der Winterpause sicherte man sich unter anderem die Dienste von Lucas Tousart von Olympique Lyon und Krzysztof Piątek vom AC Mailand. Tousart ist ein Zukunftstransfer, da der 22-jährige Franzose erst im Sommer in die Hauptstadt kommen wird, um dann den scheidenden Marko Grujić zu ersetzen. Piątek soll direkt für mehr Torgefahr sorgen. Der Stürmerkollege von Robert Lewandowski in der polnischen Nationalmannschaft kommt mit einer guten Torstatistik aus der italienischen Serie A. Nur diese Saison blieb er bisher hinter den Erwartungen zurück und erzielte nur vier Tore in 18 Partien.

Auch dieser Transfer erntete Kritik in der deutschen Presselandschaft. Was die Hertha auch macht, es scheint in Deutschland nicht gut anzukommen. Einerseits ist diese Kritik aufgrund der schwächelnden Leistungen von Piątek durchaus nachvollziehbar, da 25 Mio. Euro auch für die neureichen Berliner kein Schnäppchen sind. Andererseits zeigt einer der Sommertransfers diese Saison, dass sich eine derartige Investition durchaus lohnen kann. Dodi Lukebakio, der im Sommer für 20 Mio. Euro aus Watford gekommen ist, konnte bisher fünf Tore und vier Vorlagen in der Bundesliga markieren. Keine herausragenden Werte, aber definitiv wichtig für die Hertha.

Ein Gegenbeispiel dazu ist der momentan von Borussia Dortmund ausgeliehene Marius Wolf. Für ihn läuft es gerade unter Klinsmann nicht mehr gut. Er verzeichnet nur noch wenige Startelfeinsätze und auch deshalb wenig Torbeteiligungen. Dass die Hertha die Kaufoption zieht, scheint, nicht nur aufgrund der Höhe von 20 Mio. Euro, unwahrscheinlich. Wolf ist einer der Spieler, der der harten Kursänderung unter Klinsmann zum Opfer gefallen ist. Neben ihm sahen sich plötzlich auch Stark, Kalou, Duda und Selke auf dem Abstellgleis. Zwei dieser vier Spieler suchten deshalb noch im Winter das Weite.

Klinsmann sortiert gnadenlos aus

Gerade für den Ersatz-Kapitän und frisch gebackenen Nationalspieler Niklas Stark kam die Degradierung sehr überraschend. Er hatte eigentlich vor, sich in dieser Saison für die Europameisterschaft zu empfehlen. Stattdessen hält er neuerdings die Berliner Bank warm. Das größte Problem dieser neuen Entwicklung ist, dass Klinsmann den Spielern eine Erklärung für ihre Aussortierung schuldig geblieben sein soll. Kalou spricht sogar von fehlendem Respekt.

Ich bin nicht erst fünf Tage oder Monate hier. Sondern fast sechs Jahre und habe immer meine Tore gemacht. Ich brauche deswegen keine Sonderbehandlung. Aber es geht mir um Respekt. Und der fehlt massiv.

Salomon Kalou

Deutliche Worte des Champions League Siegers von 2012. Wer in Klinsmanns Plänen für die Generalüberholung keine Rolle spielt, wird scheinbar ohne zu zögern abgeschoben. Eine durchaus fragwürdige Herangehensweise. Dass die Zielsetzungen und das dafür benötigte Spielermaterial sich mit steigenden finanziellen Mitteln verändern, ist legitim, doch der Umgang mit altgedienten Spielern lässt zu Wünschen übrig.

Ob Jürgen Klinsmann über den Sommer hinaus Trainer bleiben wird, steht noch nicht fest. Preetz klingt jedenfalls nicht abgeneigt, da er in der Strahlkraft des ehemaligen Nationaltrainers einen riesen Gewinn für seinen Verein sieht. In jedem Fall ist viel los in der Hauptstadt. Es wird spannend zu beobachten sein, ob Klinsmann tatsächlich einen offensiveren Ansatz wählt, wenn seine Mannschaft sich erstmal von den Abstiegsplätzen entfernt hat. Im Sommer geht die Einkaufstour der Berliner voraussichtlich weiter.

Mediales Interesse ist noch kein sportlicher Erfolg

Eines steht fest: Das mediale Interesse an den aktuellen Entwicklungen ist riesig. Und, obwohl es viel Kritik hagelt, mischt die Hertha zumindest auf diesem Gebiet schon jetzt in ganz anderen Sphären mit, als in den letzten Jahren. Wenn man es schafft, bei aller Umstrukturierung, die eigenen Fans und Spieler nicht völlig aus den Augen zu verlieren, könnte in Berlin ein sehr interessanter Verein entstehen. Doch auch dem Risiko des Scheiterns müssen sich die Hauptstädter bewusst sein. Nicht jede Investition in deutsche Fußballvereine ist derart erfolgreich verlaufen, wie die in Hoffenheim oder Leipzig. Leute wie Michael Preetz sind enorm wichtig, um in euphorischen Zeiten die Ruhe zu bewahren und weitsichtige Entscheidungen zu treffen. Ob die kürzlich getätigten Transfers sich als solche Erweisen, bleibt abzuwarten.

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Von Lewandowski bis Haaland – Dortmund hat ein Händchen für Stürmer

In Dortmund scheinen die Torjäger vom Himmel zu fallen. Kaum wird ein Weltklassestürmer weggekauft, steht schon der nächste auf dem Feld.

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Der Einstand von Erling Braut Haaland beim BVB gleicht einer Märchengeschichte – zweimal eingewechselt, erzielte der Norweger fünf Tore in nur 57 Minuten. Haaland ist ein Stürmer, wie er im Buche steht: Großgewachsen, schnell und unglaublich Abschlussstark. Hinzu kommt eine technische Finesse, die vom modernen Angreifer erwartet wird. Jetzt muss der Shootingstar der Bundesliga seine gezeigten Leistungen im weiteren Saisonverlauf bestätigen, dann hat er das Zeug zum Weltklassestürmer.

Lucas Barrios und Robert Lewandowski

Das Besondere ist, dass man einen Stürmer seines Niveaus alle Jahre wieder beim BVB beobachten kann. Das Scouting der Westfalen ist besonders in der Sturmspitze herausragend. Begonnen hat alles mit Lucas Barrios und den Meistertiteln unter Jürgen Klopp. Barrios wechselte im Sommer 2009 aus Chile nach Nordrhein-Westfalen und schlug sofort ein – 19 Tore und fünf Vorlagen in seiner Debütsaison folgten 16 Tore und sechs Vorlagen in der ersten Meistersaison. Er erreichte also 46 Scorrerpunkte in nur zwei Jahren Bundesliga.

In der darauffolgenden Spielzeit sollte der Stern des Robert Lewandowski so richtig aufgehen. Der Pole verdrängte den Paraguayer auf die Bank und führte die schwarz-gelben zum Double. Was Lewandowski seitdem in der Bundesliga für Leistungen abruft, ist von einem anderen Stern. Vier der letzten sechs Torjägerkanonen gingen an ihn. Dazu kommen noch nicht weniger beeindruckende Leistungen in DFB-Pokal und Champions League. Doch woher kam diese Tormaschine überhaupt?

Der BVB kaufte Lewandowski im Sommer 2010 für 4,75 Mio. von Lech Posen Euro und bezahlte damit 4,75 Mio. Euro mehr, als der FC Bayern 2014 für den Polen. In Polen war Lewandowski 2009/2010 mit 18 Toren in 28 Spielen Torschützenkönig. Das ist ein guter, aber kein herausragender Wert. Erst in der Bundesliga reifte er nach einem Jahr der Eingewöhnung zum Top-Stürmer. Nach seinem Abgang nach München hinterließ er eine riesige Lücke im Sturmzentrum der Dortmunder.

Ciro Immobile: Transferflop und Weltklassestürmer

Lazio’s Ciro Immobile jubilates after scoring the 2-0 goal during the Italian Serie A soccer match SS Lazio vs FC Crotone at Olimpico stadium in Rome, Italy, 23 December 2017. ANSA/ANGELO CARCONI

Gestopft werden sollte diese mit dem Italiener Ciro Immobile. Doch Immobile sollte der einzige Stürmerflop des BVB der letzten Jahre werden. Nach gerade einmal einem Jahr und drei Toren in der Bundesliga war das Kapitel Deutschland für Immobile beendet. Er wechselte erst auf Leihbasis und ein Jahr später fest zum FC Sevilla. Interessanterweise ist aber auch einer der größten Transferflops der letzten Jahre heute ein herausragender Mittelstürmer. Man sieht an seinen heutigen Leistungen, was Watzke und Zorc damals für einen Spieler verpflichten wollten.

Über die Gründe für Immobiles scheitern in Deutschland lässt sich nur spekulieren; doch eines steht fest: Er war zur falschen Zeit am falschen Ort. In der Hinrunde stand er häufig in der Startelf der Schwarz-Gelben und konnte dabei die Erwartungen nicht erfüllen. Aber das galt fraglos nicht nur für ihn, denn keiner der Dortmunder Spieler konnte in dieser Hinrunde die Erwartungen erfüllen. Nach 17 Spieltagen stand der Vizemeister des Vorjahres auf dem vorletzten Tabellenplatz. Gerade einmal 15 Punkte und 18 Tore standen zu Buche. Es war eine Horror-Hinrunde.

Interessanterweise hätte der BVB laut der Expected Goals dieser Hinrunde auf einem ganz anderen Tabellenplatz stehen müssen, nämlich dem vierten. Ein Hauptgrund für die Dortmunder Misere war also – kein Trainer wird das gerne hören – PECH. Die Dortmunder haben nicht übermäßig schlecht gespielt. Sie erzielten einfach keine Tore, wenn sie eigentlich welche hätten erzielen müssen und fingen Tore, wenn eigentlich keine hätten fallen dürfen. Das, bei fußballtaktischen Analysen oftmals missachtete, Glück war nicht auf ihrer Seite.

In der Rückrunde wendete sich das Blatt. Die Mannschaft fing sich noch rechtzeitig und schloss die Saison auf dem 7. Platz ab. Doch für einen kam diese Trendwende zu spät: Ciro Immobile. Der Italiener war längst auf dem Abstellgleis. Nur noch zwei Startelfeinsätze folgten für ihn und er konnte kein einziges Tor mehr markieren. Als Transferflop abgestempelt ging es nach Andalusien. Jetzt sechs Jahre später straft er seine Kritiker endgültig Lügen und zeigt ganz deutlich, warum Dortmund ihn damals verpflichtet hat.

Immobile erzielte in bisher 19 Serie A Spielen 23 Tore und bereitete weitere fünf vor. Damit führt er die Torjägerliste der Top-5 Ligen noch vor Robert Lewandowski und Lionel Messi an. Nicht auszudenken, wo der 29-jährige heute ohne die Seuchensaison beim BVB stehen würde.

Aubameyang: Im Zentrum zur Tormaschine

Zu Dortmunds Glück war nach dem Abgang von Immobile schon ein neuer Stürmer in den eigenen Reihen vorhanden. Pierre Emerick Aubameyang, ob seiner Schnelligkeit in jungen Jahren noch häufig auf dem Flügel eingesetzt, rückte ins Zentrum der BVB Offensive und brillierte sofort. Bereits 2013 kam der Gabuner für 13 Mio. Euro in die Bundesliga. In den ersten beiden Saisons erreichte er schon sehr gute 17 und 23 Scorerpunkte. Ehe er dann als Mittelstürmer zu Höchstleistungen auflief.

In den folgenden zweieinhalb Jahren in der Bundesliga erzielte Aubameyang überragende 69 Tore in 79 Spielen. Aufgrund dieser Quote war sein Wechsel zum FC Arsenal im Januar 2018 wirklich keine Überraschung.

Batshuayi: Kurzes Intermezzo

Durch den Aubameyang-Wechsel im Winter war der BVB gezwungen, eine Übergangslösung für die Rückrunde zu organisieren. Diese Lösung war der Belgier Mitchy Batshuayi. Auch, wenn der Stürmer vielleicht nicht zum erfolgreichsten Angreifer der Dortmunder Geschichte werden sollte, hat er trotzdem einige sehr gute Spiele gezeigt. In zehn Bundesligapartien erzielte er sieben Tore. Dann verletzte er sich am Sprunggelenk und fiel für den Rest der Saison aus. Dortmund nahm infolge der Verletzung von einer festen Verpflichtung des Belgiers Abstand und Batshuayi spielte seitdem wenig erfolgreich für Valencia, Crystal Palace und Chelsea.

Im Sommer 2018 musste also ein neuer Stürmer gefunden werden. Aufgrund der komplizierten Lage auf dem Transfermarkt entschieden sich die Verantwortlichen erneut für eine Leihe. Die Marktwerte gerade für Stürmer schossen in ungeahnte höhen und mit Paco Alcácer verpflichtete man einen Spieler, dessen tatsächliche Klasse noch nicht endgültig bestimmt werden konnte.

Paco Alcácer: Knipser vom Dienst

Der Spanier wechselte im Sommer 2016 nach einigen guten, aber keineswegs überragenden Jahren vom FC Valencia zum FC Barcelona. Bei den Katalanen konnte er sich nie durchsetzen und war deshalb glücklich über die sich bietende Chance beim deutschen Vizemeister. Alcácer packte die Gelegenheit beim Schopfe und beweist seit nunmehr anderthalb Jahren, was er für ein eiskalter Torjäger ist. In der Bundesliga erzielte er in 37 Partien 23 Tore. Das ist an sich kein herausragender Wert, aber, wenn man sich anschaut, wie viele Minuten Alcácer für ein Tor benötigt, entsteht ein völlig neues Bild.

Seit Sommer 2018 erzielte Paco in der Bundesliga alle 75 Minuten ein Tor. Im Vergleich dazu: Messi erzielte im gleichen Zeitraum in La Liga „nur“ alle 79 Minuten ein Tor. Natürlich ist dieser Unterschied auch der mehr als doppelt so hohen Spielzeit Messis geschuldet. Beeindruckend ist diese Statistik trotzdem und zeigt einmal mehr, was für ein Knipser die Nummer 9 der Dortmunder ist. Was nach der Verpflichtung Haalands mit Alcácer passiert steht noch in den Sternen.

Erling Haaland tritt jedenfalls in große Fußstapfen. Sein Einstand machte Lust auf mehr und gab einen kleinen Ausblick auf das, was vielleicht noch kommt. In den letzten Jahren spielten einige der besten Stürmer der Welt im schwarz-gelben Trikot. Wenn es nach den Verantwortlichen, den Fans und sicherlich auch Haaland selbst geht, dann ist der Norweger der nächste Weltklassetorjäger, der die Süd ein ums andere Mal zum Beben bringt.

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Diego Demme – eine ungewöhnliche Karriere

Vom Meisterschaftskandidaten Leipzig ins italienische Tabellenmittelfeld nach Neapel. Diego Demmes Wechsel ergibt auf den zweiten Blick trotzdem Sinn.

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RB Leipzig scheint in dieser Saison ein ernsthafter Kandidat für die Meisterschaft zu sein. Unter Julian Nagelsmann spielten die Sachsen eine herausragende Hinrunde und wurden verdient Herbstmeister. Die dargebotene Konstanz gilt es nun in der zweiten Saisonhälfte beizubehalten, um auch am Ende ganz oben zu stehen. Doch ein Spieler wird den Bullen dabei nicht mehr weiterhelfen – das Leipziger Urgestein – Diego Demme.

Von der Bank zum Stammspieler zum Wechsel

Der 28-jährige Deutsch-Italiener wechselte Anfang des Jahres für rund 12 Mio. Euro zum SSC Neapel. Damit endet für ihn nach sechs Jahren das Kapitel RB Leipzig. Das kommt auf den ersten Blick, aufgrund der Meisterschaftsambitionen der Leipziger, recht überraschend. Demme, der schon in der dritten Liga für RB kickte, könnte seiner erfolgreichen Zeit in Leipzig die Krone aufsetzen. Unter Nagelsmann wurde er nicht nur wieder zum Stammspieler, sondern war sogar Vize-Kapitän. Doch bei genauerem Hinsehen ergibt der Wechsel nach Italien genau zu diesem Zeitpunkt Sinn.

Diego Demmes Karriere verlief anders als die meisten Karrieren aktiver Bundesligaprofis. Erst mit 25 Jahren gab er sein Bundesligadebüt. 2014 wechselte er als gestandener Zweitligaspieler mit 22 Jahren nicht in die Bundesliga, wie es der logische Schritt wäre, sondern in die dritte Liga zu RB Leipzig. Er entschied sich bewusst dazu, noch nicht in die Bundesliga zu gehen, weil er in Leipzig ein vielversprechendes Projekt für die Zukunft sah. Seine Weitsichtigkeit sollte sich auszahlen. Seit der Saison 2016/17 stand Demme mit Leipzig in der Bundesliga und seine Mannschaft erreichte jedes Jahr die europäischen Plätze.

Neben seinen ungewöhnlich weitsichtigen Transferentscheidungen sticht Diego Demme auch durch seine bewusste Ernährung als Fußballer hervor. Die vegane Ernährung hat es ihm besonders angetan. Im Interview mit der Welt gab er zwar zu, es nicht durchzuhalten, sich rein vegan zu ernähren, aber der Anteil pflanzlicher Lebensmittel beträgt bei ihm ca. 80%. Auch er gönnt sich ab und zu eine Pizza, doch sein schlechtes Gewissen lässt diese Sünden nur sehr selten zu. Für Demme ist eine Gesunde Ernährung in Verbindung mit erholsamem Schlaf der Schlüssel zur optimalen Regeneration.

Die Konkurrenz in Leipzig ist groß

Diego Demme scheint also ein Fußballprofi zu sein, der sich sehr viele Gedanken über sein Leben und seine Karriere macht. Auch der Schritt nach Italien ist keine Übersprungshandlung. Schon im Sommer liebäugelte Demme mit einem Wechsel, damals hauptsächlich wegen fehlender Spielzeiten in Leipzig. Nagelsmann setzte wieder voll auf Demme. In allen 17 Hinrundenspielen stand er auf dem Platz. Doch der große Star in der Mannschaft war er auf keinen Fall. Er profitierte sehr stark von den andauernden Verletzungsproblemen von Kevin Kampl. Neben ihm zeigte Konrad Laimer herausragende Leistungen auf der sechs. Wenn Nagelsmann aus den Vollen hätte schöpfen können, ist also davon auszugehen, dass Kampl und Laimer die Doppelsechs gebildet hätten.

Hinzukommt noch der junge US-Amerikaner Tyler Adams, der in der Hinrunde gar keine Rolle spielte und durch Demmes Abgang plötzlich in die Startelf rückt und auch Amadou Haidara kann seine Position ausfüllen. Demme hat zwar eine gute Hinrunde gespielt und auch in der Rückrunde wäre mit Einsatzzeiten zu rechnen, aber die Konkurrenz in Leipzig ist groß. In Neapel erwartet Demme auch ein gut besetztes Mittelfeld, doch er ist der defensivste Sechser im Kader. Er hat ein Alleinstellungsmerkmal und einen Trainer, der besser kaum passen könnte.

Das Vorbild als Trainer

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Gennaro Gattuso übernahm Anfang Dezember den Job von Carlo Ancelotti. Die Süditaliener liegen in der Liga momentan nur auf Platz 10 und damit weit hinter ihren Erwartungen. Auch unter Gattuso konnte der Bock bisher nicht umgestoßen werden. Vier Niederlagen aus den ersten sechs Ligaspielen unter dem neuen Trainer sprechen Bände. Für Demme ist er trotzdem der perfekte Trainer. Demmes Vater ist Fan von AC Mailand und Vereinszugehörigkeit wird bekanntermaßen häufig an die Kinder weitergereicht. So kommt es, dass Demmes fußballerische Vorbilder Andrea Pirlo und Gennaro Gattuso heißen.

Pirlo als Vorbild eines 28-jährigen ist keine Überraschung. Den liebt ja eigentlich jeder. Doch Gattuso passt perfekt zum Spielstil von Demme. Ein kleiner, kämpferischer Sechser, der jeden Zweikampf zu 100% annimmt und dessen Einsatz jede fußballerische Unzulänglichkeit wettmacht. Gattuso und Demme ähneln sich stark in ihrem Spielstil, deshalb wollte der Weltmeister von 2006 den kleinen Wadenbeißer wahrscheinlich in seinem Team haben. Bleibt für Demme nur zu hoffen, dass die Amtszeit Gattusos noch ein Weilchen andauert und in etwas erfolgreicheren Bahnen verläuft als bisher. Ein erster Hoffnungsschimmer war der verdiente 2-1 Sieg am Sonntag über Juventus Turin, in dem Demme, bis zu seiner Auswechslung aufgrund eines Gelb-Rot-Risikos, eine sehr gute Leistung zeigte.

Vielleicht ruft Jogi nochmal an

Für Diego Demme ist auch das Kapitel Nationalmannschaft noch nicht ganz abgeschlossen. Er hatte bisher einen Kurzeinsatz 2018 gegen San Marino, doch verletzte sich kurz vor dem darauffolgenden Confed-Cup, für den er eingeplant war. Im Heimatland seines Vaters möchte er seiner ungewöhnlichen Karriere einen weiteren spannenden Abschnitt hinzufügen. Und wer weiß, vielleicht schafft er es sich in Neapel derart zu etablieren, dass Joachim Löw doch nochmal zum Hörer greift und Diego Demme spät in seiner Karriere wieder das Nationaltrikot überstreifen darf. Vorstellbar ist es bei dem bisherigen Karriereverlauf allemal.

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Coutinho, Perisic, Odriozola – Bayern wird zum Leihverein

Im Sommer kamen Coutinho und Perisic per Leihe zu Bayern. Jetzt reiht sich Odriozola in diese Riege ein. Eine zukunftsfähige Entwicklung sieht anders aus.

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Hansi Flicks Wünsche wurden erhört – Bayern verpflichtet in der Winterpause mit Álvaro Odriozola einen weiteren Außenverteidiger. Damit sind die Personalsorgen des Rekordmeisters nicht gänzlich beseitigt, aber zumindest in der Defensive bieten sich dem Trainer nun mehr Möglichkeiten. Es ist ein typischer Wechsel des FC Bayern dieser Tage. Odriozola ist kein Spieler der Extraklasse, aber er hat definitiv Potenzial und der Wechsel ist erneut ein Leihgeschäft.

Wunschlösungen bleiben ein Wunsch

Wie schon im Sommer bei Philippe Coutinho und Ivan Perisic verpflichten die Bayern ihren neuen Spieler nur zeitlich begrenzt. Der Grund dafür ist ganz einfach: Sie sind nicht die Wunschlösungen. Keiner der drei Spieler stand ganz oben auf der Einkaufsliste von Hasan Salihamidžić. Doch Ideallösungen, wie etwa Leroy Sané oder Hakim Ziyech konnte der FCB bisher aus unterschiedlichen Gründen nicht realisieren.

Bei Sané machte der Kreuzbandriss zu Beginn der Saison einen Strich durch die Rechnung. Ziyech wurde nicht das nötige Interesse vermittelt, so dass der Marokkaner sich für eine Vertragsverlängerung bei Ajax entschied. Im Zugzwang der kurzen Transferperioden entschieden sich die Verantwortlichen an der Säbener Straße für kurzfristige Lösungen zur Überbrückung. Durch diese Leihspieler sollte der personelle Mangel eingedämpft und die sportliche Klasse aufrecht erhalten werden.

Im Sommer wird es nun höchste Zeit, dass der FC Bayern langfristige Lösungen präsentiert, sonst entfernen sich die eigenen Ansprüche immer weiter von realistischen Zielsetzungen. Um als absoluter Top-Verein in Europa zu gelten und um den Champions League Titel mitzuspielen, bedarf es Spielern höchster Güteklasse. Damit ist kein beim FC Barcelona aussortierter Philippe Coutinho, kein in die Jahre gekommener Ivan Perisic und kein bei Real als Bankwärmer eingestzter Àlvaro Odriozola gemeint.

Es geht auch nicht darum, die Stammspieler anderer Top-Vereine zu verpflichten – das wäre utopisch. Viel mehr muss der FC Bayern wieder zum Akteur auf dem internationalen Transfermarkt werden, anstatt nur zu reagieren. Spieler wie Kai Havertz oder Lautaro Martínez müssen den FCB als logischen nächsten Karriereschritt ansehen, von nationaler zu internationaler Klasse. Als diese Adresse schafft es der Verein sich momentan höchstens, für deutsche Spieler darzustellen. Erfolgreiche Talente im Ausland entscheiden sich für andere große Namen wie Manchester City oder Real Madrid.

Kloppo macht es vor!

Dass durch die Verpflichtung von vielversprechenden Spielern eine Entwicklung zur Top-Adresse im europäischen Fußball möglich ist, bewies der FC Liverpool eindrucksvoll. In Liverpool ist schon immer genug Geld vorhanden, doch erst in den letzten Jahren mauserte sich der einstige Rekordmeister zu dem, was er heute ist. Wenn Liverpool heute einen Spieler verpflichten möchte, ist davon auszugehen, dass der Deal zustande kommen wird. Doch das war nicht immer der Fall.

Die aktuelle Mannschaft kommt gänzlich ohne Spieler aus, die zum Zeitpunkt ihrer Verpflichtung dem Weltklasseniveau zugeordnet wurden. Salah kam von der AS Rom, Firmino von der TSG Hoffenheim, van Dijk und Mane vom FC Southampton. All diese Spieler waren ohne Frage schon damals auf einem guten Niveau, aber erst in Liverpool stiegen sie zur absoluten Weltklasse auf. Der FC Liverpool trifft unter der Führung von Jürgen Klopp weitsichtige Transferentscheidungen. Deutlich wird diese Tatsache daran, dass der Verein im Sommer 2019 nur einen einzigen Spieler verpflichtete – einen 17-jährigen für 1,9 Mio. Euro.

Trotzdem führt der LFC die beste Liga der Welt mit unglaublichen 64 Punkten nach 22 Spielen an und wird schon jetzt (im Januar!) von den englischen Buchmachern zum Meister ernannt. Eine solche Entwicklung ist nur möglich, wenn eine klare Vision existiert und alle an einem Strang ziehen. Beim FC Bayern scheint momentan beides ein wenig zu fehlen. Sowohl Trainer als auch Sportdirektor stehen ständig in der Kritik. Es fehlt an Kontinuität.

Premier League Tabelle (Stand: 22.01.2020 16:52 Uhr)

Ein Sané macht keinen Sommer…

Hansi Flick ist der nächste Trainer, der die Chance bekommt, dem Verein seinen Stempel aufzudrücken. Um diese Aufgabe auszuführen, benötigt er aber mehr Zeit, als bis zum Sommer. Es müssen zukunftsfähige Transfers getätigt werden, um die eigenen Ansprüche und die tatsächlichen Leistungen wieder in Einklang zu bringen. Leroy Sané ist in diesem Zusammenhang nur die Spitze des Eisberges. Ein Spieler wird nicht die Probleme des gesamten Vereins lösen. Die Breite des Kaders entspricht momentan nicht internationalem Top-Niveau.

Vor allem auf den Flügeln und in der Verteidigung besteht Nachholbedarf. Doch die Verpflichtung von Spielern für die entsprechenden Positionen darf nicht nur ein Mittel zum Zweck sein. Es müssen Spieler verpflichtet werden, die das Potenzial haben, das Gesicht des Vereins über Jahre zu prägen. All das ist leichter gesagt als getan. Das Bewusstsein über diese Problematik haben die Verantwortlichen des FC Bayern definitiv, nur kommt es jetzt darauf an, die richtigen Taten folgen zu lassen. Weitere Leihtransfers im Sommer sind das nicht.

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Trainingslager im Winter – muss man wirklich in den Süden?

Zu Beginn des neuen Jahres ging es für viele Bundesligisten wieder ins Ausland. Der Trainingsauftakt fand im Warmen statt. Doch nicht bei allen.

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Die deutschen Fußballvereine sind privilegiert – zumindest, was die Winterpause angeht. Fast ein Monat lag zwischen dem letzten Spiel 2019 und dem ersten 2020. Gerade mit Blick auf die Premier League ist das enorm viel. Manchester United beispielsweise bestritt in dieser Zeit sieben Pflichtspiele. Auf der Insel ist die Zeit zwischen den Jahren die intensivste Zeit des Jahres.

Leipzig und Paderborn blieben zuhause

Die Bundesligisten dagegen haben Zeit sich zu erholen und auf die Rückrunde vorzubereiten. Doch bei den meisten Vereinen steht die Vorbereitung ganz klar im Fokus. Erholen konnten sich die Spieler über die Weihnachtstage und mit Beginn des neuen Jahres ging es dann für 16 von 18 Vereinen Richtung Süden ins Trainingslager. Nur Paderborn und Leipzig entschieden sich in diesem Winter gegen ein Trainingslager im Ausland.

Die Vorteile des Wintertrainingslagers in wärmeren Gefilden liegen auf der Hand. Bei angenehmen Temperaturen können sich die Spieler ideal auf die Rückrunde vorbereiten, anstatt in Deutschland auf dem Trainingsplatz zu frieren. Die meisten Vereine zieht es nach Spanien, wo milde Temperaturen zwischen 10 und 20 Grad herrschen. Außerdem flogen die Eintracht und die Hertha in die USA. Augsburg hielt sich in Malta auf und der VfL Wolfsburg in Portugal. Der FC Bayern flog trotz anhaltender Kritik erneut nach Katar, um die dortige Partnerschaft weiter zu forcieren.

Die beiden Ausnahmen aus Paderborn und Leipzig sind Wiederholungstäter. Auch im letzten Jahr blieben die Vereine über Winter zuhause und Julian Nagelsmann – damals noch bei der TSG Hoffenheim – verzichtete ebenfalls auf ein Trainingslager im Ausland. Doch was sind die Beweggründe der handelnden Personen freiwillig darauf zu verzichten, einige Tage aus dem trüben Deutschland zu entfliehen und sonnigeres Wetter zu genießen.

Viel Erholung statt viel Training

Julian Nagelsmann hat eine klare Meinung zu dem Thema. Ihm ist es wichtig, dass sich seine Spieler in der Winterpause angemessen erholen. Zu diesem Zweck verzichtet er sehr gerne auf die Verlockungen des Südens. Denn zu dem vielen Training, was im Trainingslager abgehalten wird, kommen noch die Reisestrapazen hinzu. Und für die Spieler ist es sicherlich nach dem Training am erholsamsten , in die eigenen vier Wände heimzukehren, anstatt aufs Hotelzimmer zu gehen.

Ich will den Jungs möglichst lange im Winter freigeben. Aufgrund der kurzen Pause geht es eher darum, sich zu erholen, anstatt zwei, drei Tage mehr zu trainieren.

Julian Nagelsmann

Vor allem mit Blick auf eines der Dauerthemen des professionellen Fußballs dieser Tage – die Überbelastung der Spieler – leuchten diese Argumente ein. Die Trainer beschweren sich bei jeder Gelegenheit, dass es zu viele Spiele gibt und ihre Spieler mehr Pausen benötigen. Doch zu der Zeit, in der eine Pause möglich wäre, entscheiden sie sich, ins Trainingslager zu fliegen.

Hinzukommt, dass die Mannschaften, die im letzten Jahr auf ein Trainingslager verzichteten, keine schlechteren Leistungen in der Rückrunde ablieferten, als die anderen. Hoffenheim holte einen Punkt mehr, als in der Hinrunde, Leipzig sogar fünf und Paderborn wurde Erster der Rückrundentabelle der zweiten Liga und landete auf einem direkten Aufstiegsplatz. Was spricht da überhaupt FÜR ein Trainingslager im Ausland?

Es ist definitiv teurer, als zuhause zu bleiben. Dem Klima tut man mit jedem Flug weniger einen Gefallen und das Wetter in Deutschland ist Anfang Januar in der Regel auch nicht unaushaltbar kalt. Zum Ende der Hinrunde und zu Beginn der Rückrunde trainieren die Mannschaften unter genau den gleichen Wetterbedingungen. Wer sich beim Training über das Wetter beschwert, sollte vielleicht überlegen, in ein anderes Land zu wechseln.

Trainingslager aus ganz anderen Gründen

Nun gibt es noch die nicht-sportlichen Aspekte, die für einen Aufenthalt im Ausland sprechen, wie in den Fällen der Hertha und der Eintracht. Die Frankfurter und die Berliner wollen ihre Präsenz in Übersee stärken. Dafür ist das jährliche Trainingslager perfekt geeignet. Dieses Jahr konnte man die Zeit in den USA sogar mit einem Testspiel gegeneinander abschließen. Dieses Spiel diente als Eröffnung des Florida Cups, an dem die Hessen im Vorjahr teilnahmen. So gelingt es auch weniger starken Marken, sich in den USA zu platzieren, ohne dass Dortmund oder Bayern ihnen die Show stehlen.

Apropos Bayern – der Rekordmeister hielt sich dieses Jahr erneut für einige Tage in Katar auf. Die Südkurve machte am letzten Hinrundenspieltag durch ein Banner deutlich, was sie davon hält. Wenig überraschend hält sie wenig davon. Die Kritik an der Menschensrechtssituation des Golfstaates ist seit Jahren groß. Auch Amnesty International prangert die Probleme immer wieder an, möchte aber nicht die wirtschaftlichen Entscheidungen eines Unternehmens, wie des FC Bayern in Frage stellen. Viel mehr ruft die Organisation den Verein dazu auf, zu einer Verbesserung der Situation beizutragen.

Diesen Aufruf nehmen die Verantwortlichen des FC Bayern ernst. Immer, wenn Kritik am Trainingslager aufkommt, lässt der Verein verlauten, dass sich die Lage im Land verbessert habe, seit der FC Bayern die Kooperation betreibt. Eine Verbesserung hat tatsächlich stattgefunden, nur der Zusammenhang zwischen Verbesserung und Engagement des FC Bayern ist reine Spekulation.

Für die meisten deutschen Vereine scheint das Wintertrainingslager im Süden, mittlerweile genauso zur Winterpause zu gehören, wie Weihnachten und Silvester. Doch vielleicht sollten sich die Verantwortlichen nochmal über die Vor- und Nachteile dieser Reise klar werden. Denn bei genauer Betrachtung ist ein Trainingslager im Warmen alles andere als unabdingbar.

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