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MLS in Verhandlungen für VAR Advertising

Das Werbepotential während eines Videobeweises ist schon länger bekannt und das Inventar wächst. Die MLS steht nun kurz davor, Pausen für den Videobeweis zu vermarkten.

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Der Videobeweis wird um eine weitere Kontroverse bereichtert. Seit der Einführung in verschiedensten Wettbewerben sorgt der VAR für mächtig viel Diskussionsstoff, oft genug auch für großen Unmut bei den Fans. Pragmatiker argumentieren, dass das System aber auch oft für mehr objektive Fairness sorgt – in der Theorie. De facto unterliegt der Videobeweis Entscheidungen von Schiedsrichterteams, die natürlich nicht unfehlbar sind. Das zeigt sich derzeit noch häufig. Auch in der Major League Soccer steht der VAR, der dort 2017 eingeführt wurde, immer wieder in der Kritik. Doch gerade die MLS soll zum Pionier werden, wenn es um die umstrittene Vermarktung des potentiellen Werbeinventars geht, das durch die Vielzahl an „Pausen“ mit Videobeweis geschaffen wird. Wirtschaftlich gesehen, ist das ein logischer Schritt. Für den Sport ist dieser aber nur ein weiterer hin zur Entertainisierung.

Das ungenutzte Inventar: Chance für Verbände und Advertiser

Sowohl das große Potential als auch die Problematik der VAR-Werbepause haben wir schon vergangene Woche thematisiert. Während immer mehr Videobeweis-Momente im Spiel dieses Stück für Stück verlangsamen, wächst quasi im Gleichschritt neues Werbeinventar heran. Dass Werbetreibende das für sich nutzen möchten, liegt bei dem ungebrochen immensen Interesse an Fußballübertragungen in der Natur der Sache. Und die FIFA denkt laut der Financial Times, sich knapp 100 Millionen US-Dollar zu sichern, indem Werbeplätze etwa bei der WM verkauft werden.

Doch nicht nur die FIFA könnte profitieren, sondern jeder Verband hinter den Profi-Ligen. Die nordamerikanische MLS ist laut dem Sports Business Journal bereits in fortgeschrittenen Verhandlungen bezüglich der VAR-Werbung. MLS-Vizepräsident und Marketingchef Carter Ladd bestätigte das gegenüber dem Publisher. Nach deren Informationen, kommt der Videobeweis derzeit in gut jedem dritten MLS-Spiel zum Einsatz. In der Saison 2018 kam der VAR nach Angaben von Sporttechie 125 Mal zum Einsatz.

Der MLS-Präsident und Deputy Commissioner Mark Abbott erklärt allerdings, dass durch den VAR-Einsatz nur wenig Disruption entsteht. Und das würden sicher nicht alle Fans unterschreiben. Dazu kommt, dass die Fairness des Systems ebenfalls noch in Zweifel gezogen wird. Interessant ist übrigens, dass die MLS keine Torlinientechnik hat. Der VAR ist auch hier zuständig.

Die einhellige Meinung von Fans, Spielern, Trainern und Co.: es muss schneller gehen und die Entscheidungen müssen stringent sein. Hier hat daS System Videobeweis überall noch Luft nach oben, die Vorteile, die es dennoch liefern kann, liegen jedoch auf der Hand.

Für die Marketer aber ist der aktuelle Status quo, nach dem ein Videobeweis auch schon einmal länger dauern kann, wertvoll. Denn sie möchten diese Zeit nutzen, um ihre Marke zu präsentieren.

There’s very, very few opportunities where a brand can become part of the fabric of the sport in a meaningful way. If there’s going to be some sort of product integration [with VAR], it’s got to be authentic. It’s got to be endemic,

erklärte Carter Ladd dem SBJ.

Wie könnte die VAR-Werbung aussehen?

Die wahrscheinlichste Variante eines Sponsorings von „VAR-Pausen“ ist wohl derzeit das Branding der Anzeigetafel, auf der die Prüfung angegeben wird. Hierauf werden die Augen aller Zuschauer gerichtet sein, wenn die Frage ist: Tor oder kein Tor. Denkbar ist laut Bericht in der MLS auch eine zusätzliche Sponsorennennung vonseiten der Kommentatoren. Möglich sind aber künftig wohl ebenso kurze Werbespots, die parallel zum Bild eingespielt werden, etwa 6-Sekünder, wie sie es in der NFL oder MLB gibt.

Gerade, wenn der VAR Check mal wieder länger dauert, scheint diese Option für viele Parteien vorteilhaft. Und in der MLS – genauso aber auch in anderen Ligen – dauern die Prüfungen mitunter mehrere Minuten.

Ein Beispiel für die VAR-Nutzung in der MLS zeigt dieser Check.

Hier ließen sich Ads integrieren, mit denen die Verbände und Sender oder Streamingdienste viel Geld verdienen könnten. Die Reichweite der ausgestrahlten Spiele ist enorm. Sogar eine Anpassung nach internationalen Zielgruppen wäre mit einem Blick auf die Zukunft denkbar; das ist bei LED-Bandensystemen auch schon möglich. Hier bleibt nun aber die Frage bestehen, wie sehr die Verantwortlichen darauf schauen, dass die Werbung möglichst gut in die Seherfahrung passt, wenn der Preis stimmt.

Wir könnten also schon bald in der MLS sehen, wie Werbung im Kontext des Videobeweises aussieht. Das ist nur passend, da die USA wie keine andere Nation und Kultur für die Entertainisierung des Sports stehen. Womöglich werden wir auch bei der kommenden WM in Katar, für deren Austragung dort es wohl auch einige monetäre Ursachen gibt, VAR Ad Breaks oder zumindest ein Sponosring der Prüfungen sehen. Das bedeutet mehr Einnahmeoptionen für Sender, Verbände und Co., neue Marketinkanäle für Marken und eine erneute Änderung der Experience von Zuschauern. Noch sind wir nicht soweit und bis dahin lässt sich der VAR auch für eigenen Werbe-Content instrumentalisieren, wie Paddy Power zeigt.

Das Thema der Vermarktung von neuem Inventar bei Fußballspielen wird mit mehr technischen Lösungen, die Zeit und Raum in Anspruch nehmen, nur an Relevanz gewinnen. Natürlich wollen die Fans alle Entscheidungen auf dem Platz verfolgen. Wenn diese Prüfungen aber gebrandet oder durch die ein oder andere Ad untermalt werden, dürfte das aber auch nicht weiter ins Gewicht fallen, so konsum- und marken-zentriert wie das Erlebnis Fußball inzwischen ist; oder?

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Liverpool vs. Man United oder: YouTube vs. Youku

Liverpool bietet als erstes Team überhaupt eine bezahlte YouTube-Mitgliedschaft für Fans, während Man United bei Alibabas Streamingdienst Youku einen eigenen Channel erhält.

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In der Premier League klafft zwischen dem Überfliegerteam und Champions-League-Sieger FC Liverpool und Rekordmeister Manchester United derzeit eine große Kluft. Die Reds sind auf dem besten Weg ihren ersten Meistertiel nach 30 Jahren einzufahren, während United noch von vergangenen Erfolgen zehrt.

Doch abseits des Platzes sind beide Clubs ähnliche Schwergewichte. Liverpool entwickelt auch dank des jüngsten Erfolgs und der Aura von Jürgen Klopp ein Brand Image, das sich auf vielen Ebenen bezahlt macht. Man United zählt seit jeher zu den größten Marken im Fußball. Nun haben beide Vereine im Kampf um die digitale Vorherrschaft Neuland betreten. Der FC Liverpool ist der erste Club, der bei YouTube eine kostenpflichtige Mitgliedschaft für Fans anbietet – und exklusive Inhalte verspricht. United expandiert mit dem eigenen Content zur gleichen Zeit in Asien und erhält auf Alibabas riesiger Videoplattform Youku einen eigenen Kanal.

Das Duell im Videobereich: Popularität in Social Media stärken

Liverpool und Manchester United sind die beiden erfolgreichsten englischen Vereine; und aufgrund der Popularität der Premier League auch weltweit extrem beliebt. Diesen Status wollen Vereine heutzutage digital festigen, indem den Social-Media-Nutzern, die immerzu neuen Content erwarten, möglichst viele Inhalte geliefert werden.

Gerade im Video-Bereich funktioniert das sehr gut. Bei YouTube finden Fans inzwischen oft schon wenige Stunden nach Abpfiff Highlight-Videos von Spielen aus der Premier League oder anderen Wettbewerben. Und die Vereine legen auf ihren eignen Channels mit diversen Clips nach.

Bei YouTube sind Man United und Liverpool sehr populär. United hatte als erster Premier-League-Verein einen eigenen Channel und inzwischen 2,3 Millionen Follower. Liverpool hingegen hat sogar schon knapp 3,5 Millionen Follower. Und ist laut SportsPro Media der Verein, der mit seinem Channel auf der Plattform am meisten Geld einnimmt: Über 660.000 US-Dollar pro Monat, wie eine Studie von Livefootballtickets.com aus dem Oktober zeigt. Zum Vergleich: Der FC Barcelona, der mit über acht Millionen YouTube-Followern besticht, soll demnach nur etwas mehr als 400.000 US-Dollar monatlich über YouTube generieren.

Um diesen Status der Popularität und Wirtschaftlichkeit bei einem der für den Fußball wichtigsten sozialen Medien aufrechtzuerhalten, geht der FC Liverpool nun ganz neue Wege.

Bezahlmodell der Reds auf YouTube

Wie der Verein jüngst bekanntgab, wird es für Fans bei YouTube eine Mitgliedschaft geben, die diesen exklusive Inhalte bereitstellt. Dabei sollen auf dem besonderen Bezahlkanal neue Features und Formate zu sehen sein, während die Fans zugleich Badges und Emojis des Vereins nutzen können, um bei YouTube ihre Liebe zu Verein auszudrücken. Wöchentliche Shows oder Live-Reaktionen zu den Spielen erwarten jene, die für den Content zu zahlen bereit sind.

Fans können entweder ein Basispaket für 99 Cent pro Monat erhalten oder für 2,99 Euro alle Inhalte sehen und nutzen.

Drew Crisp, Senior Vice President im Bereich Digital, Media und Marketing beim FC Liverpool erklärt:

YouTube is the biggest global online video community and is an incredibly important channel for us, as we find that a large percentage of our social followers interact with us here on this platform. We understand just how important content like this is to our supporters to help them relive their favourite moments and get closer to their team wherever they live in the world. With the YouTube Memberships launch, we are giving fans a more flexible opportunity to access premium content, while also helping us to serve them our award-winning videos on the platform they love.

Der FC Liverpool ist der erste Sportclub überhaupt, der diese Membership-Option bei YouTube für sich nutzt. Damit wird der Verein seine digitale Internationalisierungsstrategie stärken und ausbauen. In der Form, in der das Team von Jürgen Klopp ist, dürfte die Nachfrage nach den Inhalten weltweit weiterhin groß sein.

Zusätzlich zur Markenbildung wird sich der Verein aber auch ordentliche Zusatzeinnahmen erhoffen. Nach Angaben von YouTube erhalten die Creator bei Membership-Kanälen 70 Prozent der Einnahmen. Wenn der Club also nur gut zehn Prozent der Kanal-Follower (350.000) zur Mitgliedschaft bewegt, die im Schnitt dann bei knapp zwei Eurp pro Monat an Kosten liegt, würden 700.000 Euro pro Monat verdient, von denen dem Verein dann fast 500.000 Euro bleiben würden. Diese Einnahmen sind im Vergleich mit den hohen Spielergehältern kaum der Rede wert. Aber sie würden dafür sorgen, dass die Digitalstrategie weiter optimiert werden kann; was dann wiederum für die Markenbindung auf der ganzen Welt von Belang ist. Und die trägt bekanntlich auch zum Verkauf von Trikots, Tickets und Co. bei.

Man United setzt auf die Fans in Asien

Auch Liverpools Erzrivale Manchester United hat kürzlich Neuigkeiten zur eigenen Strategie im digitalen Videobereich bekanntgegeben. Der englische Rekordmeister hat eine exklusive Partnerschaft mit dem chinesischen Megaunternehmen Alibaba verkündet.

In Asien ist United schon seit vielen Jahren extrem populär. Publikumsliebling David Beckham, der in Japan und Südkorea bei der WM 2002 die Fans verzückte, dürfte seinen Teil dazu beigetragen haben. Verschiedene Touren nach Fernost und die starke Karriere von Park Ji-Sung, der als erster Asiat im Champions-League-Finale in der Startelf stand, haben ihr Übriges getan.

Der Bezug besonders zu China ist klar zu erkennen. Die Financial Times berichtete Anfang des Jahres, dass die Red Devils bis 2020 drei Experience Center in China eröffnen werden. Restaurants und Fanshops sollen Fans den Spieltag im Old Trafford nahebringen und die Geschichte des Clubs vermittel. Außerdem sollen sie Geld einnehmen. Zuletzt waren auch Gerüchte aufgekommen, dass das milliardenschwere chinesische Unternehmen Haier neuer Hauptsponsor bei Manchester United werden könnte; für eine Rekordsumme im United-Kontext. Allerdings dementierte das Unternehmen kürzlich – was auf lange Sicht nichts ausschließt. Uniteds Börsenkurs erlebte während der Berichte sogar ein ungeahntes Hoch.

Mit der Partnerschaft mit Alibaba versucht United die über 700 Millionen Kunden des Unternehmens in Asien zu erreichen. Teil des Deals ist ein exklusiver Zugriff für die Fans auf ausgewählte Live-Spiele, Highlights und extra für den asiatischen Markt produzierte Inhalte. Dazu wird es einen First-of-its-Kind-Kanal für Man United auf Youku, der Videoplattform der Alibaba Group mit 500 Millionen monatlich aktiven Nutzern, geben.

Spiele des ersten Teams werden dort On-Demand verfügbar sein, während die Partien der Jugendmannschaften und der Frauenmannschaft alle ausgestrahlt werden.

Auf Tmall, einem B2C-Marktplatz der Alibaba Group, wird zusätzlich ein United-Fanshop eingerichtet. Er soll als offizieller Shop für Man United-Merchandise in China fungieren. Manchester United Group Managing Director Richard Arnold sagt:

We’re proud of our passionate and loyal following around the world and our Chinese fans are a huge part of that. We are always looking for new ways to engage with fans there and this partnership with Alibaba enables them to connect with the club directly through one of China’s most popular video streaming platforms. We’re looking forward to working with Alibaba to further grow our fan base in China and building on other areas of the partnership in the near future.

Gelingt es United, in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt das eigene Profil zu stärken und weitere – zahlende – Fans zu gewinnen, sollten die Einnahmen, die sich aus Verkäufen und Abos über die Plattformen von Alibaba ergeben, schnell in die Millionen gehen. Das ist wirtschaftlich ein guter Schachzug; in diesem Bereich ist United seit Jahrzehnten extrem stark.

Allerdings ist der Faktor der Markenbindung ebenso wichtig, da der Club seit Jahren dem eigenen Anspruch hinterherläuft. Hier wird der große Unterschied zum FC Liverpool deutlich. Der Club hat aufgrund seines aktuellen Erfolgs in Sachen Trikotverkäufe den Rivalen aus Manchester abgehängt, ist bei YouTube populärer und kann vielmehr diesen unmittelbaren Erfolg vermarkten als die glorreichen letzten Jahre. Doch beides funktioniert.

Und mit Plattformen wie Youku oder YouTube, die Abo-Modelle anbieten, können Vereine ihre Popularität mit entsprechenden digitalen Content-Angeboten künftig monetarisieren und zur Fan-Bindung nutzen. Es geht um Geld; und es geht um Views. Denn die Sichtbarkeit im Digitalraum ist schließlich für potentielle neue Partner extrem relevant. Nike zum Beispiel, der kommende neue Ausrüster des FC Liverpool, soll dem Verein kolportierte 80 Millionen Euro pro Saison zahlen. Und die Gerüchte um Haier hatten eine ähnliche Summe für ein Sponsoring der Red Devils in den Raum gestellt. Es geht also um mehr als den Klick eines Fans bei YouTube oder Youku. Aber in der Summe sind all diese Klicks und das Engagement in Social Media so viel mehr wert.

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Allgemein

Hoffenheim unterstützt Afrika – neue Lifestyle-Marke umoja geht an den Start

Kleidung gemacht in Uganda, erdacht in Hoffenheim. Diesem Motto folgt die TSG ab sofort mit der neuen Marke umoja, die das ostafrikanische Land unterstützt.

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Wenn ein Fußballbundesligist neue Kleidungsstücke vorstellt, handelt es sich zumeist um die Trikots der kommenden Saison oder die neuesten Merchandise-Produkte. Eine eigene Modemarke, wie sie die TSG 1899 Hoffenheim nun vorgestellt hat, ist dagegen eher ungewöhnlich. Die neue Marke trägt den Namen umoja (gesprochen umodscha) und beinhaltet Freizeitkleidung für jedermann. Das Ganze ist aber keine stumpfe Werbekampagne, sondern ein ernst gemeintes Zukunftsprojekt.

Hoffenheim ist schon länger in Afrika engagiert

Umoja ist Teil der Hoffenheimer Initiative TSG in Bewegung. In Dieser hat der Verein seine Zukunftspläne definiert und fünf zentrale Handlungsfelder festgelegt: Innovationen, Mitarbeiter und Spieler, Jugend und Fans, Ökologie, Afrika. Dieses letzte Handlungsfeld Afrika ist das entscheidende bei der Entstehung von umoja. Schon in der Vergangenheit engagierte sich der Verein auf dem am schnellsten wachsenden Kontinent der Erde. Unter anderem brachte man Jugendlichen in Namibia die Themen Bildung, Ernährung und Klimawandel näher und bildete die dortigen Lehrer fort.

Die Arbeit, die die TSG in Afrika leistet, geschieht in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Bereits vor mehr als einem Jahr unterzeichneten der zuständige Entwicklungsminister Müller und TSG Geschäftsführer Görlich einen entsprechenden Kooperationsvertrag. Jetzt geht die Kooperation also in die nächste Runde.

Aus Uganda für Uganda

Mit Umoja wird nämlich eine Marke ins Leben gerufen, die den Wirtschaftsstandort Afrika – genauer gesagt Uganda – stärken soll. Einige Mitarbeiter der TSG reisten in das ostafrikanische Land, um sich ein Bild von den dortigen Verhältnissen zu machen. Dabei fiel ihnen auf, dass in Uganda fast ausschließlich Second-Hand-Artikel aus Amerika und Europa und Billigware aus Asien verkauft werden. Unter diesen Umständen, ist ein Wachstum der lokalen Textilindustrie nicht möglich, weshalb der Großteil der aus Uganda stammenden Baumwolle exportiert wird und somit nur eine geringe Wertschöpfung stattfindet.

Um den Menschen in Uganda, die mit durchschnittlich knapp 15 Jahren die jüngsten der Welt sind, eine bessere Zukunftsperspektive zu bieten, lässt Hoffenheim die Kleidungsstücke von umoja zu 100% in Uganda produzieren. Von der Baumwolle bis zum fertigen Pullover findet jeder Arbeitsschritt vor Ort statt. Dadurch werden Arbeitsplätze geschaffen und lokale Betriebe unterstützt.

Doch es werden nur bestimmte Bauern mit der Bereitstellung der Baumwolle beauftragt. Nämlich nur Kleinbauern, die über wenig Land verfügen und ihre Felder nicht künstlich bewässern. Außerdem wurde eine Firma aus der Hauptstadt Kampala mit der weiteren Bearbeitung der Wolle betraut. In diesem Unternehmen finden alle weiteren Arbeitsschritte statt, bis zum fertigen Produkt. Auch hier wird darauf geachtet, dass die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung verhältnismäßig gut sind.

Hinzukommt, dass der Verein 10% der Bruttoerlöse von umoja als weitere Unterstützung nach Uganda zurückgibt. Dadurch werden Projekte finanziert, die den Menschen ein besseres Leben ermöglichen. Erst kürzlich finanzierte die TSG mit knapp 5.000 Dollar den Ausbau einer Wasserleitung, die die Schüler einer kleinen Schule im Baumwollanbaugebiet auch in der Trockenzeit mit Wasser versorgt.

Gemeinsam in die Zukunft

Umoja besteht bisher aus einer Kollektion mit T-Shirts, Longsleeves und Hoodies für Frauen, Männer und Kinder. Die Designs der einzelnen Stücke orientieren sich an afrikanischen Mustern und es sollen in Zukunft noch weitere Kollektionen folgen. Die TSG möchte durch umoja nicht ihr Kerngeschäft in die Modebranche verlagern. Viel mehr trägt der Verein zur Stärkung eines Landes bei, das zweifelsohne über jede Menge Potenzial verfügt. Auch der Name der Marke zeigt schon, was der Verein erreichen möchte. Umoja ist Suaheli und bedeutet „Einheit“.

Hoffenheim möchte mit den Menschen in Uganda zusammenarbeiten, um eine bessere Zukunft zu erreichen. Dabei achtet der Verein auch darauf, dass der ökologische Aspekt nicht außer acht gelassen wird. Durch die Produktion der Kleidungsstücke an möglichst wenigen Standorten werden lange Transportwege vermieden. Ein Zukunftsorientiertes Projekt, dass momentan zurecht einige Aufmerksamkeit bekommt. Am Ende werden wahrscheinlich alle Beteiligten von umoja profitieren.

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Data & Tech

Nach Hoeneß Abgang – FC Bayern bald im eSport?

Der größte Fußballverein Deutschlands streubte sich lange Zeit, die Potenziale des eSport zu erkennen. Doch nun scheint eine neue Zeit angebrochen zu sein.

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Unter der Führung von Uli Hoeneß hatte der FC Bayern eine ganz klare Haltung, was das Mitmischen im eSport angeht. Eine eSport Mannschaft seines Vereins kam für den 67-jährigen überhaupt nicht in Frage. Für ihn ist eSport kein richtiger Sport und die junge Generation sollte ihre Zeit nicht vor den Bildschirmen verschwenden, sondern lieber draußen spielen. Das ist sicherlich keine ungewöhnliche Haltung für einen Mann seines Alters, aber für den Boss eines Fußballbundesligisten ist es doch sehr kurz gedacht.

Das macht sich allein daran bemerkbar, dass der FC Bayern momentan einer von nur fünf Bundesligisten ist, der keine eSport-Sparte betreibt. In Freiburg, Düsseldorf, Hoffenheim und Dortmund hält man sich ebenfalls zurück, was dieses Thema betrifft. Nur sollte eigentlich allen Verantwortlichen dieser Vereine das Potenzial des eSports bewusst sein. Keine andere Sportart auf der Welt hat einen derart rasanten Aufstieg genommen. Während es normalerweise Jahrzehnte dauert, bis eine Sportart in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, hat der eSport nur wenige Jahre gebraucht, um unzählige Menschen überall auf der Welt zu begeistern.

Sport oder kein Sport? Das ist hier nicht die Frage.

Dabei ist es völlig irrelevant, ob Herr Hoeneß oder der Deutsche Olympische Sportbund oder wer auch immer eSport nicht als richtigen Sport anerkennt. Worauf es ankommt, sind die Zuschauer und die gibt es zuhauf. Viele Zuschauer bedeuten, dass eine Menge Geld im Spiel ist. Was wiederum dazu führt, dass möglichst viele etwas von diesem Geld abhaben möchten. Doch der FC Bayern wollte dies bisher, aus welchen Gründen auch immer, nicht. Nun hat sich jedoch eine entscheidende Komponente verändert: Uli Hoeneß ist nicht mehr Präsident des FC Bayern.

Hoeneß und Rummenigge blicken beim Thema eSport in unterschiedliche Richtungen.

Es scheint so, als hätten einige Verantwortliche der Münchener nur auf den Abgang von Hoeneß gewartet, um dann zukunftsfähige Planungen voranzutreiben, die dem eigenwilligen Präsidenten nicht gefallen hätten. Nun, nicht einmal drei Wochen nach der Ära-Hoeneß, hat Karl-Heinz Rummenigge erstmals bestätigt, sich intensiv mit dem Thema eSport auseinanderzusetzen.

PES statt FIFA

Interessanterweise strebt der Verein ein Engagement im Spiel Pro Evolution Soccer an. Dieses steht seit jeher im Schatten der großen Fußballsimulation FIFA. Auch im eSport hat FIFA aktuell klar die Nase vorn. Dabei werden momentan im Fußballbereich des eSport Weltmeisterschaften und auch einzelne Ligen, wie die eSport Liga der DFL, in FIFA ausgetragen. Doch die Entscheidung für PES und gegen FIFA hat einen einfachen Grund.

Den FC Bayern verbindet eine enge Partnerschaft mit dem Spiel von Konami. In diesem Jahr ist die Allianz Arena sogar erstmals exklusiv in PES enthalten und nicht mehr in FIFA. Die Partnerschaft soll durch den Einstieg in den eSport intensiviert werden. Wenngleich dabei definitiv das Potenzial, das von einem Einstieg in FIFA ausgeht, missachtet wird.

Fußball ist nur die Spitze des Eisbergs

Andere Vereine wie der FC Schalke sind schon lange einen Schritt weiter. Für Schalke endet der eSport nicht mit Fußballsimulationen. Der Verein kaufte sich auch einen Startplatz in der europäischen Top-Liga von League of Legends. Das MOBA-Game ist eines der erfolgreichsten eSport-Spiele überhaupt. Deshalb ist ein Einstieg in ein derartiges Spiel nur die logische Konsequenz, wenn man wirklich im eSport mitmischen möchte.

Der Einstieg des FC Bayern in dieses Feld lässt wahrscheinlich noch etwas auf sich warten. Aber durch den Vorstoß in Pro Evolution Soccer ist ein erster Schritt getan. Der Branchenprimus der Bundesliga scheint offener für innovative Ideen zu sein, seitdem ein alter, weißer Mann weniger an der Spitze ist. Uli Hoeneß hat den FC Bayern zu dem gemacht, was er heute ist, sein Rückzug ist zum jetzigen Zeitpunkt ein wichtiger Schritt für den Verein.

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Allgemein

Zlatan Meets Hammarby IF – Boost für Schwedens Nummer 3?

Zlatan Ibrahimović wird überraschend Miteigentürmer des Stockholmer Clubs Hammarby IF. Taucht der Hauptstadtclub jetzt deutlich prominenter auf Europas Fußballlandkarte auf?

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Denken Fußball-Fans an Zlatan Ibrahimović, kommen ihnen sicher viele Assoziationen: Ein Fallrückzieher-Tor für die Ewigkeit gegen England, Meisterschaften in Italien mit Juve, Inter und dem AC Mailand, eine Fehde mit Guardiola, ein zweiter Frühling bei Man United, und eine Blockbuster-Karriere bei LA Galaxy. Seine charakteristische Arroganz zeigte Zlatan auch bei seinen Abschiedsworten an die Galaxy-Fans, nachdem er zuletzt seinen Abgang verkündet hatte: „Now go back to watch baseball“.

Noch ist unklar, wohin es den selbsternannten (Fußball-)Gott mit seinen 38 Jahren nun zieht. AC Mailand ist ein Kandidat; viele Fans in der Heimat dürften sich eine Rückkehr zum Heimatclub Malmö FF sehnlichst wünschen. Immerhin wurde in der Hafenstadt erst im Herbst eine drei Meter große Zlatan-Statue enthüllt.

Während das Rätselraten um seine nächste Station als Spieler weitergeht, hat sich Zlatan allerdings bei einem schwedischen Club als Miteigentümer eingekauft. Nicht bei Malmö, sondern bei Hammarby IF aus Stockholm.

Zlatan als Teil von Hammarby IF: Wut in Malmö, Hoffnung in Stockholm

Ibrahimović hat 50 Prozent des Sportunterhaltungsunternehmens Anschutz Entertainment Group (AEG) gekauft, wie der Verein Hammarby IF auf der eigenen Website angab. Damit übernimmt der schwedische Superstar gleichzeitig fast 25 Prozent der Anteile am Verein, da der AEG 45 Prozent des Clubs gehören. So wird Ibrahimović offiziell zum Partner des Vereins.

Die ersten starken Reaktionen erreichen die Welt jedoch nicht nur aus Stockholm, sondern vor allem aus Malmö. Dort hatten Vandalen die Zlatan-Statue verhängt, mit einer Klobrille belegt, rassistisch bekritzelt und sogar anzuzünden versucht, wie der Tagesspiegel berichtet. Sogar das Wort „Judas“ wurde an die Tür von Ibrahimovićs Stockholmer Wohnsitz gesprüht. Der Fußball-Star hat inzwischen Anzeige erstattet.

Während die Malmö-Fans frustriert sind und sich fragen dürften, warum ihr Idol sich an einem anderen schwedischen Club beteiligt, hegt dieser, Hammarby IF, große Hoffnungen für die Zukunft.

Richard von Yxkull,Vorsitzende des Vereins, erklärt:

This is still very new to us, but of course it feels exciting. This is a well timed deal, since we’ve had a strong development over the last few years and next year we will play Europa League. So to get a person like Zlatan Ibrahimović involved in our club, with his winning mentality feels perfect. It is too early to go into detail concerning what Zlatan’s contribution to Hammarby will look like, but of course we see great potential in his partnership.

Warum Hammarby?

Diese Frage dürften sich viele Malmö-Fans, aber auch andere Fußball-Interessierte nach der Meldung gestellt haben. Eine Antwort mag darin liegen, dass Zlatans letzter Club, LA Galaxy, seit 1998 der AEG gehört. Ein Business-Kontakt könnte also in diesem Zusammenhang unmittelbar zustande gekommen sein. Der Galaxy-Präsident und frühere US-Nationalspieler Chris Klein sitzt schließlich ebenfalls im Aufsichtsrat bei Hammarby IF.

Zlatan selbst gab zu seinem Engagement bekannt:

Hammarby is a fantastic club with passionate supporters and is well respected in both Stockholm and Sweden. I have always liked the club and its fans, and I’m also impressed with the club’s achievements over the last years, both on and off the pitch. To be part of and to assist Hammarby in its progress feels both fun and exciting.

Das dürfte Malmö-Fans schmerzen; vor allem, da der Stockholmer Verein vergangene Saison punktgleich mit dem Rekordmeister auf Platz drei landete. Beide verpassten die Meisterschaft nur knapp. Vielleicht fürchten die Malmö-Anhänger nun, dass Hammarby IF sportlich und als Marke einen weiteren Schritt machen kann – und Zlatans Jugendclub damit ins Hintertreffen gerät.

Steht Hammarby IF vor einer großen Zukunft?

Die Erfolge, die Ibrahimović in Bezug auf Hammarby IF anspricht, sind keine großen Siege. Die jüngste und einzige Meisterschaft feierte der Club 2001. Doch in den vergangenen Spielzeiten stellte man mit einer durchschnittlichen Zuschauerzahl von über 20.000 die Bestmarke in ganz Skandinavien. Davon berichtete Den nordiska publikan schon 2016.

Den nordiska publikligan 2016
Hammarby IF ist die Nummer eins der bestbesuchten Clubs in Skandinavien (2016), © ects.se

Auch 2018 war die Zahl die stärkste in Schweden. Und das, obwohl in der Tele2 Arena 32.000 Menschen Platz finden, in AIK Solnas Friends Arena aber sogar mehr als 54.000. Malmö FF hingegen hatte im Jahr 2018 einen Zuschauerschnitt von knapp 15.000, so Transfermarkt.

Der Fußball unter Trainer Stefan Billborn lockt also schon jetzt viele Stockholmer und andere Fußball-Fans ins Stadion. Vielleicht werden es in Zukunft noch mehr. Einmal, weil der Verein erstmals seit über zehn Jahren wieder international spielt. Aber auch, weil er durch Zlatans Beteiligung ebenso international wahrgenommen wird. Das kann der Marke Hammarby IF nur zuträglich sein. Vor einigen Jahren brachte Fußballmedienunternehmen Cop90 eine Kurzdoku auf YouTube heraus, die die besondere Fankultur bei Hammarby IF beleuchtet.

Heute gehen die Dauerkarten für die nächste Saison bereits im Rekordtempo weg, berichtet der Verein.

Vielleicht kann Zlatans Engagement – worin es genau bestehen wird, ist noch unklar – schon durch die Ankündigung Auftrieb geben. Für den einen oder anderen skandinavischen Spieler könnte es ein Anreiz sein, in Zlatans Club zu spielen. Kann Hammarby sich das zunutze machen und nächstes Jahr angreifen, um die Allsvenskan erneut zu gewinnen? Möglich wäre es. Für den Nachwuchs ist übrigens auch gesorgt. Denn Hammarby IF mag den meisten Europäern unbekannt sein, ist aber als Sportorganisation riesig; über 3.000 Spieler und Spielerinnen aller Altersklassen gehörten schon 2018 zum Verein.

Und wer weiß, vielleicht wird auch der große Zlatan künftig noch für die Stockholmer in Grün und Weiß antreten. Dann wäre die Hauptstadt verzückt, die Marke Hammarby IF plötzlich ein wichtiger Punkt auf Europas Fußballlandkarte – und Malmö FF richtig sauer. Aber wenn es einer machen kann, dann Zlatan Ibrahimović; der ist schon immer seinen eigenen, oft krassen Weg gegangen. „Jag har väntat så länge på just den här dan – Ich habe so lange auf diese Sache gewartet“, heißt es in der Hymne von Hammarby IF. Zlatan könnte eine Antwort darauf sein.

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Buddhas in Berlin – Jürgen Klinsmann neuer Trainer bei Hertha BSC

Beim FC Bayern sorgte Klinsmann vor allem für aufsehen, weil er angeblich Buddha Statuen aufstellen ließ. Mit Hertha möchte er durch Erfolge überzeugen.

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Vor der Saison waren die Verheißung groß in der Hauptstadt. Hertha BSC hatte mit Union nicht nur endlich wieder einen Stadtrivalen im Oberhaus, es kaufte sich außerdem ein neuer Investor in den Verein ein. Lars Windhorst übernahm mit seiner Tennor Holding 49,9% der Anteile der alten Dame. Windhorst versprach, in Zukunft Geld zur Verfügung zu stellen, das für namenhafte Transfers verwendet werden sollte. Dieser Ankündigung folgten im Sommer Taten. Die Hertha kaufte mit Dodi Lukébakio einen der Shootingsstars der Vorsaison für rund 20 Millionen Euro vom FC Watford. Außerdem lieh man Marius Wolf vom BVB aus und vereinbarte eine mögliche Kaufoption über die gleiche Summe.

Die Erwartungen waren dementsprechend hoch und man scheute sich auch nicht davor, diese zu formulieren. In Zukunft sollte die Hertha um die europäischen Plätze mitspielen. Dass dies direkt in der ersten Saison klappt, war sicherlich nicht fest eingeplant, aber man hatte zumindest mit einer Verbesserung gerechnet und diese wurde nicht nur in der Tabelle angestrebt. Die Zukunftspläne des Hauptstadtklubs sahen auch vor, dass Erfolge durch schönen offensiv Fußball erreicht werden. Eine Neuerfindung des Vereins also.

Neue Hertha, neuer Trainer

Der langjährige Trainer Pál Dárdai und der Verein beendeten in diesem Zuge die Zusammenarbeit. Dárdai bezeichnete sich selbst schon im vorigen Sommer als müde und einigte sich mit den Verantwortlichen darauf, sein Amt zum Saisonende niederzulegen. Ein Nachfolger wurde in den eigenen Reihen gefunden. Ante Čović, bis dahin Trainer der zweiten Mannschaft, übernahm das Profiteam zur neuen Saison. Mit ihm sollte sich der Verein vom Sicherheitsfußball verabschieden. Unter Dárdai hatte man sich in der ersten Liga etabliert und im Tabellenmittelfeld stabilisiert. Zweimal reichte es sogar für die Euro League Qualifikation. Doch zuletzt stagnierte die Entwicklung ein wenig. Eines hatte man unter der Regie des Ungarn in Berlin jedoch höchst selten: Abstiegsangst.

Ex-Coach Dárdai kehrt nach einem Sabbatjahr zurück zur Hertha und arbeitet in der Jugendakademie.

Nun wurde das Kapitel Ante Čović bei Hertha BSC nach gerade einmal 12 Spieltagen schon wieder geschlossen. In einem zwischenzeitlichen Hoch vom 5. bis zum 8. Spieltag holten die Berliner zwar zehn von 12 möglichen Punkten, aber am Ende des Tages waren sieben Niederlagen nach 12 Spielen zu viel. Offensiv war ansatzweise zu erkennen, warum Ante Čović für die ambitionierten Aufgaben auserkoren wurde, doch war von der eigentlichen Stärke der Hertha, ihrer defensiven Stabilität, nichts mehr zu spüren. Die frühe Entlassung zeugt trotzdem von einer Ungeduld, wie sie im Profifußball häufig zu finden ist.

Verglichen mit den Ligakonkurrenten aus Bremen und Düsseldorf steht die Hertha nicht übermäßig schlecht da. Man ist punktgleich und hat ein sehr ähnliches Torverhältnis. Doch in Bremen und Düsseldorf halten die Verantwortlichen die Füße still und auch die Medien lassen die Trainer weitestgehend in Ruhe. Düsseldorf hat natürlich einen gänzlich anderen Anspruch als die Hertha und niemand stellt dort Friedhelm Funkels Fähigkeiten in Frage. Und auch Kohfeldt hat für die Bremer schon einiges geleistet und genießt ein hohes Ansehen, aber den eigenen Ansprüchen hinkt man dort ebenfalls weit hinterher. Doch den Trainer deshalb gleich zu entlassen, kommt an der Weser nicht in Frage. In Berlin hingegen scheint man derzeit nicht bereit, jungen, unerfahrenen Trainern die nötige Zeit zu geben, um sich zu beweisen.

Große Namen in der Hauptstadt

Nun soll es also einer richten, der reichlich Erfahrung mitbringt. Jürgen Klinsmann, erst kürzlich in den Aufsichtsrat der Hertha berufen, übernimmt mindestens bis zum Saisonende und der ehemalige Nationaltrainer kommt nicht allein. Er bringt einige bekannte Namen in seinem Trainerteam mit. Neuer Co-Trainer ist der ehemalige Werder Coach Alexander Nouri und Torwarttrainer wird Andreas Köpke, der lange Jahre die Torhüter der Nationalmannschaft trainierte.

Das kurzfristige Ziel für den Wahl-Amerikaner ist klar: die Hertha aus dem Tabellenkeller führen. Ob es noch in diesem Jahr zu höheren Gefühlen reichen könnte, bleibt abzuwarten. Doch was passiert in Berlin, wenn es auch unter Klinsmann nicht besser läuft? Sollte dieser Fall tatsächlich eintreten, liegt der Vergleich zu einem anderen Fußballverein, dessen Wappen ebenfalls die Farben blau und weiß enthält, sehr nahe.

Hertha bekommt einen neuen Investor, der Geld in den Verein pumpt, um teure Transfers zu ermöglichen. Ein neuer Trainer wird installiert, um die Spielphilosophie zu revolutionieren und den Verein nach Europa zu führen. Nach wenigen Monaten wird dem neuen Trainer das Vertrauen wieder entzogen und man übergibt die Verantwortung an einen großen Namen im Fußballgeschäft, der in der Bundesliga als Trainer bisher wenig erreicht hat. Das alles geschieht auf der Grundlage von sechs einigermaßen erfolgreichen Bundesligasaisons, in denen in den letzten viereinhalb Jahren Pál Dárdai ,ein Hertha-Urgestein, den Verein souverän als Trainer geführt hat. Man hat sich also bewusst abgewandt, von kontinuierlicher Sicherheit und sucht nun den schnellen Erfolg, ohne dabei Rückschläge einzuplanen.

Der HSV als Mahnmal

Man sollte eigentlich denken, die Verantwortlichen hätten in den letzten Jahren den Werdegang des HSV aufmerksam verfolgt. Dieser war ein denkbar schlechtes Vorbild, was unüberlegte Entscheidungen und schnelle Trainerentlassungen angeht. Auch beim HSV steht ein Investor im Hintergrund, der es dem Verein immer wieder ermöglicht, teure Transfers zu tätigen. Doch die Mannschaft bleibt Jahr für Jahr hinter den Erwartungen zurück und endete letztendlich in der Zweitklassigkeit. Aufgrund der individuellen Klasse hätte der Verein eigentlich nie, etwas mit dem Abstieg zu tun haben dürfen. Doch kein Trainer bekam die nötige Ruhe, Zeit und Rückendeckung, um seine Ideen zu verwirklichen.

Es ist noch zu früh, um bei der Hertha von einer annähernd vergleichbaren Situation zu sprechen. Nur sei den Verantwortlichen dringend empfohlen, die eigenen Ansprüche etwas zu minimieren und dadurch den Trainern und Spielern, den Druck zu nehmen. Als langfristiges Ziel die europäischen Plätze auszugeben, ist überhaupt kein Problem. Jedoch sollte allen Beteiligten bewusst sein, dass ein langfristiges Ziel nicht innerhalb einer Saison erreicht werden muss. Ein neuer Trainer benötigt Zeit, um der Mannschaft seine Ideen zu vermitteln. Nicht überall beginnen Amtsperioden derart rosig, wie momentan in Gladbach.

Düsseldorf und Friedhelm Funkel standen letzte Saison als Aufsteiger nach 14 Spielen mit nur neun Punkten auf dem letzten Tabellenplatz. Niemand hätte erwartet, dass sich der Verein derartig in der ersten Liga etablieren würde. Doch der Trainer konnte in Ruhe weiterarbeiten und brauchte sich nicht nach jeder Niederlage davor fürchten, seinen Job zu verlieren. Ähnlich sieht es beim SC Freiburg aus. Christian Streich ist dort über jeden Zweifel erhaben und ihm ist es sogar erlaubt, mit dem Verein abzusteigen. Nur in einer solchen Atmosphäre sind Leistungen, wie sie der Sportclub momentan darbietet, möglich.

In den Trainer vertrauen

Die Devise sollte also lauten: Ruhe bewahren und Vertrauen haben. Wer einen Trainer einstellt, tut dies nicht, weil er ihn gerne nach zwei Monaten wieder entlassen möchte. Jeder Trainer und jeder Verein hat eine Vision und, um diese gemeinsam zu erreichen, ist es nötig, ineinander zu vertrauen. Jürgen Klinsmann wird dieses Vertrauen zunächst einmal genießen. Wie sich das Verhältnis zum Trainer entwickelt, sollten die gewünschten Ergebnisse ausbleiben, muss er hoffentlich niemals erfahren.

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Allgemein

Club Internacional de Fútbol Miami – Beckhams lange geplanter Traum

David Beckham hat in seiner Karriere so ziemlich alles erreicht und bei den größten Vereinen Europas gespielt. Nun beginnt für den Briten ein neues Kapitel.

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Ein neues Franchise wird ab Februar 2020 in der MLS an den Start gehen. Der 26. Verein der nordamerikanischen Major League Soccer heißt Inter Miami CF und ist beheimatet in der gleichnamigen Millionenstadt im Staate Florida. Der Grund, warum gerade diesem neuen Franchise so viel Aufmerksamkeit entgegengebracht wird, liegt auf der Hand: David Beckham ist Miteigentümer und Präsident.

Beckham zu LA – kein normaler Transfer

Dass der englische Fußballstar einen Fußballverein in der MLS anführt, kommt dabei wenig überraschend. Genauer gesagt ist dieses Vorhaben schon seit 2007 in Planung – also seit mehr als 12 Jahren. Damals sorgte Beckham mit seinem Wechsel zu LA Galaxy für Schlagzeilen. Der damals 32-jährige wurde zum großen Aushängeschild der MLS und für ihn wurde sogar eine neue Regel eingeführt. Seit Beckham in den USA spielt, ist es den Vereinen erlaubt, bis zu drei Spieler auf ihrer Gehaltsliste zu haben, die über die eigentliche Gehaltsdeckelung der Liga hinausgehen. Diese Disignated Player Rule ist auch unter dem Namen Beckham Rule bekannt.

Neben seinem Gehalt von insgesamt 6,5 Millionen Dollar pro Jahr ließ sich Beckham damals eine interessante Klausel in den Vertrag schreiben. Diese Klausel erlaubte es ihm, nach seiner aktiven Zeit in der MLS, ein MLS Expansion Franchise für 25 Millionen Dollar zu kaufen. Die einzigen Einschränkungen bestanden darin, dass das Franchise nicht in New York sitzen durfte und dass Beckham die Option bis zum 31.12.2013 ziehen musste.

Im Februar 2014 gab er auf einer Pressekonferenz bekannt, dass er die Option gezogen hat. Es gab zwar noch keinen Namen und keine richtigen Investoren, aber schon damals stand fest: Beckham würde Besitzer eines Vereins in der MLS sein. Doch wann und wie genau das alles ablaufen würde, stand noch in den Sternen. Es sollte weitere vier Jahre dauern, bis die Sache richtig Fahrt aufnahm.

Im Januar 2018 gab die Major League Soccer offiziell bekannt, dass David Beckham und einige weitere Eigentümer ab 2020 mit einem Verein aus Miami an der MLS teilnehmen werden. Das war der Startschuss für die eigentliche Entstehung von Inter Miami. Von da an begannen die Verantwortlichen, den Verein nach ihren Vorstellungen zu entwerfen. Bei ihren Überlegungen versuchten sie dabei stets darauf zu achten, Miami und seine Einwohner möglichst gut wiederzuspiegeln.

La gente de Miami

Deutlich wird dieser Bezug auf die Stadt schon im Namen und im Wappen des neuen Vereins. Der Name hört sich erstmal nicht nach einem englischsprachigen Fußballverein an und das hat auch einen guten Grund: Ungefähr 70%, der in Miami lebenden Menschen haben einen hispanischen Hintergrund. Bei einer Stadt mit 2,5 Millionen Einwohnern macht das ca. 1,75 Millionen Menschen. In Miami ist Spanisch keine Minderheitensprache, die nur von den Tellerwäschern und Kellnern gesprochen wird. Hier ist Spanisch quasi Amtssprache.

Das Wappen von Inter Miami zeigt zwei Flamingos auf schwarzem Grund. Diese Vögel sind so etwas wie die Nationaltiere der Stadt und, dass sie von Natur aus pink sind, passt perfekt ins Konzept. Das Motto des Vereins lautet Libertad. Unidad. Fortuna. (Freiheit. Gleichheit. Glück.) und die Farbe pink steht wie kaum eine andere für Toleranz und Offenheit. Ebenso steht die gesamte Stadt Miami für diese Werte und der neue Verein möchte dies auch tun.

Der Versuch der Verantwortlichen vorrangig die aus Südamerika stammende Bevölkerung der Stadt anzusprechen, ist nicht nur aufgrund der hohen Anzahl logisch. Dazu kommt noch, dass in nahezu jedem südamerikanischen Land Fußball die beliebteste Sportart ist. Südamerikaner lieben Fußball und deshalb wird ein Verein in Miami bitter benötigt. Die Fokussierung auf diese Menschen wird nicht nur im Namen und im Motto des Vereins deutlich, sondern auch in der Transferpolitik.

Die ersten beiden Spieler, die überhaupt in der Vereinsgeschichte verpflichtet wurden, waren zwei 19-jährige Argentinier, die zunächst wieder an ihre argentinischen Klubs zurück verliehen wurden, da Miami noch nicht in den Spielbetrieb eingestiegen ist. Außerdem kursieren im Vereinsumfeld unzählige Namen von in die Jahre gekommenen südamerikanischen Fußballstars, die zur Zeit in Europa ihr Geld verdienen.

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Julián Carranza. Welcome to #LaFamilia

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Vor der Rente in die MLS

Während eine Verpflichtung von Lionel Messi zum jetzigen Zeitpunkt eher utopisch erscheint, gibt es auch Gerüchte über ein paar Spieler, deren Wechsel gar nicht so weit hergeholt wäre. An vorderste Stelle werden meistens der Uruguayer Edinson Cavani und der Spanier David Silva genannt. Cavani, der Rekordtorschütze und Publikumsliebling von Paris Saint Germain, spielt bei den Franzosen momentan nur die zweite Geige. Seit der Verpflichtung von Mauro Icardi setzt Thomas Tuchel eher auf den treffsicheren Argentinier. Hinzukommt, dass Cavanis Vertrag im Sommer ausläuft. Er wäre also vergleichsweise günstig zu haben.

David Silva ist zugegebenermaßen kein Südamerikaner, aber er ist zumindest spanischsprachig. Der Kapitän von Manchester City hat vor der Saison bekannt gegeben, dass er nach dem Ablauf seines Aktuellen Vertrags im Sommer 2020 wechseln würde. Mit dann 34 Jahren scheint der Schritt in die USA, um seine Karriere ausklingen zu lassen, logisch und trotz seines fortgeschrittenen Alters kann der feine Techniker noch immer jedem Verein weiterhelfen.

Ein weiterer Weltstar, den man gerne nächstes Jahr in Florida Fußballspielen sehen würde, ist Luis Suárez. Der Landsmann Cavanis wird im Januar auch schon 33 Jahre alt und ist immer häufiger von Verletzungssorgen geplagt. Mit seiner unbestrittenen Klasse kann er zwar das Spiel des FC Barcelona noch immer auf ein anderes Niveau heben, doch für drei Spiele in der Woche reicht es in der Regel nicht mehr. Sein Vertrag läuft noch bis 2021, also ist ein Wechsel im nächsten Sommer eher unwahrscheinlich, aber in Zukunft könnte Inter Miami eine Alternative für den Pistolero darstellen.

Neben diesen Topstars, von denen Vereine in den USA dank der Beckham Rule drei im Aufgebot haben dürfen, setzt Inter Miami hauptsächlich auf eine gute Jugendarbeit. Es wurde bereits eine Akademie errichtet und die Jugendmannschaften warne die ersten, die im Trikot des neuen Vereins auflaufen durften. Man möchte junge Spieler in den eigenen Reihen haben, die das Potenzial haben zu echten Stars zu werden. Ein perfektes Vorbild haben die Jungs ohne Frage in ihrem Vereinspräsidenten.

Der passende Trainer für dieses spannende Projekt scheint indes auch schon gefunden zu sein. Es heißt, dass Santiago Solari diesen Posten übernehmen wird. Der ehemalige Mitspieler David Beckhams war zuletzt kurzzeitig Trainer von Real Madrid, ehe er von Zinédine Zidane abeglöst wurde. Neben seiner fachlichen Qualifikation gibt es ein weiteres starkes Argument für Solari: er ist Argentinier. Es würde also alles passen, doch in trockenen Tüchern ist momentan noch nichts.

Ein neues Zuhause

Um dem aufstrebenden Team ein angemessenes Zuhause zu bieten, errichtet der Verein sein eigenes neues Stadion. Der Miami Freedom Park soll 28.000 Menschen Platz bieten und drumherum entsteht ein Freizeitgelände, auf dem die Einwohner Miamis Fußball spielen oder sich entspannt ins Gras legen können. Bis diese Planungen verwirklicht sind, wird es noch einige Zeit dauert, weshalb man zunächst für zwei Saisons in das Lockhart Stadium ausweicht. Das etwas kleinere Stadion wird extra modernisiert und soll in Zukunft als Heimstätte des Farmteams dienen, das in der dritten Liga antritt.

In Miami entsteht etwas großes. Der Club Internacional de Fútbol Miami ist keine Langeweiletherapie eines superreichen Oligarchen. Hier möchte ein Fußballfachmann mit seinen Partnern zusammen seinen Traum verwirklichen und dieser Traum wird nicht mit dem Ligastart im Februar vollendet sein. Der ehemalige Profisportler Beckham wird mehr als genug Ehrgeiz in sich tragen, um mit dem Verein auch Titel gewinnen zu wollen. Man darf gespannt sein, welche internationalen Stars in Zukunft den Schritt nach Florida wagen und an diesem Prestigeprojekt mitwirken werden.

In diesem Sinne…

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Sponsoring & Marketing

Der Pukki-Effekt: Wie Clubs mit Legionären Nischen-Märkte erschließen

Teemu Pukkis Popularität hat Norwich City einen Deal mit einer finnischen Werbeagentur und einen Zugang zu einem weiteren Markt eingebracht. Das erhöht den Wert von Spielern aus kleinen Fußballnationen – wenn sie zuhause denn Stars sind.

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Dank Finnlands Star-Stürmer Teemu Pukki ist der kleine Premier-League-Club Norwich City für viele Finnen von Interesse. Das möchte man nun mit der Marketing-Agentur i2 Ltd. vor Ort nutzen – und Kapital daraus schlagen. Und Norwich City ist nicht der einzige Verein, der von Star-Spielern aus kleineren Fußballnationen profitiert, wenn es darum geht, neue, meist kleinere Märkte für den Club und die Marke zu erschließen.

Norwich City sucht den direkten Kontakt zu den Fans – jetzt auch in Finnland

Norwich City ist ein kleiner Verein aus Englands Osten. Nur 190.000 Einwohner zählt die Stadt, in die Carrow Road, das Stadion der Canaries, die wegen ihrer Trikotfarbe Gelb so genannt werden, passen gerade mal knapp über 27.000 Zuschauer. Und bislang hat sich der Club nicht durch große Titelgewinne auszeichnen können; immerhin zwei Ligapokalsiege stehen zu Buche. Der letzte 1985.

Der Verein liegt in einem Gebiet, das von den Ballungszentren der englischen Fußballmächte – London, Manchester, Liverpool – und auch von der Südküste oder den Midlands, wo inzwischen je drei Premier-League-Clubs spielen, weit entfernt. Daher ist die Bindung zu den Fans aus der Umgebung für den Verein sehr wichtig. Aus diesem Grund hat man beispielsweise Lotus, den Autohersteller, der in der Umgebung seinen Hauptsitz hat, als wichtigen Sponsor gewonnen. Das Trainingszentrum wurde sogar nach diesem benannt.

Doch auch international möchte der Verein auf sich aufmerksam machen. Nicht zuletzt, um die Umsätze ankurbeln zu können, vor allem aber, um die Marke auch die Marke zu stärken. In Deutschland hat der Club schon einige Aufmerksamkeit erhalten, weil neben Trainer Daniel Farke noch sieben deutsche Akteure im Kader stehen.

Doch vor allem in Finnland entwickelt sich der Verein, der es in dieser Spielzeit noch sehr schwer in der Premier League hat, zu einer Attraktion. Hauptgrund dafür ist Stürmer-Star Teemuk Pukki. Letzte Saison wurde er in der englischen League Championship mit 29 Toren Torschützenkönig. Und diese Saison liegt er in der Liga immerhin bei sechs Toren. Zudem erzielte der frühere Schalke-Spieler zehn Tore in der EM-Quali und verhalf seinem Land damit zur ersten Turnierteilnahme überhaupt. Daher ist das Land euphorisch – und Pukki-verrückt.

Diesen Umstand möchte der Arbeitgeber Norwich City nun für sich nutzen. Citys Head of Commercial Development Ben Tunnell erklärt im Zuge einer Partnerschaft mit der finnischen Marketingagentur i2 Ltd:

When we set out on our journey of support for Teemu Pukki and the Finnish national team, it was clear that for us to be commercially successful we would need to partner with Finland’s premier marketing agency for us to achieve our commercial objectives.

Dabei möchte Norwich weiterhin lokal Bindung erreichen, bloß bei den finnischen Fans. Und hat sich hierfür Unterstützung geholt. i2 ltd.s Director Jari-Pekka Jouppi sagt:

The people of Finland are now extremely interested in Teemu Pukki and Norwich City. During the current season, the team’s games have had an average of 400 Finnish spectators. We wish to make using the team in marketing communications both in the English and Finnish markets as easy as possible.

Zwar sind 400 Zuschauer keine große Menge. Aber ein Anfang. Zu Norwichs YouTube-Kanal soll ein Behind-the-Scenes-Feature zum finnischen Erfolg kommen. Das Motto “ We Believe in the Huuhkajat“ wird in Finnland unter Norwichs „Flagge“ promotet. Club-Merchandise wurde bereits in einem Pop-up Store in Finnland verkauft.

Finland is an important market for a lot of our work across a number of departments at our club and we’re confident that this will be something our supporters across the world can be extremely proud of,

erklärt der Head of Commercial Operations des Vereins, Sam Jeffery, auf der eigenen Website.

Kleine Märkte erschließen mit dem besonderen Legionär

Dass auch vermeintliche Fußball-Zwerge große Spieler hervorbringen können, ist nicht neu. George Weah spielte für Liberia, Aubameyang für Gabun. Ein weiterer Spieler aus einer kleinen Fußballnation ist Nahki Wells aus Bermuda. Er spielt derzeit für die Queens Park Rangers (und gehört dem FC Burnley). Acht Tore in 15 Zweitliga-Partien sind keine schlechte Ausbeute. Interessant ist bei Wells jedoch, dass er in seiner Heimat gern einen Trikotverkaufs-Boom auslöst. Als er 2014 zu Huddersfield Town wechselte und zu jener Zeit deren Rekordtransfer war, wollten auf den Bermudas plötzlich sehr viele Leute ein Town-Trikot mit Wells’ Nummer 21, berichtete Examiner Live. Ein Insulaner erklärte:

I am not a Huddersfield fan but due to Nahki’s arrival I will be following every game and, when I can, watching them when streams are available.

Die Steigerung der Popularität in kleinen und großen, weiter entfernten Märkten kann oft durch einen besonderen Legionär gefördert werden. Park-Ji Sung aus Südkorea hat Manchester Uniteds Markenwert in genau dem Land extrem gesteigert. Auch weil er 2009 als erster Landsmann ein Champions-League-Finale von Beginn an bestritt. In der Daily Mail erklärt Heung-Min Son:

This was so big in South Korea because he was the first [Asian] player to do it. I was doing it as a football fan. Of course I was dreaming about doing the same.

Son, der derzeit womöglich beste Asiat der Welt, ist in Parks Fußstapfen getreten. Beide dürften ihren Clubs, von PSV bis ManUtd, vom HSV bis zu den Spurs, Aufmerksamkeit und Trikotverkäufe in Südkorea und Asien überhaupt beschert haben. Ähnliches dürfte für Henrikh Mkhitaryan gelten. Er ist wohl der populärste armenische Fußballer aller Zeiten, hat schon für den BVB, Manchester United, die AS Roma und Arsenal London gespielt. Laut Armen Press kommt bald sogar eine Briefmarke mit seinem Konterfei auf den Markt.

Erfolg zahlt sich aus

Natürlich verkaufen sich Trikots in größeren Mengen nicht allein, weil ein Spieler aus einem bestimmten Land kommt. Auch der Erfolg – des Teams oder des individuellen Spielers – spielt eine Rolle. Bei Norwich läuft es nicht besonders rund, bei Pukki hingegen, insbesondere für Finnland, schon. Und nun, da er das Land zur ersten EM-Teilnahme geführt hat, dürfte er bei den heimischen Fans noch mehr als Pionier gelten.

Erfolg steigert aber die Nachfrage nach Trikots im Allgemeinen. Der CL-Sieger FC Liverpool, der seit Jahren attraktiven Fußball spielt und auch für das Trikotdesign großen Zuspruch erhält, ist laut einer Erhebung von Love the Sales die Nummer eins bei den Trikotverkäufen in England diese Saison. Dabei habe sich die Nachfrage seit der vergangenen Spielzeit fast verdoppelt. Sogar das Torwarttrikot des Clubs getragen von Allison Becker und auch Adrián, ist auf Platz elf auf der Beliebtheitsskala vor Newcastles Kit beispielsweise.

Auch andere Marketing-Clous zeigen Wirkung

Während die Top-Plätze der verkauften Trikots von Liverpool, Arsenal, ManUtd, ManCity und Chelsea besetzt werden, hat sich überraschenderweise Absteiger Huddersfield Town auf Platz sechs geschoben. Die Nachfrage nach Terriers-Trikots ist trotz schwacher Leistungen um 1.904 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Der Grund dürfte in einer besonderen Marketing-Aktion liegen, die der Club zusammen mit Sponsor Paddy Powers durchgeführt hat (lest hier alles darüber). Aufmerksamkeit erhielt das Kit, weil im ersten Testspiel ein Scherpen-gleicher Schriftzug zu sehen war. Das quittierten Fans mit Missbilligung.

Kurz darauf wurde klar, dass Paddy Power nur einen Marketing-Stunt geplant hatte und das Trikot des Clubs von Werbung befreien und „den Fans zurückgeben“ wollte. Das hat allem Anschein nach Wirkung hinterlassen. Vielleicht ist es nur das Trikot ohne großen Sponsor auf der Brust. Doch für Huddersfield Town hat sich diese Aktion gelohnt. Auch so können die kleineren Clubs ihre Marke profilieren; und den Trikotabsatz steigern.

Dennoch sollten Vereine ihre Spieler oder Partner natürlich nicht nur nach Marketing-Gesichtspunkten wählen. Ein großartiger Spieler kann etwa an Ablöseeinnahmen viel mehr Geld generieren als ein Legionär über den Trikotabsatz im Ausland. Trotzdem helfen Spieler wie Son oder Pukki, Vereine n im Ausland zu einem besonderen Stand in zu verhelfen. Und womöglich sogar zu Fanclubs. Und auch, wenn Norwich City in Finnland nur ein paar Hundert oder Tausend Fans erreicht und keine Summen einnimmt wie etwa beim Verkauf von James Maddison vergangenes Jahr (25 Millionen Euro), wird doch die Vereinskultur weitergegeben. Das ist Marketing, das ist aber auch ein wichtiger Schritt für eine global geprägte und diverse Fußballkultur.

Schon die kleinsten Länder haben übrigens einige Premier-League-Spieler hervorgebracht: Montserrat, Gibraltar, die Färöer Inseln. Wer einen Spieler aus einem solchen Land in seinen Reihen hat, kann zumindest darüber nachdenken, das für die Markenbildung vor Ort zu nutzen. Social Media wie Youtube können dabei besonders gut Emotionen und Hintergründe transportieren. Schaut bloß einmal nach Norwich.

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Sponsoring & Marketing

DFB und VW – erste Schritte in die richtige Richtung

VW ist seit 2019 Hauptsponsor des DFB. Diese neue Beziehung beginnt unter schwierigen Voraussetzungen, da beide mit enormen Imageproblemen zu kämpfen haben.

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Den größten Automobilhersteller Deutschlands und den größten Sportfachverband der Welt eint in letzter Zeit vor allem, dass sie sich fast durchgängig in einer Krise befinden. Das Image von VW hat im Zuge der Abgasaffäre massiv gelitten und der deutsche Fußball Bund erreichte seinen neuerlichen Tiefpunkt durch den Rücktritt des mehr als umstrittenen Präsidenten, Reinhard Grindel. Nun ist es für den DFB und für VW höchste Zeit Wiedergutmachung zu betreiben. Und, da geteiltes Leid ja bekanntlich halbes Leid ist, versuchen die beiden, diese Herkulesaufgabe gemeinsam zu bewältigen. Seit Anfang 2019 ist VW Hauptsponsor des DFB.

Die letzten vier Jahrzehnte war dieser Posten Mercedes vorbehalten. Doch als sich 2017 der Vertrag mit den Stuttgartern dem Ende neigte, entschied der DFB erstmals ein Wettbieten um das Sponsoring zu eröffnen. Zuvor wurde die Zusammenarbeit mit Mercedes immer einfach verlängert ohne, dass andere Unternehmen die Möglichkeit hatten, höhere Angebote zu unterbreiten. VW entschied dieses Wettbieten, trotz eines ebenfalls gesteigerten Mercedes Angebots, für sich und ist somit mindestens bis zum 31. Juli 2024 Hauptsponsor des DFB.

Nicht nur ein Motto

Im Zuge des neuen Sponsorings hat sich VW das Motto „Fußball, das sind wir alle.“ auf die Fahnen geschrieben. Dieses Motto soll verdeutlichen, dass es dem Konzern in dieser Zusammenarbeit nicht nur um die Nationalmannschaft geht, sondern alle Fußballer unterstützt werden. Von der Kreisliga bis zur Bundesliga und egal welchen Geschlechts. Schwieriger, als einen wohlklingenden Leitspruch aufzustellen, ist aber zweifelsohne, diesen auch in die Tat umzusetzen.

Vor der WM 2018 beispielsweise wollte Mercedes mit dem Hashtag #ZSMMN einen Trend setzen. Damit ist man bekanntermaßen krachend gescheitert. Die deutsche Nationalmannschaft schied nicht nur bereits in der Gruppenphase aus dem Turnier aus, sondern verlor dazu noch die Sympathie unzähliger Anhänger aufgrund des lieblosen Marketingbrimboriums, das Mercedes auffuhr. Diese Marketingstrategie scheiterte nicht alleine an dem grausamen Hashtag. Ihr fehlte überdies jegliche Glaubwürdigkeit. Es sollte der Zusammenhalt zwischen den Fans und der Mannschaft gestärkt werden und heraus kam das genaue Gegenteil.

Mehr als „Die Mannschaft“

VW versucht es nun mit einem ähnlichen Ansatz, aber einer gänzlich anderen Umsetzung. Die Fans fühlen sich nicht mehr durch die Nationalmannschaft repräsentiert und die Amateurvereine durch den DFB im Stich gelassen. Diese Probleme haben der DFB und Volkswagen erkannt und versuchen gegen zu steuern. Die neue Marketingstrategie stellt die Männer Nationalmannschaft etwas in den Hintergrund und thematisiert bisher weniger beachtete Akteure, die von ähnlich hoher Wichtigkeit sind.

Unter dem Hauptmotto „Fußball, das sind wir alle.“ veröffentlichte VW mehrere kurze Videos, in denen verschiedene Menschen erzählen, was Fußball für sie ist. Dabei kommt unter anderem Imke Wübbenhorst zu Wort, die als erste Frau in Deutschland ein Männerteam in der Oberliga trainierte. Ein weiteres Video zeigt den jungen, ambitionierten Schiedsrichter Jonah Besong, dessen Ziel es ist, irgendwann einmal Bundesliga zu pfeifen. Das sind nur zwei Beispiele von Menschen, denen VW mit der Kampagne eine größere Bühne bieten möchte. So soll anderen Menschen, die sich mit den Geschichten der Videos identifizieren können, gezeigt werden, dass auch sie dem DFB nicht egal sind.

Im Vorfeld der Frauen WM 2019 startete VW eine weitere Kampagne. Unter dem Motto „The future is watching.“ wurde versucht, den Frauenfußball in Deutschland populärer zu machen. In einem ca. einminütigen Video stellte man die Vorbildfunktionen der Frauen Nationalmannschaft heraus und zeigte auf, dass die Frauen durch ihre Leistungen mehr gewinnen können, als nur Titel. Sie inspirieren junge Mädchen und Frauen in Deutschland, an sich zu glauben und selbstbewusst in die Zukunft zu gehen.

Endlich Unterstützung für die Amateure

Neben dem Frauenfußball möchten der DFB und VW im Laufe ihrer Zusammenarbeit deutlich mehr in den Amateurfußball investieren. Deshalb startete vor kurzem die Volkswagen Trikot-Aktion. VW stattet durch diese Aktion 3000 Fußballmannschaften mit einem neuen Trikotsatz aus. Die Mannschaften müssen sich lediglich bei einer teilnehmenden VW Niederlassung in ihrer Nähe mit einem Aktionscode melden und bekommen dafür einen 14-teiligen Trikotsatz in ihren Wunschfarben. Gerade für oftmals klamme Dorfvereine ist diese Aktion eine tolle Möglichkeit, neue Trikots zu bekommen, ohne sich auf langwierige Sponsorensuche zu begeben.

Weniger massentauglich, aber dafür umso rührender war das Sponsoring eines neuen Vereinsbusses für den VfB Peine. Die C-Jugend des Vereins hatte auf dem Rückweg eines Auswärtsspiels einen schweren Unfall mit dem alten Bus. Es kam glücklicherweise niemand ums Leben, aber der Bus war komplett hinüber und die Insassen teilweise schwer verletzt. Der Verein erfuhr sehr viel Solidarität ihrer Gegner in der Landesliga und die C-Jugend, die vor dem Unfall die Tabelle anführte, gewann letztendlich trotzdem die Meisterschaft, weil die anderen Vereine ihnen teilweise Punkte schenkten. Woraufhin VW dem Verein für die folgende Saison einen neuen Bus zur Verfügung stellte. Dieser war nicht nur für die C-Jugend, aufgrund der langen Auswärtsfahrten, existenziell wichtig.

Dieses Beispiel zeigt, dass VW versucht sowohl durch breit angelegte Aktionen, als auch durch bewegende Einzelfälle, das Image der eigenen Marke und des DFB wieder aufzupolieren. Wie erfolgreich diese Methodik sein wird, muss sich noch zeigen, doch die ersten Ansätze sind vielversprechend. Volkswagen führt Aktionen durch, die den Amateuren direkt zugute kommen. Es wird nicht nur versucht, durch aufwendig produzierte Werbefilme Eindruck bei den Fans zu machen. Das Sponsoring soll möglichst nah an der realen Wirklichkeit der Menschen dran sein.

Ein guter Anfang reicht nicht aus

Ebenso verhält es sich mit den kurzen Videos unter dem Motto „Fußball, das sind wir alle.“. Diese sind keine Heldendarstellung der Nationalmannschaft. Sie zeigen viel mehr ganz normale Menschen und ihre persönlichen Geschichten im Fußball. Dadurch fühlen sich wahrscheinlich wesentlich mehr Menschen angesprochen, als durch die Marketingmaschinerie vor der WM 2018. So könnte wieder eine echte Verbindung zwischen Verband und Basis aufgebaut werden. Nur stehen einem echten Neuanfang nach wie vor horrende Ticketpreise bei Länderspielen, erzwungen „coole“ Tormusik und viele weitere Imageprobleme im Weg. Auf den DFB und VW kommt noch jede Menge arbeit zu, aber erste Schritte in die richtige Richtung sind zumindest getan.

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Allgemein

Deutsche Talente im Ausland – bekommen junge Spieler keine Chance in der Bundesliga?

Immer mehr junge Deutsche spielen außerhalb der Bundesliga. Ist das nur eine Momentaufnahme oder wird es tatsächlich schwieriger für Talente in Deutschland?

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Stefan Kuntz, Coach der Deutschen U21-Nationalmannscahft, bemängelte kürzlich, dass in seinem Kader kaum noch Spieler stehen, die in der Bundesliga aktiv sind. Genau genommen waren es zuletzt acht, von denen wiederum nur zwei auch zur Startelf in ihrem Verein gehörten. Ein anderes Bild zeichnete sich noch vor rund zwei Jahren, als die U21 ihren letzten großen Titel feierte.

Bei der U21-Europameisterschaft 2017, die Deutschland mit 1-0 im Finale gegen Spanien gewinnen konnte, waren noch 18 Bundesligaprofis im Kader. Dazu kommt, dass die diesjährige goldene Fritz-Walter-Medaille, sowohl in der U17 als auch in der U19, an Spieler verliehen wurde, die momentan im Ausland aktiv sind. Nicolas Kühn spielt momentan für die zweite Mannschaft von Ajax Amsterdam und Karim Adeyemi verdient sein Geld in Österreich beim FC Liefering, dem Farm-Klub von Red Bull Salzburg.

Nicolas Kühn bei Ajax Amsterdam

Die renommierte Auszeichnung für deutsche Nachwuchsfußballer wurde unter anderem von heutigen Nationalspielern wie Toni Kroos, Leon Goretzka oder Matthias Ginter gewonnen. Diese waren zum Zeitpunkt ihrer Auszeichnung aber alle bereits in der Bundesliga aktiv. Was hat sich in den letzten Jahren im Deutschen Nachwuchs geändert? Sind die Talente schwächer geworden oder bekommen sie einfach keine Chance mehr in der Bundesliga?

Zu viele Legionäre?

Steffen Baumgart, Trainer des Bundesligaschlusslichts SC Paderborn, hat zu diesem Thema eine klare Meinung. In einem Interview mit SPORTBUZZER berichtete er ausführlich darüber, was alles im deutschen Fußball falsch läuft. Unter anderem merkte er an, dass in der Bundesliga zu viele Legionäre auf dem Platz stehen. Dadurch ist laut Baumgart nahezu jeder deutsche Bundesligaspieler ein potenzieller Kandidat für Joachim Löw.

Mit dieser Einschätzung hat er insofern recht, dass die Anzahl der Legionäre in der Bundesliga seit der Jahrtausendwende tatsächlich deutlich gestiegen ist. Doch dieser Anstieg stagnierte vor ca. zehn Jahren. Seitdem variiert der Anteil, der eingesetzten Deutschen Spieler in der Bundesliga, immer zwischen 42 und 45 Prozent. Also spielten auch 2009 schon ähnlich viele Ausländer in der Bundesliga wie heute und doch bestand die U21-Nationalmannschaft, die den EM-Titel 2009 gewann, fast ausschließlich aus Bundesligaprofis.

Der logische Schritt

Gerade junge Spieler wagen heute also eher den Schritt ins Ausland, anstatt den harten Konkurrenzkampf in der Bundesliga anzunehmen. Jüngstes Beispiel dafür ist Timo Baumgartl. Der 23-jährige wechselte vor der Saison vom VfB Stuttgart zur PSV Eindhoven und das, obwohl er in der Vorsaison 18 Bundesligaeinsätze verzeichnen konnte. Bei den Niederländern gehört er zum absoluten Stammpersonal und hat sogar schon ein Tor in der Europa League erzielt. Spielpraxis auf diesem Niveau wäre für ihn in Deutschland wahrscheinlich nicht möglich gewesen.

Timo Baumgartl bei PSV Eindhoven

In Stuttgart hätte er mit der zweiten Liga vorlieb nehmen müssen. Als ernsthafte Alternativen in Deutschland wären wohl eher kleinere Vereine in Frage gekommen. Deshalb ist der Wechsel zum niederländischen Spitzenverein ein logischer Schritt. Er bekommt reichlich Einsatzzeit, spielt um Titel mit und dazu noch europäisch. Welcher Verein in Deutschland hätte Timo Baumgartl derartiges geboten?

Ein weiteres Beispiel für den erfolgreichen Weg ins Ausland ist der U21 Nationalspieler Orestis Kiomourtzoglou. Der Deutsch-Grieche wechselte vor der Saison vom Drittligisten Unterhaching zu Heracles Almelo. Er spielt also wie Baumgartl in den Niederlanden und das bisher durchaus erfolgreich. In elf von bisher 13 Spielen in der Liga stand er über 90 Minuten auf dem Platz und sein Team steht momentan auf Rang sieben in der Tabelle.

Die Eredivisie ist zwar ohne Frage deutlich schwächer als die Bundesliga, aber der Aufstieg von der dritten Liga zum Stammspieler in den Niederlanden ist trotzdem beachtlich. In der Bundesliga wäre es für den 21-jährigen wohl schwierig geworden, einen Stammplatz zu erhalten. Deshalb ist auch dieser Wechsel absolut nachvollziehbar, um die eigene Karriere voranzutreiben. Doch bedeutet diese Entwicklung, dass wir in Zukunft in der Bundesliga gar keine deutschen Talente mehr zu sehen bekommen?

Es geht auch andersherum

Lukas Nmecha vom VfL Wolfsburg zeigt, dass es auch anders aussehen könnte. Der gebürtige Hamburger durchlief zuletzt die Jugendmannschaften von Manchester City und wechselte im Sommer auf Leihbasis in die Autostadt. Sowohl in der Bundesliga als auch in der Europa League und im Pokal konnte Nmecha bereits einige Einsatzminuten verzeichnen und stand zuletzt gegen den BVB sogar in der Startelf.

Lukas Nmecha bei Manchester Citys U23

Es ist also durchaus möglich, als junger, deutscher Spieler seine Entwicklung in der Bundesliga voranzutreiben. Doch zeigt dieses Beispiel auch deutlich, was dafür nötig ist. Nmecha hat eine herausragende Ausbildung beim amtierenden englischen Meister genossen. Auf eine solche Schulung können nur die wenigsten Talente zurückgreifen. Liegt das Problem folglich doch wieder in den vorhandenen finanziellen Mitteln in Deutschland?

Die Bundesliga als Farm-Liga

Manchester City hat quasi unendlich viel Geld zur Verfügung. Dieses investieren sie nicht nur in die besten Fußballer der Welt, sondern auch in ihre Jugendarbeit. Das macht sich nun bemerkbar. In den letzten Jahren traten Talente wie Phil Foden oder Jadon Sancho aus der Talentschmiede der Citizens hervor. Die englischen Juniorennationalmannschaften beginnen auch langsam Titel zu gewinnen und die Top Talente von der Insel brauchen Spielpraxis, um sich auf die Premier League vorzubereiten.

Für diese Aufgabe ist die Bundesliga prädestiniert. Sie ist eine der fünf besten Ligen Europas und ihre Vereine spielen auch international um Titel mit. Doch der Liga stehen keine superreichen Investoren zur Verfügung, weshalb die meisten Vereine von Megatransfers absehen müssen und deshalb ihr Augenmerk eher auf Talente richten. Wenn der Durchbruch in der Bundesliga geglückt und die Spieler sich auf dem Niveau etabliert haben, kann der Schritt zurück auf die Insel gewagt werden, so wie es wahrscheinlich bald bei Jadon Sancho der Fall sein wird.

Wenn diese Entwicklung in Zukunft tatsächlich so eintritt, wird es für deutsche Talente immer schwieriger, einen Platz in der Bundesliga zu finden. Dann könnte der Weg über die Niederlande oder Österreich zur Regel werden. Schon heute zieht es einige vielversprechende Talente in die kleineren Nachbarländer, um dort auf sich aufmerksam zu machen. Wie erfolgreich sich dieser Umweg auf ihre Karriere auswirken wird, muss sich aber erst noch zeigen. Festzuhalten bleibt, dass die deutschen Talente höchstwahrscheinlich nicht an Qualität verloren haben, nur stellt der Weg ins Ausland heutzutage ein ernsthafte Alternative dar.

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Allgemein

Der neue King of Queens?

David Villa wird nach seinem Karriereende Miteigentümer des neuen New Yorker Vereins Queensboro FC. Der soll das diverse Queens repräsentieren – und zur größten Soccer-Marke der USA werden.

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In einer Stadt, die niemals schläft, ist auch das Angebot an Sportvereinen besonders groß. New Yorks größte Player sind sicherlich die Yankees, die Knicks, die Mets und die Jets; Baseball, Basketball und Football. Doch die wachsende Popularität des Fußballs zieht auch immer mehr Fans in die Stadien der New York Red Bulls oder des New York FC.

Ab 2021 wird in der zweiten US-Liga ein neues Franchise antreten: Queensboro FC. Zu den Eignern zählt dann David Villa, Weltmeister, CL-Sieger, Rekordtorschütze Spaniens und ein Fan des einzigartigen Queens. Zusammen mit seinen Partnern möchte er das Schmelztiegel-Image des berühmten Bezirks nutzen, um nicht nur einen populären Club, sondern eine hippe Sportmarke zu etablieren. Und die Vorzeichen versprechen etwas Besonderes.

David Villas Rückkehr nach New York oder: Noch ein Franchise?

Bei der Nachricht, dass David Villa Miteigentümer eines neuen US-Fußballclubs wird, mögen viele Fans an David Beckham gedacht haben. Schon im kommenden Jahr geht dessen Verein Inter Miami in der MLS an den Start und soll die Fußballkultur in Florida neu beleben und den US-Fußball als Markt prägen. Während von Transfers zu Inter Miami derzeit schon berichtet wird, steckt das Projekt Queensboro FC noch in den Kinderschuhen. Kein Wunder, da Miteigner und Marketing-Zugpferd David Villa selbst noch die Schuhe schnürt; aber nur bis zum Jahresende, wie er kürzlich bekannt gab.

Internationale Aufmerksamkeit hat das Franchise Queensboro FC nun vor allem erhalten, weil Villa seine Beteiligung publik gemacht hat.

Ab 2021 wird der QBFC in der zweiten Spielklasse der USA, der USL, spielen. Gegen einen direkten Start in der MLS könnten verschiedene Faktoren sprechen. Zunächst ist nicht klar, ob der Verein mit seinen Investoren und Eignern bereit ist, eine Summe von über 100 Millionen US-Dollar als Einstiegsgebühr zu zahlen. Der New York FC musste 2014 laut Business of Soccer bereits 100 Millionen zahlen; derzeit könnte die Summe bei 150 bis 200 Millionen liegen. Zudem müssen für einen Einstieg in die höchste Spielklasse Aspekte wie eine bestehende Fanbase und ein großes Stadion oder weit entwickelte Stadionpläne berücksichtig werden. Mit beidem kann der QBFC noch nicht dienen. Außerdem gibt es schon zwei Clubs aus dem Big Apple in der MLS, was eine Argumentation hinsichtlich der Stadtrepräsentation erschwert.

Der Start in der USL dürfte aber zunächst gar nicht so ungelegen kommen. Immerhin soll bei dem Verein nicht allein der sportliche Ehrgeiz und die Siegermentalität im Zentrum stehen. Auch und besonders das Lebensgefühl eines außergewöhnlichen Bezirks, eines populären Stadtgebiets, das für seine Vielfalt bekannt ist, soll in die Kultur des Vereins – und der Marke – mit einfließen. Das betont Miteigentümer Jonathan Krane. Er selbst ist Gründer und CEO eines Unternehmens für Anlagenmanagement mit Fokus auf China, KraneShares. In der New York Post sagt er:

It really represents the world there. Many of the people are from soccer-loving countries, and so we thought that Queens could be the No. 1 soccer market in the United States soon.

In Queens leben laut US Census Bureau rund 2,3 Millionen Menschen, fast die Hälfte davon ist im Ausland geboren. Der Anteil an Latinos und Hispanics, Afroamerikanern und Asian Americans ist dort vergleichsweise hoch (je zwischen 20 und 30 Prozent).

We’re going to make a strong effort to really connect this team with the population of Queens so they feel like it’s their team,

ergänzt Krane.

Das Queensboro-Feeling als Folie für eine Fußballmarke

Im offiziellen Promo-Video für den neuen Club heißt es: „The World’s Borough Speaks Soccer“. Ein Verein aus der Nachbarschaft soll die Fans abholen. Und zwar Fans aus allen sozialen Schichten und verschiedenen Ethnien. Ein potentieller künftiger Fan erklärt im Video enthusiastisch:

It gives us one more thing to cheer for, one more thing to root behind, one more thing to bring us all together.

Um dieses Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken, werden Vorschläge aus der Community in Queens bezüglich Farben und Design des Club-Wappens berücksichtigt. So heißt es auf der offiziellen Seite des Clubs. Diese kann auf Englisch, Spanisch und in Mandarin gelesen werden.

Mit diesem Community-zentrierten Ansatz erinnert QBFC ein wenig an den FC St. Pauli, der als besonders liberaler Verein mit viel Herz für Wohltätigkeit und die Fangemeinde besonders aus den vielfältigen Hamburger Stadtteilen Sternschanze und St. Pauli auch als Marke Erfolg genießt. Der Queensboro FC dürfte sich ähnlich positionieren wollen, möchte darüber hinaus aber mehr werden als ein regional populärer Club. Dafür braucht es gerade in den USA eine bekannte Persönlichkeit. Und David Villa erfüllt einige wichtige Kriterien.

Mit Personenkult zu einem kultigen Club?

In Queens ist vor allem das Baseballteam der New York Mets zuhause. In deren neuem Stadion, dem Citi Field, wird QBFC einige der ersten Spiele ab 2021 spielen. Dann will man in einem eigenen Stadion vor einer neu geschaffenen Fanbase auftreten.

Für die nötige Aufmerksamkeit, um Fans – oder zumindest Zuschauer – nicht nur aus dem näheren Umfeld zu gewinnen, soll nun David Villa sorgen. Fußballfans kennen ihn als gefährlichen Torjäger für Spanien, Welt- und Europameister. Mit Barça gewann er die Champions League und Meisterschaften (auch mit Atlético holte er den Titel). Er war Torschützenkönig bei der EM 2008 und in im gleichen Jahr in der spanischen Liga. Neben diesen Erfolgen zeichnet ihn aus, dass er in Melbourne und eben New York beim NYFC aktiv war, wo er 2016 zum MVP der MLS gekürt wurde. Mit 80 Toren ist er bis heute mit Abstand der Rekordtorjäger des Vereins. Aktuell ist er neben Lukas Podolski und Andrés Iniesta bei Vissel Kobe in Japan am Ball.

Durch diesen internationalen Touch passt er perfekt zum Queensboro FC. Außerdem haben ihn vier Jahre in New York geprägt. Auf der Website des neuen Clubs erklärt er:

Living with my family in a city with so much culture and history while playing soccer, was an amazing experience. And it was exciting to be playing in a country where love of the beautiful game is growing. […] I have loved this sport from the beginning of my life. I have tried to do my best to bring this sport everywhere.  And the future now is Queens.

Schon 2017 hatte Villa seine DV7 Soccer Academy in Queens ins Leben gerufen. Damit die Talente aber auch in Queens einen Profi-Verein finden können, um eine Karriere im Fußball zu machen, sei es sehr wichtig gewesen, einen Club wie QBFC zu gründen, so Villa. Dass die Akademie von Japan über Puerto Rico bis nach Spanien Hong Kong usw. verteilt ist, passt dabei ins Bild. So könnten Talente aus aller Welt schon bald im neuen Club von David Villa heranwachsen.

Investment ins Soccer-Franchise zeigt wachsenden Markt

Große Namen sind im US-Fußball keine Seltenheit mehr. Beckhams Inter Miami wird viel Furore machen, wenn der Verein seine sportliche Laufbahn beginnt. Dafür wird allein sein Name sorgen. Bei Houston Dynamo wiederum hatte sich jüngst NBA-Megastar James Harden eingekauft. Der aktuelle MLS-Champion Seattle Sounders hat hingegen Macklemore, Russell Wilson, Ciara oder den Microsoft CEO im Eignerverbund.

Sie alle sehen in den Clubs auch Marken, in die sich ein Investment lohnt. Nicht zuletzt, weil der Sport in den USA eine neu entfachte Leidenschaft bedient. In den vergangenen Jahren ist der Zuschauerschnitt fast kontinuierlich angewachsen, auf über 21.000, so Transfermarkt. Das ist nicht weit entfernt von der Serie A (knapp 26.00) oder La Liga (knapp 27.000). Zudem ist der Fußball-Markt in den USA noch relativ unerschlossen, Business-Potentiale sind noch auszuschöpfen. Ebenso wie sportliche. Das zeigt sich beispielhaft am jungen Franchise Atlanta United, das mit einer ganz neuen Form der Fußball-Experience sportlichen und kommerziellen Erfolg vereint.

Der Queensboro FC möchte ähnliches erreichen. Aber gleichzeitig wirkt der Verein wie eine viel kleinere Nummer als Inter Miami oder der Hollywood-Club LAFC. Nicht allein wegen der Ligenzugehörigkeit. Auch wegen des Understatements, das bei der Präsentation bisher geübt wird. Noch lässt sich nicht beurteilen, in welche Richtung der Club, das Franchise sich entwickelt. Wenn schließlich aber Understatement, Vielfalt und die Nähe zum Jedermann gelebt und nicht nur inszeniert werden, dann ist das ein gutes Zeichen für den US-amerikanischen Fußball. Denn all das geht dem Fußball derzeit oft ab. Und viele Fans wünschen es sich zurück. Vielleicht macht das Projekt Queensboro FC David Villa zu einem neuen King of Queens. Vielleicht.

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