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Konferenz 2019

433 – aus den Niederlanden in die ganze Welt

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Die Niederländer sind nicht nur die Erfinder der berühmten taktischen Formation 4-3-3 sondern auch die Betreiber des größten Instagram-Accounts rund um den Fußball: 433. Rogier Deelstra gründete die Plattform 2012 auf Twitter und mittlerweile hat sie 20 Mio. Abonnenten auf Instagram. Beeindruckenderweise hat es 433 geschafft, eine so unglaubliche Größe zu erreichen, ohne wirklich eigenen Content zu kreieren.

Begonnen hat alles mit der Idee, eine Sportplattform zu entwickeln, die neue Wege geht, da Deelstra die traditionelle Sportberichterstattung für langweilig hielt. So wurde innerhalb kurzer Zeit auf Twitter die 100.000 Follower-Grenze geknackt, woraufhin aber entschieden wurde, sich auf Instagram zu fokussieren. Die ersten Geschäftspartner, Ralph de Geus, Juul Manders, Demy de Zeeuw und Deelstra, die auch heute noch das Unternehmen gemeinsam leiten, sahen auf Instagram die besten Voraussetzungen, um weiter zu wachsen.

“Forget about Twitter, let’s focus on Instagram, and commit to that seven days a week, 365 days a year”

Rogier Deelstra

Die in Amsterdam ansässige Firma schaffte es auch auf Instagram schnell alle Erwartungen zu brechen und die Abozahlen nach oben zu treiben. Das Grundrinzip, das sie dabei verfolgen, ist: „From the players for the players“. Jeder darf seine Videos einsenden und am wichtigsten ist die enge Zusammenarbeit mit weltbekannten Fußballstars.

Die Präsentation einiger bekannter Follower auf der eigenen Website

Laut eigenen Angaben folgen 433 mehr als 16.000 Fußballprofis und diese Profis nutzen die Plattform auch selber, um ihre Fans zu erreichen. So hat beispielsweise Mario Balotelli sein ungewöhnliches Instagram-Jubel-Video direkt an 433 weitergeleitet und 433 hat das Video für Balotelli mehreren Millionen Fußballfans präsentiert.

Solche Kooperationen mit Spielern und Vereinen sind für beide Parteien sehr lukrativ. 433 bekommt exklusiven Content direkt von den Spielern und die wiederum bekommen die riesige Reichweite von 433. Auch der FC Bayern profitierte schon von einer solchen Koorperation.

Auf der „Audi Summer Tour 2018“ wurden die Bayern von einem 433-Reporter begleitet, der von den Erlebnissen der Bayern-Stars Stories bei Instagram teilte. Am Ende der Amerikareise standen 78 Stories mit mehr als 85 Mio. Views. So wurde einerseits die Werbeaktion von Audi unterstützt und andererseits der FC Bayern für Fußballfans überall auf der Welt bekannter.

In ähnlicher Zusammenarbeit nutzten unter anderem auch der AC Mailand und die Major League Soccer die Reichweite von 433. Die Zusammenarbeit beschränkt sich also nicht auf Vereine und Spieler sondern wird auch mit ganzen Ligen und Verbänden forciert, um deren Zuschauerzahlen zu steigern.

Auf Instagram geht diese Strategie für 433 nach wie vor sehr gut auf. Neben der täglich wachsenden Hauptseite betreibt das Unternehmen deshalb noch 15 weitere Accounts. Beispielsweise 433fifa, wo Beiträge rund um die beliebte Videospielreihe FIFA von EA Sports gepostet werden. Mit diesen Nebenaccounts werden Nischen angesprochen und dort wird Content verbreitet, der keinen Platz auf der Hauptseite gefunden hat.

Aufgrund dieser Erfolge versucht 433 die anderen wichtigen Plattformen wie YouTube, Snapchat oder Facebook zu erschließen. Auch hier wird von Anfang an auf exklusiven Content direkt von den Stars gesetzt. Der YouTube-Kanal zum Beispiel startete mit einem Video von und mit Eden Hazard und fuhr in den nächsten beiden Videos mit Mario Balotelli fort. Die Abozahlen der genannten Seiten sind stetig wachsend, aber nirgendwo ist ein derartiger Erfolg wie auf Instagram in Sicht. Weshalb die Plattform, auf der alles so richtig losging, weiterhin die wichtigste ist.

Auf Instagram ist 433 der drittgrößte Account gemessen an der Zahl der Interaktionen (bspw. Teilen von Posts) und an den Statistiken ist zu erkennen, dass Instagram die mit Abstand wichtigste Plattform darstellt. Besonders beeindruckend ist, mit wie weitem Vorsprung 433 bei der Interaktion vor anderen Sportanbietern liegt. Auch wenn andere Seiten hohe Abonnentenzahlen vorzuweisen haben, schwebt 433 in ganz eigenen Sphären.

Und es sieht auch weiterhin sehr gut aus für 433. Das Wachstum der Seite ist beständig auf einem sehr hohen Niveau und die Koorperationen mit anderen Größen des Sportbusiness bringen immer neue Fans und sind natürlich auch finanziell enorm wichtig. Die Zusammenarbeit mit dem Sportartikelhersteller Adidas bestehend aus dem Verbreiten von Werbevideos mit Messi und Pogba brachte nicht nur mehrere Millionen Views sondern sicherlich auch eine stattliche Entlohnung.

Auf der Spielmacher Konferenz 2019 wird Floris Weisz, der Chief Commercial Officer von 433, über die Besonderheiten dieses modernen Sportberichterstatters erzählen. In „Fans – Not Followers“ zeigt er auf, wie 433 es ohne eigenen Content zu einem der Big Player auf Instagram schaffen konnte und wie die Zukunft des immer weiter wachsenden Unternehmens aussieht.

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Konferenz 2019

50 + 1: Veraltete Fußballromantik oder zukunftsfähiges Modell?

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Die Diskussion um die 50 + 1 Regelung ist in der deutschen Fußballlandschaft ein Dauerthema und bei dieser Grundsatzfrage scheiden sich die Geister. Auf der einen Seite argumentieren die Fußballromantiker, dass ein Wegfall der Regelung unabhängigen Investoren die Türen öffnen, welche gar keinen Bezug zu den Vereinen haben. Auf der anderen Seite stehen die Kritiker des deutschen Fußballs, die für die Bundesliga nur eine erfolgreiche Zukunft sehen, wenn die Vereine mehr Geld investieren können.

50 + 1 ist eine in der DFB- und DFL-Satzung festgelegte Regelung, nach der Investoren nicht mehr als 49% von deutschen Fußballvereinen besitzen dürfen. Dadurch soll gesichert werden, dass stets die Vereine die Entscheidungsmacht haben. Von dieser Regelung gibt es momentan drei Ausnahmen. Bei Bayer 04 Leverkusen, dem VFL Wolfsburg und der TSG 1899 Hoffenheim besitzen jeweils Bayer, VW und SAP-Gründer Dietmar Hopp die Mehrheit des Vereins. Diese Ausnahmen wurden vom DFB mit der Begründung, dass die Investoren die Vereine seit mehr als 20 Jahren intensiv finanziell unterstützen, genehmigt. Auch Martin Kind, der Präsident von Hannover 96, möchte eine solche Ausnahme beanspruchen, seine Forderungen wurden aber bisher vom DFB abgelehnt.

Ausnahmen schwächen die Regel

An der momentanen Regelung gibt es viel Kritik. Als größtes Problem werden die Ausnahmengenehmigungen und die Möglichkeiten zur Umgehung von 50 + 1 ausgemacht. Diese Möglichkeiten demonstriert RB Leipzig. Der sächsische Verein gehört de facto Red Bull und konnte durch die finanzielle Unterstützung innerhalb kürzester Zeit starke Ergebnisse in der Bundesliga erzielen. Frank Baumann, der Geschäftsführer Sport vom SV Werder Bremen, veranschaulichte die daraus resultierenden unterschiedlichen Startvoraussetzungen mit einem Beispiel:

„Olympiafinale 110 m Hürden und auf 4 Bahnen stehen keine Hürden.“

Für dementsprechend dringend hält er Erneuerungen der aktuellen Regelung und fordert gleiche Bedingungen für alle. Ob diese Chancengleichheit durch Abschaffung von 50 + 1 hergestellt werden kann ist fraglich. Aber zumindest die Alleinherrschaft der Bayern in der Bundesliga werde dadurch beendet, führen die Befürworter an.

Dass das der Fall sein könnte, geben auch die Konservativen zu, aber sie sind nicht bereit den Preis der unberechenbaren Investoren dafür zu zahlen. Wie schon jetzt in den anderen europäischen Top-Ligen würden ausländische Investoren mit viel Geld und teilweise wenig Ahnung von Fußball in die Bundesligavereine investieren. So ist ein kurzer Erfolg vielleicht möglich, aber die Zukunft des Vereins hängt auch zu großen Teilen von den Launen des Investors ab.

Fußballklubs als Spielzeug der Superreichen

Bestes Beispiel hierfür ist der FC Málaga in Spanien. 2010 kaufte ein Scheich aus Katar den Verein auf. Infolgedessen tätigte der Klub große Investitionen in neue Spieler, Trainer und den Stadionausbau. Was im Sommer 2012 mit Platz 4 und der Teilnahme an der Champions League belohnt wurde. Kurze Zeit später jedoch wurde bekannt, dass der Scheich den Klub zum Verkauf freigegeben hatte. Er hatte offensichtlich das Interesse verloren. Der FC Málaga spielt heute in der zweiten spanischen Liga.

Die Angst vor desinteressierten oder ungeduldigen Kapitalgebern ist also durchaus berechtigt. Und auch in Deutschland war eine ähnliche sportliche Talfahrt aufgrund von unprofessionellem Handeln des Geldgebers zu beobachten. Nämlich bei 1860 München, dem einstigen Rivalen des großen FC Bayern. Der jordanische Geldgeber Hasan Ismaik traf dort viele fragwürdige Entscheidungen und war maßgeblich am Abstieg des Vereins in die vierte Liga beteiligt.

Diesen Negativbeispielen stehen aber auch einige positive Beispiele gegenüber, in denen mit den neuen finanziellen Mitteln klug gewirtschaftet und anhaltender sportlicher Erfolg gesichert wird. Zu sehen ist dies unter anderem in Deutschland, Österreich und vielen weiteren Ländern bei den Red Bull Vereinen oder in England beim Premier League-Aufsteiger Wolverhampton Wanderers.

Der Weg, den die Wolves seit dem Kauf durch das chinesiche Unternehmen Fosun eingeschlagen haben, ist möglicherweise moralisch zu hinterfragen, jedoch ist der sportliche Erfolg nicht von der Hand zu weisen. Das besondere an den Aktivitäten des neureichen Klubs aus dem Zentrum Englands, ist die enge Verbindung zu dem portugiesischen Spielerberater Jorge Mendes, der angeblich auch ein Geschäftspartner von Fosun sein soll.

Mendes vertritt Superstars wie Christiano Ronaldo oder Diego Costa und sorgte dafür, dass neben einigen hochtalentierten portugiesischen Spielern auch Nuno Espirito Santo, der Trainer der Wolves verpflichtet wurde. Unabhängig von den offensichtlichen persönlichen Interessen, die Mendes mit dieser Zusammenarbeit verfolgt, ist Wolverhampton in seiner ersten Saison nach dem Aufstieg sehr erfolgreich in der Premier League und erreichte außerdem das Halbfinale des FA Cups. Der abgestürzte Traditionsverein schafft es dank des chinesischen Investors wieder erfolgreichen Fußball zu spielen.

Portugiesisches Quartett der Wolverhampton Wanderers

Der Fußball braucht den 12. Mann

Das wohl schwerwiegendste Argument gegen eine Auflösung von 50 + 1 sind die Fans. Nicht nur, da die meisten Fans strikt gegen den Aufkauf ihrer Vereine durch Investoren sind, sondern auch, da sich für sie eine Menge ändern könnte. Wie in England zu beobachten, treffen die neuen Geldgeber ihre Entscheidungen vor allem auf Grundlage wirtschaftlicher Interessen und stoßen damit vielen Fans vor den Kopf.

Der ehemalige Arbeitersport Fußball, ist in England durch horrende Ticketpreise für die unteren Bevölkerungsschichten nahezu unerreichbar geworden. Außerdem werden bei einigen Klubs neben dem Wappen auch die Vereinsfarben geändert, was den jahrelangen Anhängern zumeist eher weniger gefällt. Diese Entwicklungen führen zu einer Abwanderung der englischen Fußballfans in die unteren Ligen und dazu, dass die Spiele der Premier League-Klubs zu immer größeren Teilen von Touristenfans besucht werden.

Bei Manchester United führten diese Entwicklungen im Jahr 2005 sogar zu einer Vereinsneugründung. Einige eingefleischte United-Fans wollten sich nicht mit der Übernahme ihres Vereins durch die Glazer-Familie abfinden und gründeten deshalb kurzerhand ihren eigenen Verein. Der FC United of Manchester nahm sich ein Beispiel am AFC Wimbledon, der seinerseits eine ähnlich Geschichte vorzuweisen hat. Seit der Saison 2015/16 spielt der FCUM in der sechsthöchsten englischen Spielklasse.

Um solche Verhältnisse zu verhindern, möchten die Fans in Deutschland ihr Mitbestimmungsrecht unbedingt behalten. Und auch die Aussicht auf die bessere internationale Konkurrenzfähigkeit wird die Anhänger vermutlich nicht umstimmen.

Reformation statt Abschaffung

Damit diese Konkurrenzfähigkeit und gleichzeitig die sehr hohen Zuschauerzahlen trotzdem gewahrt bleiben, überlegen sich die Verantwortlichen Kompromisse zur Neuregelung von 50 + 1. Diese Neuregelungen sollen einerseits verhindern, dass ausländische Investoren Bundesliagvereine als Spekulationsobjekte missbrauchen und andererseits Möglichkeiten zur stärkeren Finanzierung durch lokale Geldgeber ermöglichen.

Einer der Initiatoren dieser Ideen ist Martin Kind. Seinen Forderungen zufolge, sollen regionale Investoren mit einer Verbindung zum Verein und dessen Geschichte, die Möglichkeit haben, diesen finanziell stärker zu unterstützen. Wobei aber jeder Verein über seinen eigenen Weg entscheiden dürfe. Der FC Bayern beispielsweise lässt schon jetzt verlauten, dass die zu verkaufenden Anteile auch bei einer Regeländerung, nicht mehr werden würden.

96 Präsident Martin Kind beim gemeinsamen Jubel mit Gerhard Schröder

Kind ist der Meinung der ligainterne Wettbewerb könne durch die Reformen wieder spannender werden und er möchte so die Entwicklung der Bundesliga in einer Mehrklassengesellschaft stoppen. Somit wäre der Weg für unabhängige ausländische Investoren dicht und die Konkurrenzfähigkeit der Vereine in Deutschland und Europa wiederhergestellt.

Über diese Zukunftsmusik und vieles mehr wird bei „Public Enemy No. 1: Why Football Investors will make the Bundesliga Stronger“ auf der Spielmacher Konferenz 2019 diskutiert. Die Bundesliga hat als einzige Top-Liga in Europa noch die Chance selbst über ihre Zukunft zu entscheiden und diese Entscheidung sollte wohlüberlegt sein.

Ein spannendes Thema, das den deutschen Fußball noch lange beschäftigen wird.

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Konferenz 2019

Georg Pangl und der Kampf gegen die Gier der Großen

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Georg Pangl, der Vorsitzende der Association of European Professional Football Leagues, kämpft für mehr Solidarität im Fußball. Seiner Meinung nach zerstört die Gier der großen Vereine den Fußball, wie wir ihn kennen. Erste Aufmerksamkeit für seinen aussichtslos scheinenden Kampf erhielt Pangl im Zuge der Football Leaks.

Football Leaks

Die Football Leaks haben 2018 mit ihren Enthüllungen über die geheimen Pläne einer „European Super League“ für Aufsehen gesorgt. Mehrere europäische Top-Klubs haben demnach in den letzten Jahren hinter verschlossenen Türen die Grundlagen für eine Super League ausgearbeitet. Federführend bei diesen Ausarbeitungen war der FC Bayern. Außerdem haben sich andere Vereine, wie der FC Arsenal, Real Madrid, AC Mailand und viele weitere beteiligt.

Der Grund für diese geheimen Pläne lag darin, dass die Top-Vereine die UEFA unter Druck setzen wollten, da sie ihrer Meinung nach zu wenig Geld in der Champions League verdienen. Die European Super League sollte komplett ohne die UEFA veranstaltet werden. Die teilnehmenden Vereine würden den Wettbewerb veranstalten. In den geleakten Dokumenten sind auch Kalkulationen zu den erwarteten Gewinnen aufgelistet. Der FC Bayern verspricht sich zum Beispiel eine Verdreifachung der Einnahmen im Vergleich zur Champions League. In Zahlen ausgedrückt wären das ca. 140 Mio. Euro mehr pro Saison.

Sportschau Dokumentation „Football Leaks – Von Gier, Lügen und geheimen Deals „

Diese Enthüllungen betrachtet Georg Pangl mit großer Sorge. Er kämpft seit fast 5 Jahren für die Belange der kleineren, ärmeren Fußballvereine und für die Aufrechterhaltung des fairen Wettbewerbs. Für ihn wäre die Super League der Super Gau für den Fußball. Schon jetzt verurteilt er die Verteilung der Gelder im europäischen Fußball aufs Schärfste.


„Man muss sich vorstellen, dass die 32 Klubs in der Champions League jedes Jahr knapp zwei Milliarden Euro unter sich aufteilen. Und die ca. 700 Klubs, die in keinem internationalen Wettbewerb spielen, bekommen insgesamt 130 Millionen Euro.“

Georg Pangl im Interview mit 90Minuten.at

Der ehemalige Vorsitzende der Österreichischen Bundesliga hält aber auch die Entwicklung unabhängig von der Super League für problematisch. Neben der immer exklusiver werdenden Champions League kritisiert er die Einführung der geplanten „Europa League 2“ und die Pläne des FIFA Chefs Gianni Infantino bezüglich einer neuen Klub-WM.

Europa League 2 – Für die Kleinen gedacht, für die Großen gemacht

In der Saison 2021/22 soll die Europa League 2 das erste Mal mit 32 Mannschaften ausgetragen werden. Der neue Wettbewerb richtet sich vor allem an Mannschaften kleinerer Nationen und bringt mit sich, dass sich keine Mannschaften aus Ländern, die in der UEFA Fünfjahreswertung hinter Platz 15 liegen, für die Europa League qualifizieren können. Folglich werden die Europa League und die Champions League noch exklusiver.

Außerdem hätten die Pläne laut Pangl gravierende Auswirkungen auf die Nationalverbände. In kleineren Verbänden würden sich die besten Mannschaften für die Europa League 2 qualifizieren und dadurch 6 bis 8 Mio. Euro pro Jahr erhalten. Diese Gelder führen jedoch nicht dazu, dass diese Vereine im europäischen Vergleich ernsthaft wettbewerbsfähig werden, sondern vor allem, dass die Chancengleichheit in den nationalen Ligen aus den Fugen gerät. Dort wird es dann für alle nicht international spielenden Vereine immer schwieriger, Profifußball zu betreiben.

Pangl fordert eine gänzlich andere Herangehensweise, nämlich in Form von höheren Solidaritätszahlungen. Solidaritätszahlungen sind Gelder, die von der UEFA an nicht im europäischen Wettbewerb vertretende Vereine gezahlt werden. Diese richten sich nach den Gewinnen, die von den anderen Vereinen in den europäischen Wettbewerben erspielt werden. Momentan liegen die Zahlungen bei 7,3%. Dieser Prozentsatz ist laut Pangl jedoch viel zu niedrig, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten. Seine Forderung und die seines Verbandes ist es, den Satz auf 20% zu erhöhen. Nur so wäre eine gerechte Umverteilung möglich.

Super League als Druckmittel

Die großen Gegner dieser Ideen sind die Top-Vereine. Diese haben in Verhandlungen mit der UEFA in der Vergangenheit sogar dafür gesorgt, dass der Prozentsatz verringert wurde und die Verhandlungsposition der UEFA wird durch die Pläne der Super League weiter geschwächt. Die Pläne dienen als Druckmittel, um die eigenen Positionen durchzusetzen. Eine Champions League ohne Real Madrid, Bayern München oder Manchester United könnte nicht mit vielen Zuschauern rechnen. Somit ist die UEFA abhängig von den großen Vereinen und ordnet sich momentan deren Wünschen unter.

Georg Pangl spricht von einer Klientelpolitik zugunsten der Top-Klubs. Er fordert, dass diese Vereine sofort von allen nationalen und internationalen Wettbewerben ausgeschlossen werden müssen, sollten sie ihre Pläne in die Tat umsetzen. Die Frage, die er in diesem Zusammenhang stellt, ist, wie man das den Fans erklären solle. Die Zuschauer wollen laut Pangl das Tagesgeschäft nicht missen. Die Super League würde den Fans immer den Kaviar servieren, aber der normale Zuschauer möge auch sein tägliches Brot.

Die verantwortlichen Vereine der Super League Pläne

Pangl stellt außerdem die Frage, was die Top-Vereine mit den immer höher werdenden Mehreinnahmen überhaupt erreichen wollen. Profifußballer bekommen schon jetzt Gehälter, die sich der Otto Normalverbraucher nicht einmal vorstellen kann und die für Transfers gezahlten Ablösesummen brechen jährlich neue Rekorde. Aber ist das Maximum auch immer das Optimum?

Es gibt immer mehr Möglichkeiten Fußball zu schauen. Jeden Tag in der Woche wird Fußball übertragen und diese Entwicklung wird durch die Einführung der neuen FIFA Klub-WM weiter befeuert. Neben der Tatsache, dass dieser Wettbewerb den teilnehmenden Vereinen 80-100 Mio. Euro pro Woche einbringen und somit die Schere zwischen arm und reich noch weiter öffnen wird, führt das immer größer werdende Fußballangebot laut Pangl zu einer Reizüberflutung bei den Fans.

Was die Folgen dieser Entwicklungen sein könnten und wo die Reise des modernen Fußballs hingehen wird, erörtert Georg Pangl bei seinem Auftritt auf der Spielmacher Konferenz 2019. Mit kritischem Blick auf die Geschehnisse in dem Geschäft, in dem er seit vielen Jahren tätig ist, berichtet er in „Quo vadis European Football“ von den schwierigen und unliebsamen Aufgaben, die auf den Fußball zukommen und von den ernst zu nehmenden Gefahren, die dabei für die beliebteste Sportart der Welt bestehen.

Ein leidenschaftlicher Kampf für mehr Solidarität in dem Sport, den wir alle lieben.

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Konferenz 2019

LAFC – Von der Vision zum Publikumsmagneten

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Der Los Angeles Football Club (LAFC) existiert seit knapp fünf Jahren und hat erst eine komplette Saison in der Major League Soccer gespielt. Trotzdem ist er einer der umsatzstärksten Vereine der Liga und hat schon jetzt eine riesige Fanbase.

Begonnen hat alles 2014 mit der Vision, einen Fußballverein in LA zu etablieren, der die Menschen wirklich begeistert. Kein einfaches Unterfangen, da das Sportangebot in LA bereits sehr groß und mit LA Galaxy auch schon ein erfolgreicher Fußballverein dort ansässig ist. Deshalb musste sich das Marketing-Team um Rich Orosco etwas einfallen lassen. Der Gewinner des Marketing Excecutive of the Year Awards der MLS 2018, brachte den großen Hollywood-Flair mit in das neue Projekt. Nach Stationen bei CBS Paramount Television und bei Warner Bros. Television, wo er unter anderem für das Marketing von „Two and a Half Man“ zuständig war, wollte Orosco sich an etwas komplett Neuem versuchen.

Der Grundgedanke war, dass der LAFC ein Verein für jedermann ist und vor allem für die Menschen, die wirklich in LA leben. Die Stadt ist das Wichtigste. Außerdem sollten jüngere Menschen über direkten Kontakt auf Social Media angesprochen werden, da diese in den USA eine höhere Affinität zum Fußball haben. Die Fans wurden beim Projekt LAFC miteinbezogen.

Bereits bei der Namensfindung hatten die Fans ein Mitspracherecht. Genauso konnten sie über die Farben, das Logo und – vielleicht am wichtigsten – ihr Heimstadion mitbestimmen. Dieses Stadion wurde schließlich am 18. April 2018 fertiggestellt und kostete insgesamt 350 Mio. US-Dollar.

Ein Hauch Westfalenstadion an der amerikanischen Westküste

Bei der Planung des Stadions wurde sich ein Beispiel an einem bekannten Fußballtempel der Bundesliga genommen – dem Signal Iduna Park in Dortmund. Die Südtribüne vom BVB war das Vorbild für den „North End“ im Banc of California Stadium, welche die erste Steh- und Sitzplatztribüne der MLS ist. Perfekte Voraussetzungen, um, wie das Motto des Klubs besagt, „Schulter an Schulter“ seinen Verein anzufeuern.

Besonders interessant bei der Planung des Stadions war, dass ein Teil der Kosten bereits vor Beginn der Bauarbeiten durch die Einnahmen von Dauerkartenverkäufen generiert werden konnte. Somit hat ein Verein, welcher noch nie ein Spiel bestritten und noch nicht einmal eine Mannschaft hatte, es geschafft Dauerkarten an interessierte Zuschauer zu verkaufen. Und diese anfängliche Euphorie für das Projekt hatte auch im ersten Jahr in der MLS Bestand, was die Zuschauerzahlen belegen. Alle 17 Heimspiele im 22.000 Plätze fassenden Stadion waren ausverkauft.

Zudem schaffte es das neue Logo in Kombination mit den Vereinsfarben –„Black and Gold“ –  für große Gewinne beim Merchandising zu sorgen. Die Marke LAFC ist beliebt und wird gerne getragen. Neben dem omnipräsenten Logo findet man im Banc of California Stadium auffällig häufig Regenbogenfarben. Ähnlich wie der FC St. Pauli hat sich der LAFC auf die Fahnen geschrieben, für Vielfalt zu stehen. Besonders die lateinamerikanische Bevölkerung von Los Angeles, welche einen großen Teil ausmacht, soll dabei angesprochen werden.

Transfers für die Fans

Diese Fokussierung wird besonders in der Transferstrategie deutlich. Der bisher größte Transfer war Anfang 2018 der des mexikanischen Nationalspielers Carlos Vela von Real Sociedad. Er wechselte für 5 Mio. Euro in den amerikanischen Westen. Vela ist ein Superstar in Mexiko. Er hat bereits 72 Länderspiele für die Mittelamerikaner bestritten und ist auch bei LA direkt eingeschlagen. In seinen ersten 33 Spielen war er an 33 Toren direkt beteiligt. Unter anderem wegen dieser Leistungen ist der Kapitän auch der Publikumsliebling.

Neben Vela ist mit Diego Rossi ein weiterer Südamerikaner ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Der 21-Jährige aus Uruguay soll die Zukunft des Vereins sein und ist schon jetzt der Spieler mit dem zweithöchsten Marktwert. Durch Spieler wie Vela oder Rossi wird versucht, die Bindung der Fans mit dem Verein weiter zu stärken und diese Strategie wird bereits in den Jugendakademien verfolgt. Talente, die die Identifikation der Fans mit dem LAFC unterstützen könnten, werden bevorzugt.

Wichtig für die Identifikation mit dem LAFC ist außerdem die klare Abgrenzung vom Stadtrivalen LA Galaxy. Das Stadion von Galaxy liegt in einem Vorort von LA und die Fans sind in gehobenen Gesellschaftsschichten beheimatet. Genau den Gegenpol dazu möchte der LAFC darstellen. Mitten in Downtown LA gelegen, soll die einfache Bevölkerung wirkliche Leidenschaft für ihren Verein entwickeln. Laut Rich Orosco kann jeder dem Verein weiterhelfen, indem er oder sie einfach vorbeikommt und mitmacht.

Ultras ohne Tradition

Aus diesem Gedanken entwickelten sich in Rekordgeschwindigkeit erste Ultragruppierungen des neuen Vereins. Die bekannteste ist „3252“. Sie führen die Fangesänge am „North End“ an und entstanden auf der Grundlage der Fangruppierungen des ehemaligen MLS Klubs CD Chivas USA von dem der LAFC nicht nur einige Fans übernahm, sondern auch die Lizenz für die MLS. 

Getragen wird das gesamte Projekt von der Unterstützung und der Präsenz in den sozialen Netzwerken. Entsprechend hoch sind die Followerzahlen des LAFC. Auf Twitter sind es 214.000 Menschen und auf Instagram sogar 273.000. Durch tägliche Posts von Fotos, Videos und Artikeln werden hier die Fans auf dem Laufenden gehalten. Außerdem wird über Kommentare und Nachrichten direkter Kontakt zu den Menschen gepflegt. Jüngstes Beispiel für diese vorbildliche Social-Media-Arbeit ist der „BacktoBack“ Podcast, welcher nur der neueste von vielen Podcasts zum LAFC ist.

All diese ungewöhnlichen Entwicklungen, die der Verein in den letzten Jahren genommen hat, wurden von Rich Orosco begleitet. Er war dabei, als der LAFC nur aus einem Büro mit weniger als 20 Mitarbeitern bestand und als am 29. April 2018 das erste Spiel im eigenen Stadion vor 22.000 begeisterten Fans mit 1-0 gegen die Seattle Sounders gewonnen wurde. Dieser Mann hat den Aufbau des Los Angeles Football Club maßgeblich beeinflusst und tut dies noch immer. Er wird als erster Speaker der Spielmacher Konferenz 2019 seine Geschichte und die seines Vereins erzählen. Unter dem Titel „A Clear Brand Identity Wins“, berichtet Orosco darüber, wie der LAFC es innerhalb kürzester Zeit geschafft hat, in der hart umkämpften Sportlandschaft eine starke Marke zu etablieren und leidenschaftliche Fans für den Verein zu begeistern.

Ein ganz besonderer Mann und ein ganz besonderer Verein, die sich trauen neue Wege zu gehen.

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