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Englische Finals auf europäischer Bühne – Gewinnt Geld im Fußball Spiele?

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Chelsea gegen Arsenal und Tottenham gegen Liverpool – klingt nach einem sehenswerten Premier League Spieltag, sind aber diese Saison die Finals der Europa League und der Champions League. Ist das nur ein Zufall oder ist in den letzten Jahren ein Muster zu erkennen? Zahlen sich nun die horrenden Investitionen der Premier League Klubs auf dem Transfermarkt aus? Und kann die Bundesliga in Zukunft noch mithalten, ohne die umstrittene 50 + 1 Regelung aufzuheben?

Die Europapokalwoche vom 07.05. – 09.05.2019 ging auf besondere Art und Weise in die Geschichtsbücher ein. Einerseits aufgrund der extrem spannenden und überraschenden Spielausgänge und andererseits, weil das erste Mal in der Geschichte des Europapokals vier Mannschaften aus einem Land die beiden Finals bestreiten werden.

Der FC Liverpool besiegte beim Wunder von Anfield den FC Barcelona mit einer überragenden Leistung 4-0. Die Tottenham Hotspur lagen in Amsterdam, nach einer 0-1 Hinspielniederlage, mit 2-0 zur Pause hinten und drehten das Spiel noch, indem Lucas Moura in der 95. Minuten den Siegtreffer erzielte. Und der FC Chelsea besiegte eine aufopferungsvoll kämpfende Eintracht aus Frankfurt erst im Elfmeterschießen. Außerdem zog der FC Arsenal souverän mit einem Gesamtergebnis von 7-3 gegen Valencia ins Finale der Europa League ein.

An Dramaturgie waren diese Spiele kaum zu toppen. Die englische Mannschaften zeigten letztendlich den größten Willen und die größte Nervenstärke. Doch auch schon in der letzten Saison waren Vorboten dieser englischen Dominanz zu erkennen. Im Achtelfinale der Champions League 2017/18 standen gleich fünf englische Mannschaften. Es kamen zwar „nur“ zwei ins Viertelfinale und eine ins Finale, aber die Dominanz der diesjährigen Saison lies sich damals schon erahnen.

Die Europa League hingegen schien in den letzten Jahre bei den englischen Vereinen einen weniger hohen Stellenwert zu haben. Zwar gewann Manchester United diese in der Saison 16/17, doch im darauffolgenden Jahr war keine einzige englische Mannschaft im Viertelfinale vertreten. Häufig traten die Vereine in der Euro League mit den zweiten Garde an und konzentrierten sich verstärkt auf die nationalen Wettbewerbe.

Arsenal und Chelsea spielten dieses Jahr auch nicht immer mit ihren Topstars, aber sie haben trotzdem die nötige Ernsthaftigkeit an den Tag gelegt, um relativ souverän ins Finale einzuziehen. Aufgrund der Kaderstärke der beiden Vereine wären auch keine geringeren Erwartungen angebracht. Die aktuellen Marktwerte von 625 Mio. Euro (Arsenal) und 885 Mio. Euro (Chelsea) sind ein Vielfaches der Marktwerte ihrer jeweiligen Halbfinalgegner.

In der Champions League ist diese Diskrepanz nicht ganz so groß, aber vor allem in den ersten K.O. Runden ebenfalls vorhanden. Mannschaften wie Porto, Dortmund oder auch Ajax verfügen über einen wesentlich günstigeren Kader als beispielsweise Liverpool (950 Mio. Euro). Dementsprechend haben die Englischen Vereine gute Karten, in die entscheidenden Runden des Wettbewerbs vorzudringen. In der Regel treffen sie dann spätestens im Halbfinale auf ähnlich finanzstarke Vereine, weshalb ein Weiterkommen von vielen anderen Faktoren wie zum Beispiel dem Glück abhängt.

Es ist also ein eindeutiges Muster zu erkennen und es wird auch in Zukunft damit zu rechnen sein, dass die englischen Vereine aufgrund ihrer guten finanziellen Mittel auf europäischer Bühne Erfolge feiern. Doch muss deshalb keinesfalls befürchtet werden, dass englische Finals im Europapokal zur Regel werden. Wie in dieser Saison zu erkennen war, bedarf es immer auch einer gewissen Portion Glück, um in ein Finale einzuziehen. Wären nur Kleinigkeiten anders gelaufen, hießen die Finals in ein paar Wochen: Ajax gegen Barca und Frankfurt gegen Arsenal.

Also hätte es sogar eine deutsche Mannschaft in ein Finale geschafft. Kann das Abschneiden der Eintracht in diesem Jahr demnach als Argument für die Beibehaltung der 50 + 1 Regelung herhalten? Eher nicht.

Die SGE spielte zwar eine unglaubliche Europa League Saison und hätte auch den Einzug ins Finale verdient gehabt, aber sie stellt damit auch die absolute Ausnahme im deutschen Fußball dar. In der Euro League kam Leverkusen als zweitbester deutscher Vertreter nicht über die Runde der letzten 32 hinaus und in der Champions League scheiterten Bayern, Dortmund und Schalke allesamt mehr oder weniger chancenlos gegen englische Vereine im Achtelfinale.

Die finanziellen Mittel der deutschen Vereine sind vergleichsweise beschränkt und das wurde in diesen Spielen mehr als deutlich. Sogar der deutsche Branchenprimus aus München konnte Klopps Liverpoolern nur 90 Minuten standhalten. Im Rückspiel in der Allianz Arena gewannen die Reds deutlich mit 3-1. Dieses Abschneiden ist Wasser auf die Mühlen der Gegner der 50 + 1 Regelung. Sie behaupten, die deutschen Vereine können die europäische Konkurrenzfähigkeit ohne unabhängige Investoren nicht wiederherstellen. In 50 + 1: Veraltete Fußballromantik oder zukunftsfähiges Modell? haben wir das Für und Wider dieser zukunftsweisenden Diskussion bereits ausführlich dargestellt.

Neben den Befürwortern einer Neuregelung im deutschen Fußball haben auch die Befürworter einer Super League durch die europäischen Halbfinals Rückenwind bekommen. Gerade die Spiele in der Champions League waren vor fußballerischer Klasse und Spannung kaum zu übertreffen. Sie waren Werbung für den Fußball, aber eben auch in gewisser Weise Werbung für die Super League.

Wenn die Möglichkeit bestünde, jedes Wochenende Spiele mit einem Unterhaltungswert der Halbfinals zu bestaunen, wäre wahrscheinlich kein Fußballfan abgeneigt. Doch kann gleichzeitig niemand sicher vorhersagen, dass die Spiele in einer Super League immer von einer solchen Qualität wären.

Aufgrund der Wettbewerbsform der Champions League, im K.O. System mit Hin- und Rückspiel, ist eine ganz besondere Spannung geboten und es sind für die Mannschaften die wichtigsten Spiele der Saison. Die Sportler arbeiten die ganze Saison auf diese Momente hin und liefern genau dann ihre besten Leistungen. In einer Super League wären diese Spiele an der Tagesordnung und der besondere Flair der Champions League nicht mehr vorhanden.

So kann man zwar anführen, dass auch heute die Topspiele in den Ligen, wie zum Beispiel das 4-3 von Liverpool über Manchester City in der letzten Saison, die absoluten Highlights sind. Aber es gibt eben auch die Gegenbeispiele wie das 0-0 zwischen den beiden Mannschaften in der Hinrunde oder das 1-1 vor ein paar Wochen zwischen Manchester United und Chelsea.

Die Vorstellung einer Liga, in der regelmäßig Spiele wie im diesjährigen Champions League Halbfinale geboten werden, ist also durchaus reizvoll, aber ihre Realisierbarkeit ist fraglich. Denn wo Topspiel draufsteht steckt nicht zwangsläufig auch ein Topspiel drin.

Damit deutsche Vereine in den europäischen Wettbewerben wieder um Titel mitspielen können, muss sich defintiv etwas ändern. Doch eine ausschließlich englische Dominanz ist trotzdem nicht zu erwarten, da Vereine wie Bayern, Juventus, Paris oder Real in Zukunft auch noch ein Wörtchen mitzureden haben.

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